Großdeinbacher Bürgerschaft rückte gestern in Sachen Dorfladen und altes Schulhaus zusammen
Die vor Wochen im Großdeinbacher Ortschaftsrat zunächst eher skeptisch bewertete Idee, bürgerschaftlich-genossenschaftlich die Zukunft des alten Schulhauses und damit auch des Dorfkerns zu gestalten, nimmt konkrete Formen an. Das wurde gestern Abend bei einer gutbesuchten Bürgerversammlung deutlich.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs) Ortsvorsteher Gerhard Maier zeigte sich in seiner Begrüßung hocherfreut über die tolle Resonanz. Etwa
200 Bürger hatten den Weg in die Deinbacher Mehrzweckhalle gefunden. Er legte dar, dass dieser Abend zwei Zielen diene. Zum einen die Weichen in Richtung Gründung einer Dorfgemeinschaft Großdeinbach zu stellen und zum anderen die Idee eines genossenschaftlich getragenen Lebensmittelladens im alten Schulhaus, wo zuletzt auch das Bezirksamt untergebracht war, zu konkretisieren. Die Dorfgemeinschaft würde dann das Gebäude übernehmen, das ursprünglich von der Stadt verkauft werden sollte. Doch gegen diesen Schritt war eine Bürgerinitiative von heimatverbundenen Großdeinbachern um Wolfgang Kleinrath, Wolfgang Ripberger und Pfarrer Stephan Schwarz Sturm gelaufen. Denn die Gruppe befürchtete auch, dass mit der Trennung vom Gebäude die öffentliche Hand auch alle Chancen für eine gestalterische und soziale Entwicklung des Dorfzentrums mit dem Platzgefüge rund um das alte Schulhaus und nahe des Feuerwehrhauses und der evangelischen Kirche verspielen könnte.
Nachdem sich die Kreissparkasse zum Standort altes Schulhaus bekannte und die Pläne für Einrichtung eines Dorfladens und Wohnungen in diesem derzeit noch schmucklosen Gebäude entwickelt wurden, scheint nun das Ruder von der engagierten Bürgerschaft herumgerissen worden zu sein.
Motivierend wirkte gestern Abend besonders auch der Vortrag von Walter Preisinger, ehemals Finanzvorstand der Bausparkasse Schwäbisch Hall, der sich um zwei vergleichbare und sehr erfolgreich arbeitende Lebensmitteläden in Dörfern bei Schwäbisch Hall kümmert. Er verdeutlichte, dass die Nahversorgung mit Lebensmitteln nicht nur praktisch und auch preislich konkurrenzfähig zu Discountern sei, sondern auch „etwas ganz Emotionales“ für die Orte darstelle. Das soziale Miteinander werde sehr gestärkt. Da gebe es Senioren, die kommen zwei– und dreimal am Tag, um noch etwas einzukaufen, um Leute zu treffen und Schwätzchen zu halten. Die Geschäftsform einer Genossenschaft (Anteilscheine von
100 Euro mit einer Gewinnausschüttung von drei Prozent) sorgten bei hunderten Bürgern für eine zusätzliche Verbundenheit. Auch durch ehrenamtlichen Einsatz arbeiteten beide Dorfläden in der Gewinnzone. Eine solche Dorfladen-Genossenschaft wurde gestern Abend bereits auf den Weg gebracht, indem Anmeldungen für Geschäftsanteile verteilt wurden. Das Interesse war so stark, dass noch eilends nachkopiert werden musste. Man zeigt sich gespannt auf den Rücklauf in den den nächsten zwei Wochen.
In der Aussprache gab es auch warnende Stimmen, denn in Großdeinbach gebe es doch schon zwei Bäcker und zwei Metzger. Man dürfe deren Existenz nicht gefährden. Pfarrer Stephan Schwarz stellte klar, dass dieses Projekt niemanden in Verlegenheit bringen dürfe. Ganz im Gegenteil, es solle für alle Großdeinbacher nutzbringend sein. Er deutete auf die demographische Entwicklung: In
20 Jahren werde man erst recht heilfroh sein, einen solchen Lebensmittelladen vor Ort zu wissen. Walter Preisinger erklärte dazu, dass in einer Kooperation und in einem gegenseitigen Bezug der Waren erfahrungsgemäß sogar die Chance liege, dass unterm Strich jeder davon profitieren könne.
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