Konjunktureinschätzung der Kreissparkasse Ostalb
Nachdem sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft in den ersten fünf Monaten des Jahres 2010 stetig verbesserte, hat sich dieser Trend weiter fortgesetzt.
OSTWÜRTTEMBERG
(pm). Das ifo-Geschäftsklima stieg um
0,
3 Punkte auf
101,
8 Punkte an. Dieser Wert setzt sich zusammen aus einem Rückgang der Geschäftserwartungen um
1,
3 auf
102,
4 Punkte und einem Anstieg der Lagebeurteilung um
1,
7 auf nunmehr
101,
1 Punkte.
Der erneute Rückgang der ifo-Geschäftserwartungen deutet auf einen in Kürze bevorstehenden Hochpunkt auch beim Geschäftsklima hin. Das ist aber nichts Beunruhigendes, sondern angesichts der Entwicklung der letzten Quartale normal und angemessen.
Im Gegenteil, als Folge der Eskalation der Griechenland-Krise hätte es durchaus zu einem Kollaps der Erwartungen kommen können. Das war aber nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich um einen „geordneten Rückgang“ der Geschäftserwartungen, der drei Faktoren Rechnung trägt: Erstens dürfte der Lagerzyklus, der das erste Jahr der globalen Konjunkturerholung prägte, ausgelaufen sein. Die nach dem Fall von Lehman panikartig geleerten Lager sind wieder in Richtung Normalbestände aufgefüllt. Zweitens laufen die deutschen und auch viele der weltweiten Konjunkturprogramme zum Jahresende
2010 aus, was zu Tempoverlusten bei der wirtschaftlichen Erholung führen dürfte. Drittens mehren sich die Nachrichten von Staaten, die verstärkt ihre Staatshaushalte konsolidieren möchten. Die Lagebeurteilung konnte im Juni hingegen merklich zulegen. Das ist letztendlich Ausdruck der starken konjunkturellen Entwicklung im zweiten Quartal, die sich in einem hohen Auftragsbestand und guten Unternehmensgewinnen widerspiegelt.
Ein Blick auf die Produktion zeigt, dass die harten Konjunkturindikatoren den Stimmungsindikatoren folgen. Die Produktion im produzierenden Gewerbe hat im April erneut zulegen können. Sie stieg getrieben von einer kräftigen Ausweitung der Energie– und der Bauproduktion um
0,
9 % mom (month over month — also der Vergleich zum jeweiligen Vormonat). Das Vorjahresniveau wird damit kalender– und saisonbereinigt um
13,
2 % überschritten. Dieser gesamtdeutsche Rekordwert ist das Spiegelbild zum Rekordminus von
22,
5 % yoy (year over year — also der Vergleich zum jeweiligen Monat im Vorjahr) im April
2009.
Die Industrieproduktion legte mit
0,
5 % (mom) im April nur unterdurchschnittlich zu. Das ist aber kein Beinbruch, denn erstens ist das immer noch ein solides Plus, zweitens war der Vormonat außergewöhnlich stark und drittens steigen damit die Auftragsbestände weiter an. Ein Maß hierfür ist die Book-to-Bill-Relation — also das Verhältnis aus Auftragseingängen zum Umsatz. Diese Relation steigt an, wenn mehr Aufträge angenommen werden, als abgearbeitet werden können. Inzwischen weist dieser Indikator den höchsten Wert seit Dezember
2007 auf, eine Zeit zu der man von einem guten Polster für schwächere Zeiten sprach. Damit sichert die deutsche Industrie sich zurzeit also gegen eine mögliche Abschwächung der globalen Nachfrageimpulse ab. Das erneute Plus der Bauproduktion war vor dem Hintergrund des gewaltigen Anstiegs im Vormonat um
24,
4 % mom (ebenfalls ein gesamtdeutscher Rekord) nicht zu erwarten. Das könnte auf die Stimuli der Konjunkturpakete und die derzeit immer noch historisch niedrigen Finanzierungszinssätze zurückzuführen sein.
Alles in allem ist die Stimmung der Unternehmen als gut zu bezeichnen. Sie reagieren besonnen auf die gegenwärtige Schuldenkrise und erwarten lediglich eine etwas langsamere konjunkturelle Gangart. Nimmt man die aktuell verfügbaren Indikatoren zusammen, so zeichnen sie das Bild eines sehr starken zweiten Quartals. Wir erwarten einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um rund
1 % im Quartalsvergleich und auf Sicht des Gesamtjahres
2010 sind rund
2 % Wirtschaftswachstum nicht unrealistisch.
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