Eine junge Französin aus Mutlangens Partnerstadt zog nach acht Wochen Praktikum in der Gmünder Verwaltung Bilanz
Nichts gegen die Gmünder: Wenn das Mädle im i-Punkt auch beim dritten Mal nicht richtig verstand, gab’s weder Augenrollen noch Beschimpfungen: Manchmal wurden sogar Urlaubserinnerungen hervorgekramt. Lucile Kahl, „Praktikantin aus Frankreich“, wurde hier gut aufgenommen.
SCHWÄBISCH GMÜND /MUTLANGEN
(bt). Acht Wochen lang arbeitete Lucile für die Gmünder Stadtverwaltung — und dass sie in allen Abteilungen mit großer Freundlichkeit begleitet wurde, ist durchaus nicht so selbstverständlich, wie es sich anhört. In der ohnehin hektischen Zeit vor der Sommerpause wurden der jungen Französin, die mit dem schwäbischen Dialekt zunächst so gar nicht zurecht kam und auch sonst recht hilflos war im fremden Land — wie auch anders -, Zeit und Geduld geschenkt. Bei ihrer Verabschiedung gestern zeigte sie sich dankbar. Sie machte aber auch deutlich, dass sie, wenn sie irgendwann zurückkommt, nach Mutlangen gehen wird, wo die Familie Resaei sie so liebevoll aufgenommen und herzlich willkommen geheißen hat. Eigentlich ist Lucile nämlich nicht Gmünder, sondern Mutlanger Gast.
Mutlangen ging
1964 eine Partnerschaft mit Bouxières-aux-Dames in der Nähe von Nancy ein. Gemeindeamtsrat Wolfgang Siedle erinnerte gestern daran, dass es „Höhen und Tiefen“ gab in dieser Partnerschaft – „entweder Funkstille oder das ganze Programm“. Nun, seit etwa zehn Jahren, seit es in beiden Städten ein entsprechendes Komitee gibt, ist diese Partnerschaft lebendig wie nie zuvor. So hat man sich auch schon mal in Mutlangens zweiter Partnerstadt getroffen, dem ungarischen Vaskút, und dort erneut erfahren, wie gut so ein Austausch beiden Partnern tut. Als deshalb die Bitte kam, Lucile, die „Stadtplanung und touristische Entwicklung“ studiert, ein Praktikum zu ermöglichen, wurde umgehend im Mitteilungsblatt nach einem Quartier gesucht. Wolfgang Siedle lächelte gestern: „Das war noch nicht gedruckt, als wir die erste Resonanz hatten“. Die Familie Resaei, die selbst Töchter hat, sprach eine herzliche Einladung aus. Albert Klammer setzte sich derweil mit Gmünd in Verbindung und rannte offene Türen ein. Siedle bedankt sich im bei der Stadtverwaltung, die den französischen Gast „nicht nur auf dem Papier“ aufgenommen hätten: „Sie durfte wirklich das ganze Programm mitnehmen“.
T
&M-Chef Manfred Maile nannte diesen „weiteren Beleg für nachbarliche Zusammenarbeit“ selbstverständlich. Lucile Kahl habe Gmünd in einer spannenden Zeit erlebt, in einer Zeit, in der „Stadtumbau, Innenstadtentwicklung und Tourismus intensiv beackert“ würden. Im Kulturamt, in dem sie „schnuppern“ durfte, wurde die
EKM organisiert; sie war im Hauptamt und im i-Punkt, wo sie direkten Kundenkontakt hatte. Im Stadtplanungsamt versuchte sie, sich über Stadtgestaltung und Denkmalpflege in Deutschland zu informieren, und besonders interessant fand sie den Bereich „Bürgerschaftliches Engagement“ — also wie unterschiedliche Gruppen ins Gemeinwesen eingebunden werden und wie notwendig dies ist, damit auch in einer Zeit knapper Kasse alles rund läuft.
Dass sie mit ihrem Schuldeutsch das Schwäbische so gar nicht verstehen konnte, hat sie zunächst sehr verunsichert. Es war ja auch wirklich ein Abenteuer, auf das sich Lucile da eingelassen hatte. Zwar haben viele Kommilitonen Praktika in anderen Ländern gewählt, in Australien etwa und in Asien, aber eben ausschließlich in international besetzten Hotels. Sie ist die einzige, die außerhalb Frankreichs in einem i-Punkt arbeitete.
Ja, sie fühlte sich fremd — die deutsche Angewohnheit, abends nur zu vespern und die Hauptmahlzeit am Mittag einzunehmen, findet sie nach wie vor sehr befremdlich. Sie hat auch ein bisschen Heimweh: Dass sie ihr Deutschland-Praktikum in so guter Erinnerung haben wird, ist den Resaei-Töchtern zu verdanken, die sich sehr um sie gekümmert haben, etwa mit ihr Eis essen gingen oder sie in den Französisch-Unterricht des Scheffold-Gymnasiums eingeladen haben, aber auch der „Schönheit“ Gmünds. Die Stadt habe sie mit ihren Mittelalter-Anklängen und dem vielen Grün bezaubert. Na, und die Brezeln und der Leberkäse seien auch richtig gut gewesen.
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