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» Ostalbkreis | Donnerstag, 29. Juli 2010

Reinhold Daiss gestern Abend nach 24 Bürgermeisterjahren in Eschach verabschiedet

Lang war die Liste der Redner – denn schließlich hatten viele ihren Dank abzustatten. Dank für alles, was Reinhold Daiss in 24 Jahren als Bürgermeister von Eschach geleistet hatte. Gestern Abend wurde er feierlich verabschiedet. Von Manfred Laduch

ESCHACH. Rolf Späth hatte nach einem Stück des Musikvereins Holzhausen als stellvertretender Bürgermeister die vielen Gäste zu dem „besonderen Tag für die Gemeinde“ in der vollen Halle begrüßt. Es dürfe ohne Zweifel von einer Ära Daiss für Eschach gesprochen werden. Man habe immer deutlich gespürt, dass der Bürgermeister das Amt mochte. Da er dicht beim Rathaus wohne, habe er noch oft spät abends Licht im Büro des Schultes gesehen.
Das Wohl der Gemeinde habe bei Reinhold Daiss immer vor persönlichen Interessen gestanden. Er habe nicht verwaltet, sondern gestaltet. Späth zählte viele Projekte auf, die in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten realisiert wurden. „Und das Feuerwehrhaus, die Kläranlage und der Kreisel, die unter Ihnen geplant wurden, kommen erst noch“, zeigte Späth den großen Umfang von Daiss’ Leistung auf.
„Sie werden in den Köpfen der Eschacher verankert bleiben; Ihre Handschrift ist in der Gemeinde deutlich sichtbar“, lobte der Stellvertreter den scheidenden Bürgermeister. Er habe die Eigenständigkeit bewahrt, die ein hohes Gut sei, und übergebe Eschach in gutem Zustand an seinen Nachfolger.
Mit allem, was er 1986 in der Eidesformel versprochen habe, habe Reinhold Daiss Wort gehalten, schloss Späth – und vergaß dabei nicht zu erwähnen, dass die Familie häufig auf den Bürgermeister habe verzichten müssen. Weshalb ihr ganz besonderer Dank für die Unterstützung gelte.
Wenn er die beiden Daiss-​Enkel so anschaue, gebe es für den Ruheständler ja viel zu tun, erklärte Landrat Klaus Pavel in seiner Rede. Bislang sei Daiss ja rund um die Uhr für die Bürger da gewesen. Dafür gebühre ihm Respekt und Anerkennung. Für Eschach bedeute der Wechsel eine Zäsur.
Pavel lobte die konsequente Sparpolitik des scheidenden Bürgermeisters. „Pflichtaufgaben statt Vorzeigeprojekte“ habe dessen Devise gelautet. Dennoch habe sich die Gemeinde unter seiner Regie beachtlich weiterentwickelt. Pavel bezeichnete Daiss als „ruhigen, bescheidenen Schultes, dem der Dorffrieden wichtig war, der das Ehrenamt unterstützt hat und es selbst lebt“. „Nehmen Sie ihn mit Wohlwollen und Freude auf“, bat der Landrat die Ehefrau des künftigen Ruheständlers.
„Der Wunsch des stellvertretenden Bürgermeisters Walter Maier aus dem Jahr 1986 nach vielen Jahren Amtszeit hat sich in beachtlicher Weise erfüllt“, erklärte Franz Raab namens der Eschacher Vereine. „Auf Ihre Unterstützung konnte man zählen; Sie waren für die Eschacher Vereine ein Glücksfall“, lobte der Vorsitzende des Gesangvereins. Raab erinnerte daran, dass Daiss in seiner Ära mehrere Vereine dabei unterstützt hatte, sich Vereinsheime zu schaffen.
Die „große Besonnenheit und den Weitblick“, mit denen Daiss Eschach harmonisch weiterentwickelt habe, lobte MdB Norbert Barthle. „Man muss in diesem Amt die Menschen mögen“, erklärte Staatssekretär Stefan Scheffold. Die volle Halle zeige die Verwobenheit von Daiss mit seinen Eschachern.
„Ich habe großen Respekt vor Deiner Arbeit und danke Dir für die gute Zusammenarbeit“, erklärte Göggingens Bürgermeister Walter Weber als Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft und bezeichnete Daiss als „langfristigen Denker“.
Namens beider Konfessionen sprach Pfarrer Uwe Bauer Dank und Segenswünsche aus. Für junge Eschacher sei die Gemeinde ohne Bürgermeister Daiss nach 24 Jahren eine unvorstellbare Sache. Bauer attestierte dem scheidenden Bürgermeister, in der Gemeinde lesbare, positive Spuren hinterlassen zu haben. Für die Kirche habe er immer ein offenes Ohr gehabt. Er sitze als Pfarrer ja auch oft bis spät am Schreibtisch. Als unmittelbarer Nachbar des Rathauses könne er aber feststellen, dass Reinhold Daiss diesen nächtlichen Wettkampf meist gewonnen habe.
Weitere Grußworte der Senioren, des Kindergartens, der Gemeindebeschäftigten und der Feuerwehr schlossen sich an, ehe Reinhold Daiss nach einer Einlage des Gesangvereins zum Schlusswort kam. Er sei „überwältigt vom Zuspruch“ und nannte Eschach eine liebevolle Gemeinde. Sie habe freilich vor 24 Jahren ganz anders ausgesehen, verwies Daiss mit berechtigtem Stolz auf die Baumaßnahmen an Rathaus, Gemeindehalle und Schule, die geordnete Trinkwasserver– und Abwasserentsorgung aller Ortsteile oder das Gewerbegebiet Froschlache.
Erfolge gebe es freilich nur in einem verzweigten Netzwerk. Er sei immer auf die Akzeptanz der Bürger angewiesen gewesen, für die er nun herzlich danke. Man müsse einen offenen Blick und Verständnis für die Aufgabe haben – und gute Mitarbeiter, setzte Daiss die Dankesworte fort. Kirchturmpolitik sei ein Instrument der Vergangenheit, bedankte er sich bei den Kollegen. Er selbst habe „das Mögliche gegeben – und auch erreicht.“ Nun habe er allen zu danken. Die Segel seien neu gesetzt.
 

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