Weiterbau statt Umbau — so deutet der Architekt die Erneuerung der Mögglinger Pfarrkirche und die ergänzte Ausstattung
„Wir werden diesen Schatz hüten“, versprach Bürgermeister Ottmar Schweizer gestern in der Petrus und Paulus-Kirche. In der katholischen Pfarrkirche Mögglingens fand gestern Abend der Festakt zur Wiedereinweihung statt. Die Sanierung wird gekrönt durch die Ergänzung mit zwei Kunstwerken des Bildhauers Otto Herbert Hajek.
MÖGGLINGEN
(rw). Die Gemeinde rückt in der
1957 von Albert Hänle erbauten Kirche näher zusammen, sie kann in diesem Raum die Beziehung zu Gott lebendig werden lassen, wie Pastoralreferent Tobias Kriegisch sagte. Pfarrer Hans-Peter Bischoff begrüßte die Gäste und die Gemeindemitglieder, lobte die professionellen Ausführenden wie auch die Gemeindemitglieder, welche in viel Eigenarbeit die aus einer Kirche in Essen stammenden Kirchenbänke aufgearbeitet haben.
Architekt Peter Krebs sprach über den Weg vom Papier zur Wirklichkeit. Ihn bewege vor allem die großartige Wirkung der skulpturalen Werke von Otto Herbert Hajek, „mich bewegt auch die Rückholung des wunderbaren Marienaltars und die Ergänzung mit dem Auferstandenen, der sich so gut in unser Entwurfskonzept integrieren ließ.“ Es sei Absicht gewesen, den Grundgedanken Albert Hänles aufzunehmen mit den drei großen Wandscheiben, die das Licht in den Kirchenraum reflektieren, sie gäben dem Lichteinfall nun viele Nuancen und steigerten die Lichtwirkung. Es sei Anliegen gewesen, den „schönen, qualitätsvollen Raum“ nicht vollständig umzubauen, sondern anzupassen an die Bedürfnisse der Kirchengemeinde. Was fertiggestellt wurde, entspreche mit geringen Veränderungen dem Wettbewerbsentwurf von
2007, doch es sei kein einfacher Weg gewesen. Dank sagte der Architekt für das Vertrauen wie auch für konstruktive Kritik.
Diözesanbaumeister Heiner Giese sprach über das Verhältnis von Architektur, Kunst und Raum. Er ging auf die Metamorphosen der Mögglinger Kirche ebenso ein wie auf Hajeks Kunst und definierte den Kirchenraum als den „wertschätzenden Ort“, der auch der Zuwendung der Menschen zueinander diene. Voller Bewegung sprach Johanna Stulle für die Erbengemeinschaft Hajeks. Der als Seitenaltar konzipierte Marienaltar,
1956 von dem damals
29-Jährigen geschaffen, sei von Teilen der Kirchengemeinde nicht akzeptiert worden, bald wurde er wieder abgebaut. Der Künstler stellte ihn in seinem Ateliergarten auf, wo er
50 Jahre lang stand. Werner Speier, der
2. Vorsitzende des Kirchengemeinderats, habe
2004 den Garten besucht und Ende
2005 ein Schreiben an die Erben gerichtet — Hajek war im April
2005 gestorben -, ob der einst verschmähte Marienaltar wieder zurückkehren könne. „Dadurch wurde das Ensemble der Bildhauerarbeiten in seiner Gesamtheit wieder hergestellt, was in die Kunstgeschichte eingehen wird und worauf die Gemeinde mit Fug und Recht stolz sein kann.“ Hajeks verhaltene Figürlichkeit werde inzwischen geschätzt, „weil wir Zeichen wiedererkennen, wir uns in ihnen wiederfinden, weil sie uns einen Halt geben in einer an Bildern überreichen Zeit. Wäre Hajek heute hier, er wäre sicher glücklich.“
„Die Zeit war reif dafür“, sagte Bürgermeister Ottmar Schweizer. Die Kirche habe eine innere, liturgische und künstlerische Erneuerung erfahren. „Die Mögglinger haben sich weiterentwickelt und sind offener geworden“, sagte er unter Beifall der Gemeinde. Man verstehe die Kunst Hajeks heute besser. Die „Heimkehr der Verbannten“ mache aus der Mögglinger Pfarrkirche ein „künstlerisches Juwel in der Region.“
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