Beachtliches Interesse gab es gestern Abend am Großen Zapfenstreich auf dem Gmünder Marktplatz
Großer Zapfenstreich: Drei Musikvereine baten gestern Abend auf den Marktplatz, und viele kamen, eine Verbindung von Sommerabend, Serenade und von Pathos getragenen Militärklängen zu genießen.
SCHWÄBISCH GMÜND
(bt). Der von Hans-Gerd Burr geleitete Musikverein Bettringen, der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Waldstetten und die Gmünder Stadt-Jugendkapelle unter der Leitung von Norbert Bausback – Ideengeber und Organisator dieses Konzertes – schenkten den Gmündern ein Konzert, wie es lange keines mehr gab. Begleitet wurden die Musikerinnen und Musikern von Fackelträgern der Jugendfeuerwehr Gmünd. Nach einer kurzen Serenade, bei der jede Kapelle sowie der Spielmannszug dem Publikum zwei Musikstücke schenkten, begann der eigentliche Große Zapfenstreich. Die Zeremonie teilt sich auf in „Locke“, Zapfenstreich und Gebet und endet mit der deutschen Nationalhymne. Die drei Gruppierungen samt Fackelträgern marschierten also sternförmig auf den Marktplatzbrunnen zu und stellten sich dort in L-Formation auf. Geboten war nur der musikalische Teil, doch genau der war es, der so viele Besucher in die Innenstadt gelockt hatte. Den anhaltenden Applaus haben sich die drei Vereine ohne jeden Zweifel mehr als verdient.
Bis zum Beginn der großen Ferien wird es in der Innenstadt Serenadenkonzerte geben, erklärte die Vorsitzende des Stadtverbands Musik und Gesang Ramona Kunz. Nachdem die Konzerte am Sonntagmorgen immer weniger angenommen wurden, im vergangenen Jahr aber ein Konzert der Kolping– und der Stadt-Jugendkapelle an einem Sonntagabend ein Erfolg wurde, hätten
61 musiktreibende Vereine mit über
3500 Mitgliedern beschlossen, Neues zu versuchen und auf den Abend zu setzen, um die Vielfalt Gmünder Musik präsentieren zu können.
Nicht wenige ehemalige Soldaten fanden sich gestern in den Reihen der Zuhörer; sie wussten, was der Vorsitzende der Stadt-Jugendkapelle, Konrad Schmid, später erklärte – dass der Zapfenstreich uralt ist und traditionell das Zeichen für den Beginn der Nachtruhe: Nach diesem Signal darf sich kein Soldat ohne besondere Erlaubnis außerhalb seines Quartiers aufhalten. In der russischen Armee sangen die Soldaten nach dem Abendsignal noch einen Choral, was wiederum während der Befreiungskriege die deutschen Verbündeten so sehr beeindruckte, dass der Zapfenstreich in Verbindung mit einem Gebet über seine ursprüngliche Bedeutung hinaus feierlichen Charakter erhielt. Daraus entwickelte sich schließlich der Große Zapfenstreich als höchstes militärisches Zeremoniell der Bundeswehr – wie dieser Tage bei der Verabschiedung Horst Köhlers zu sehen war.
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