Ein sehr heißes Jahrgangsfest mit zwei Umzügen und einem besinnlichen Gottesdienst im Münster
59 wackere Siebzigerinnen und Siebziger des Altersgenossenvereins 1940 freuten sich übers sonnig-heiße Sommerwetter und darüber, dass es getreu ihres Mottos frei nach Hildegard Knef rote Rosen regnete, als sie am Samstag beim Festzug zeigten, dass sie allesamt einem Jahrgang angehören, der rüstig und frohgelaunt durchs Leben schreitet.
SCHWÄBISCH GMÜND (kos). Begonnen hatte das
70er-Fest schon am Donnerstagabend mit dem Eröffnungsgottesdienst in der evangelischen Augustinuskirche mit der Ansprache von Pfarrer Plocher und der musikalischen Gestaltung durch den Liederkranz Heubach unter Konrad Sorg und dem sich anschließenden Begrüßungsabend. Am Samstag aber ging es dann so richtig los, als die Böllerschüsse, die die Altersgenossen geweckt hatten, verhallt waren. Am Sebaldplatz nahmen sie nach dem Sektfrühstück Aufstellung, um dann mit der Musik der Stadtkapelle unter Dietmar Spiller, der Kolpingkapelle unter Udo Penz und der Stadtjugendkapelle unter Norbert Bausback los zu marschieren.
„Für uns soll’s rote Rosen regnen“ hatten sie sich als Motto für das Fest und den Zug gewählt. Und von denen gab es dann von den vielen Zuschauern viele, aber beileibe nicht nur rote, sondern auch viele gelbe und weiße, die dann allesamt dem Zug und den Altersgenossen ein besonderes Flair gaben.
Am Johannisturm war Halt, und dort erklang, wie könnte es anders sein, auch das von den Siebzigern mit Inbrunst gesungene Alois-Lied, bevor man bis zum Münster weiter marschierte.
Dort zogen sie unter dem machtvollen Klang der von Stefan Beck gespielten Orgel und der Band „Swabian Brass“ in die Kirche ein, wo sie Münsterpfarrer Robert Kloker begrüßte. In seiner Ansprache ging er nach einem Text aus dem Johannes-Evangelium auf den Gedanken des Friedens ein, nach dem er zuvor auf das Motto des Tages „Für uns soll es rote Rosen regnen!“ eingegangen war. Mit diesem aufmunternden Motto seien sie in ihr Altersgenossenfest hineingegangen: „Es ist ja gar nicht selbstverständlich, im Wohlstand, im Glück und zumal im Frieden leben zu dürfen.“ In ihrem Geburtsjahr
1940 hatte die Welt ganz anders ausgeschaut, in Europa habe der Zweite Weltkrieg getobt. Das Völkerrecht sei praktisch außer Kraft gesetzt gewesen, und ganze Völkerschaften seien feindlich gegenüber gestanden.
Schon diese wenigen Pinselstriche für das Zeitgemälde des Geburtsjahres
1940 würde zeigen, dass Frieden, Friedensbewahrung und Friedenssicherung wichtige Stichworte für das Zusammenleben von Menschen zu allen Zeiten seien. „Wie viel menschliches Leid, wie viele humane Tragödien hätten vermieden werden können, wenn es auf unserer Welt friedlicher zugegangen wäre und auch heute zugehen würde?“ Doch eine so lange Friedensphase wie seit dem Ende des zweiten Weltkrieges habe es für unser Vaterland nie gegeben. Was wirklicher Friede bedeute und was wir dafür tun können, diesen Gedanken ging Pfarrer Kloker nach und zitierte Thomas von Kempen, der gesagt habe: „Bewahre erst Frieden und Ordnung in dir selbst, dann magst du auch Frieden und Ordnung in anderen herstellen!“
Der heutige Tag lade dazu ein, sich darüber persönlich Rechenschaft zu geben! „Bin ich ein Mensch, der zum Frieden und zur Ordnung mit sich selber gefunden hat?“ Es sei eine große Wegstrecke, die alle zurücklegen durften, und Licht und Schatten hätten ihren Lebensweg bestimmt, der auch geprägt gewesen von Arbeit, von Leistung und Erfolg. Doch heute frage man auch, „wie geht es weiter mit mir. Werde ich ein menschenwürdiges Altern und einmal Sterben erleben dürfen? Wird es Menschen geben, die mir zur Seite stehen, die mir helfen, wenn ich schwach werde?“
Um trotzdem auch im Blick auf das nahende Alter Frieden und Ordnung in sich selbst bewahren zu können, brauche es ein seelisches Gleichgewicht, ein tragfähiges Lebensfundament. Er erinnerte an das gehörte Evangelium. Demnach finde man diesen wahren Frieden „nicht nur in uns und durch uns selber, sondern wir würden ihn im Glauben an Jesus Christus finden, der alle Wege mit uns gehe und uns ein treuer Weggefährte sei.“ Solches Glauben und Vertrauen auf die Führung Gottes in Jesus Christus lasse uns zu friedlichen und friedliebenden Menschen werden, und wer mit dieser inneren Balance zu leben verstehe, der könne zu vielem versöhnt sein „Ja und Amen“ sprechen. Nach dem Gottesdienst formierte sich der Zug zum zweitenmal, um durch Gmünd zu ziehen.
Zwischenzeitlich herrschten tropische Mittagstemperaturen, denen besonders die Männer des Altersgenossenvereins in ihren traditionellen schwarzen Festtagsanzügen und unter den Zylindern sehr zu trotzen hatten. Erneut regnete es Rosen und mit viel Gmünder Kondition wurde in der prallen Sonne wiederum das Alois-Lied angestimmt.
Noch keine Kommentare vorhanden.