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» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 06. Juli 2010

Zum ersten Mal in der Region: HBGler haben die Expedition zum Internationalen Jugendabzeichen in Gold

Karten und Kompass, vier Laib Brot, jede Menge Tütensuppen eine Handvoll Schokoriegel, einen Kocher, Zelte, Schlafsäcke, ein Handy für den Notfall – viel mehr packten HBG–Schülerinnen und Schüler für ihre viertägige Gold-​Expedition im Schwarzwald nicht ein.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Brennnesselblätter so pflücken, dass es nicht weh tut. Sich auch in unzugänglichen Waldregionen zurechtfinden und zum verabredeten Zeitpunkt am Tagesziel ankommen. Regen und Hitze stoisch ertragen und freundlich aber bestimmt „Nein“ sagen, wenn die Bauersfamilie, die um ein bisschen Wasser gebeten wird, die ganze Gruppe zum Essen einladen will. Keine Frage: Es gehört schon einiges dazu, eine solche Tour selbstständig zu planen und durchzuziehen – ohne Pfadfindervergangenheit und ohne die Möglichkeit, dem Wetter, der Anstrengung, vielleicht auch der allgegenwärtigen Gruppe für eine Tasse Cappuccino zu entkommen. Carmen Frabschka und ihre Schwester Andrea, die vom HBG ins Hobchbegabtengymnasium gewechselt ist, Larissa Hieber, Katharina Novak, Max Busold und Alexander Müller hatten Dank einer Initiative Ostalbkoordinators Theo Betz bereits im Frühjahr eine Probeexkursion im Odenwald angetreten. Damals war’s durchgehend nass und kalt, und die 20 Kilometer-​Etappen bergauf, bergab und stets bepackt und beladen gestalteten sich doch recht schwierig: Vom ersten bis zum letzten Biwak die perfekte Vorbereitung für den Schwarzwald. Damals haben sich „Grüppchen“ gebildet, und das war wohl keine gute Entwicklung. Also wurde bei der Schwarzwaldtour alles getan, als echte Gruppe unterwegs zu sein – angefangen bei der Zeltverteilung bis hin zur Oberhoheit über das Kartenmaterial.
Am ersten Tag in Schluchsee – dem Tag vor dem eigentlichen Beginn der Tour – stand ein Besuch im Haus der Natur an, immerhin hatte die Gruppe als Übungs– und Präsentationsthema nach den Bodenuntersuchungen im Odenwald nunmehr die Schwarzwaldblumen ausgewählt. Außerdem gab’s eine Wanderung zum Bismark-​Denkmal auf dem Feldberg als letzten kleinen Fitness-​Test.
Andrea’s Knie stellt die ganze Expedition in Frage
Am nächsten Tag dann nach einer Proviant-​Kontrolle der Aufbruch von Hinterzarten ins Wildnisgebiet Südschwarzwald, wo topographische Anhaltspunkte nicht eben dicht gestreut sind. Zudem nieselte es, ununterbrochen, nicht eben das Wunschwetter der Gruppe. Wie gut, dass an Isomatten gedacht war, sagt Alex; die machen das Gepäck zwar sperrig, aber eben auch die Nächte erträglich. Aber Regen und Kälte waren nicht das eigentliche Problem: Andrea hatte massiv Probleme mit ihrem Knie, dessen Bänder die Kniescheibe nicht länger fixierten — und nicht nur für große Schmerzen sorgten, sondern auch ein Gehen fast unmöglich machten. Was nun? Zunächst war’s selbstverständlich, zusammenzubleiben; aber mit ihrer improvisierten Krücke war Andrea so langsam, dass die geplanten Etappen an diesem Tag mit immer größerer Verspätung angetreten wurden. Sollten die anderen alleine weiter gehen? Was würde den größeren Punktabzug geben? Gereiztheit kam auf, und erst eine offene Aussprache sorgte für Klarheit. Würde Andrea aber mit dieser Verletzung den Rest der 80 Kilometer überstehen können? Ja, sie konnte. Fußballer Max „tapte“ ihr Knie, und wenn’s richtig schlimm wurde, halfen Schmerztabletten.
Bundeskoordinator Jochen Vogel hielt Kontakt, Gutachter Jan Spiesberger und die Helferinnen Jutta und Silvia Schmieg trafen die Gruppe immer wieder, um nach dem Rechten zu sehen, und alle miteinander bescheinigen der Gruppe, alles richtig gemacht zu haben. Jemanden zurückzulassen, bzw. übers Handy Hilfe zu organisieren, wenn’s nicht unbedingt notwendig ist, bringt bei weitem nicht die Bewertung wie ein Team, das zusammenhält. Und das war wunderbar zu sehen: Wenn’s etwa darum ging, über einen steilen Waldhang abzusteigen, nahmen sich die Jungs ganz selbstverständlich die schweren Rucksäcke, stützten die Verletzte und halfen, wie sich Larissa erinnert, auch anderen, die nicht ganz so fit waren.
An einem Tag wurden der Schluchsee und Steinatal erwandert, am nächsten in Steinhöfe fast die Grenze zur Schweiz erreicht. Als am letzten Tag die Endstation der Sauschwänzlebahn in Weizen erreicht war, war auch die Tour zu einem glücklichen Ende gebracht. Bestimmender Eindruck: Die Schönheit der Landschaft, die sich während der 80 Kilometer in erstaunlicher Vielfalt präsentiert hatte. Max etwa schwärmt von der Wandlung der Steinach vom Bächle zum Fluss, alle gemeinsam nennen den sich überraschend bietenden Blick auf die Alpen einen Höhepunkt ihrer Tour. Außerdem die Pflanzen, die sie studiert und fotografiert haben, um im Oktober bei der Preisverleihung eine angemessene Präsentation zeigen zu können: Die blaugrünen Desvaux’ Hainsimse und der Frauenschuh — Max’ persönliches Lieblingsgewächs –, die weiße Waldhyazinthe und die letzten Maiglöckchen fanden sich auf der eigens „naturnah“ gewählten Route. Übrigens war eine Voraussetzung dafür, diese „Prüfung“ zu bestehen, dass die Gruppe nicht nur immer wusste, wo genau sie sich befand, sondern auch stets zu benennen wusste, wie sie am schnellsten einen „Fluchtweg“ erreichen würde, ein Dorf also oder auch nur eine Straße.
Das Gmünder Hans-​Baldung-​Gymnasium ist nicht zuletzt Dank Programmleiterin Ute Ordu die erste Schule im Ostalbkreis mit einer Gold-​Stufe. Das bedeutet, dass sich die Jugendlichen in vier Bereichen beweisen müssen: Eigene Talente entwickeln und ausbauen, im Ehrenamt Verantwortung übernehmen, ihre Fitness unter Beweis stellen und schließlich die Expedition durchstehen, die vor allem auf dieser höchsten Ebene eine grenzwertige Erfahrung sein kann: Dadurch, dass sie alle miteinander ihre viertägige Wanderung durch den Schwarzwald überstanden haben, ist das Jugendabzeichen Baden Württemberg in Gold nun in greifbare Nähe gerückt. Carmen hat’s bereits geschafft: Sie ist die ersten Gold-​Trägerin der Region; die anderen müssen noch das eine oder andere – im übrigen auf ein Jahr angelegte – Projekt abschließen. Das entsprechende Durchhaltevermögen haben sie ja bereits unter Beweis gestellt.
 

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