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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 07. Juli 2010

Drei Hobbykünstlerinnen präsentieren ihre Arbeiten im Familien– und Nachbarschaftszentrum FuN auf dem Hardt

Drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, haben sich auf dem Hardt zusammengefunden, um zu malen. Sie sind Freundinnen geworden, und sie haben viel mehr gefunden, als sie gesucht haben: Das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). „Eine Rose ist eine Rose ist die Geburt einer Galaxis.“ Zumindest wenn Nadja Rasputin sie malt. Die studierte Kartografin und gelernte Vermessungsingenieurin ist eine von drei Hobbykünstlerinnen, die drei Tage lang im FuN auf dem Hardt ihre Arbeiten ausstellen werden. Sie alle widmen sich erst seit einigen wenigen Jahren den Aquarellen, der Öl– und Acrylmalerei und ihren Grisaille genannten und ausschließlich in Grau, Weiß und Schwarz ausgeführten Arbeiten. Nichts, was sich wesentlich von dem unterscheidet, was auch andere Gmünderinnen und Gmünder an den unterschiedlichsten Ausstellungsorten präsentieren: Diese drei aber, Nadja Rasputin, Natalia Hauer und Liliane Shmidt, malen sich nicht nur ihre Sehnsüchte von der Seele sie haben dieses Medium auch genutzt, endgültig Fuß zu fassen in Deutschland, in Gmünd, im Familien– und Nachbarschaftszentrum FuN auf dem Hardt. Kennengelernt haben sie sich in einer Gesprächsrunde; heute malen sie nicht nur gemeinsam – etwa einen Samowar –, sie kochen auch miteinander, sie singen, tanzen, feiern und helfen einander nach Kräften.
Bauingenieurin Natalia Hauer ist die Älteste; ihr Deutsch lässt noch immer zu wünschen übrig, aber sie ist ja auch erst seit sechs Jahren hier. Ihre Enkeltochter — deren Blumenhut-​Portrait in der Ausstellung zentrale Bedeutung zukommt — übersetzt für sie. Ein ganzes Leben in der Ukraine, dann ein so radikaler Schnitt. Ist das nicht sehr, sehr schwer? Die Redensart vom Baum, der irgendwann nicht mehr verpflanzt werden sollte, greift nicht im Fall dieser gelassenen, stillen Frau. Sie hat keine Verwandten mehr in der alten Heimat Und ihr ist Familie alles: „Wenn ich meine Familie um mich habe, komme ich auch in der Wüste klar“. Entsprechend konzentriert sie sich in ihrem Schaffen vor allem auf Portraits, für die sie sich sehr viel Zeit nimmt. Familienmitglieder werden gemalt, aber auch Gesichter, die es ihr aus anderen Gründen angetan haben, die sie interessieren und neugierig machen auf den Menschen. Natalia ist der ruhende Pol im Dreigestirn der Hardt-​Hobbykünstlerinnen.
Ganz anders Liliane Shmidt, die vor zehn Jahren aus Russlands Norden kam, genauer von der Halbinsel Jamal am Polarkreis. Sie sprudelt und quirlt und hat hundert Ideen aus denen tausend Skizzen und Studien entstehen: Augen, Hände, Münder. Die Tage haben nicht genug Stunden, all ihre Eingebungen umzusetzen. Auch sie kann begonnene Bilder monatelang liegen lassen, um sie dann aber in einer einzigen Nacht zu vollenden. Sie hat sich ebenfalls an Portraits versucht, vor allem aber verliert sie sich in Märchen und Motiven aus Alexander Puschkins Erzählungen. In ‘zig Momentaufnahmen etwa hat sie die Verwandlung eines Schwans in eine Prinzessin festgehalten. Sie malt viele Elfen, und auch Legenden rund um Nikola Tesla. Tesla war Erfinder und Elektro-​Ingenieur, Pionier der elektromagnetischen Energieübertragung und Vater des Wechselstroms, des ersten Radiosenders und der ersten Fernsteuerung. Einen Meteoriten soll er zerstört haben, bevor er auf der Erde einschlug, und eine mystische Taube habe seinem nahen Tod angekündigt. Ob das alles stimmt? Liliane lächelt: „Wenn man über die Grenzen der Vernunft hinausgeht, öffnet sich ein inneres, ein drittes Auge“. Und: „Alles, was war, ist und sein wird, beginnt mit einem Traum“.
Nadja Rasputin ist seit 15 Jahren in Gmünd; sie kam mit ihrer Familie aus dem nördlichen Ural – dort wo Europa und Asien ineinander übergehen –, und sie ist diejenige, die seit langem angekommen ist. Sie tanzt Salsa, ihre Kinder sind brillante vollkommen integrierte Sportler: Kein Gedanke daran, hier fremd zu sein. Aber auch sie sehnt diese gemeinsamen Mal-​Stunden herbei: „Wenn ich male, fliegt meine Seele“. Das Malen sei eine Quelle der Freude und Entspannung. Sie hat bereits als Studentin mit Tinte gearbeitet und nutzt heute unterschiedlichste Techniken, um unter anderem Landschaft und Natur darzustellen — eine Rose, die eine Galaxie in sich birgt etwa. Sie spricht für die Gruppe, als sie erzählt, wie dankbar man Birgit Bormann und dem FuN sei: Hier wurden sie und ihre Kinder aufgenommen und willkommen geheißen. Mit ihrer Ausstellung wollen sie deutlich machen, wie viel das FuN den Menschen auf dem Hardt bedeute.

Zur Vernissage der Ausstellung „Fliegende Seele“ am Freitag, 16. Juli, um 20 Uhr im FuN, Antiber Str. 17, singt der Internationale Chor brasilianische, ukrainische und englische Lieder. Gäste werden bewirtet.
 

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