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» Sport | Mittwoch, 07. Juli 2010

Triathlon, Ironman Nizza: Weiler und Häber schaffen Quali für WM auf Hawaii ; Riede Siebter in der Altersklasse M 55

(pm). Eine kleine Gruppe der DJK Gmünd machte sich an die französische Cote d’Azur auf, um sich im schönen Nizza die Krone des Triathlonsports aufzusetzen: die Ironman-​Distanz über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen galt es zu bewältigen. Mit Gabi Weiler und Dirk Häber schafften zwei Athleten die Qualifikation für die Weltmeisterschaft auf Hawaii.

Mit der Erfahrung von zusammen bereits über 20 gefinishten Ironmanteilnahmen wussten die drei DJKler natürlich bereits im Vorfeld, was auf sie zukommen könnte und dennoch hat jeder Ironman-​Triathlon seine eigenen Geschichten und unvorhergesehene Wendungen. Jedes Mal gilt es, sich auf neue Probleme einzustellen und jedes Mal muss der Athlet sich immer auf das eigentliche Ziel – das bloße Bewältigen dieser eigentlich unvorstellbaren Distanz – konzentrieren. Dafür ist ein enormer Trainingsumfang nötig. Dass dieses intensive Training nicht mehr unter Gesundheitssport einzuordnen ist, kann man leicht nachvollziehen und so stand der Start in Nizza bei Gabi Weiler und Dirk Häber nicht unter den besten Vorzeichen: Weiler war durch eine bei einem Radsturz zugezogene Hüftverletzung gehandicapt und Häber hatte in der Woche direkt vor dem Start noch mit einer hartnäckigen Wadenverletzung zu kämpfen. Beide konnten also nicht ganz sicher einschätzen, ob ein erfolgreiches Absolvieren dieser extremen Distanz gelingen würde. Doch am Wettkampftag selbst war man dann guter Dinge.
Morgens um 6.30 Uhr fiel der Startschuss: Weiler, Riede und Häber stürmten zusammen mit 2500 anderen Teilnehmern in der Bucht von Nizza ins Mittelmeer, um sich auf den Weg Richtung erste Boje in 1000 m Entfernung zu machen. Hierbei galt es, möglichst schnell einen eigenen Rhythmus zu finden und sich aus dem größten Gedränge, das unweigerlich entsteht, rauszuhalten. Mit diesen Bedingungen hatte Klaus Riede ziemlich bald so seine Probleme: befand er sich doch inmitten eines großen Pulks, in dem geboxt und kreuz und quer geschwommen wurde. Längere Zeit musste Riede Brust schwimmen und stand hier nach eigenen Worten panikartig schon kurz vor dem Umdrehen. Erst in der zweiten Runde lief es besser und in 1:21,26 Stunden konnte er doch deutlich unter seinen Möglichkeiten den ersten Wechsel in Angriff nehmen. Etwas länger für die bei allen dreien ungeliebte Auftaktdisziplin benötigte Gabi Weiler. Nach 1:26,02 Stunden machte sie sich auf den Weg zur ersten Wechselzone. Am besten mit den schwierigen Bedingungen dieses Massenstartes kam schließlich Dirk Häber zurecht. Ziemlich schnell konnte er etwas abseits des Hauptfeldes die erste Runde im zum Glück ruhigen Salzwasser zurücklegen. Die zweite kleinere Schleife, durch einen kurzen Landgang eingeleitet, führte dann wieder zurück an die Promenade. Häber hatte hier mit kleineren Magenproblemen zu kämpfen und musste etwas Tempo rausnehmen, so dass am Ende aber immer noch eine gute Zeit von 1:05,45 Stunden für den Schwimmkurs zu Buche stand.
Neben dem ganz speziellen Flair der faszinierenden Mittelmeermetropole Nizza ist der Verlauf der Radstrecke einer der Hauptgründe, die für einen Start dort sprechen. Hat man erst einmal die Stadt verlassen, gelangt man bald durch malerische Ortschaften und über kleine Landstraßen mitten in die französischen Seealpen und hat sogar einen 20 km langen Anstieg bis auf über 1100 m zu bewältigen. Immer wieder geht der Blick Richtung Meer oder in eines der malerischen Täler, so dass die Mühen und Anstrengungen etwas verschönert werden.
Gabi Weiler zeigte, dass sie mit bergigem Gelände gut zurecht kommt und konnte die mit fast 2300 Höhenmeter versehene Strecke in sehr guten 6:29 Stunden bewältigen. Dabei konnte sie sich immerhin von Rang elf bis auf Rang vier ihrer Altersklasse vorarbeiten. Auch Klaus Riede bewältigte die Strecke ohne größere Probleme. Nach 5:49 Stunden stieg er vom Rad und konnte sich damit auf Platz elf seiner Altersklasse verbessern. So ganz zufrieden mit dieser Zwischenplatzierung war er jedoch nicht, was die Motivation für den Rest des langen Tages doch sichtlich beeinträchtigte.
Ein schneller Wechsel und die Aussicht auf die attraktive Radstrecke verliehen Dirk Häber offensichtlich unvorhergesehene Kräfte. In den flacheren Passagen profitierte er von den sich bildenden eigentlich verbotenen Pulks und am Berg konnte er sein geringes Gewicht ausspielen. Ein weiterer Vorteil war offensichtlich der Umstand, dass Häber bereits im Vorjahr in Nizza startete und somit mit der Strecke schon vertraut war. In 5:21 Stunden raste er über die 180 km, was einem Schnitt von 33,5 km/​h entsprach und damit war er jetzt schon in Reichweite der Top 100 im Teilnehmerfeld.
In Nizza ist der Laufkurs recht zuschauerfreundlich konzipiert: gilt es doch viermal eine Wendepunktpassage mit 10,5 km zu absolvieren. Für den Athleten selbst bedeutet dies jedoch gleichzeitig dreimal am ersehnten Ziel wieder zu wenden und obwohl der Körper schon längst „Stop“ ruft noch einmal zurück auf die Promenade einzubiegen.
Mit der Routine von neun absolvierten Langdistanz-​Triathlons gelang dies Gabi Weiler offensichtlich in Nizza sehr gut: zwar durch auftretende Krämpfe geplagt, konnte sie auf der Laufstrecke noch einmal einen Platz in der Altersklasse gutmachen. Glücklich über das Geleistete konnte sie mit einer Marathonzeit von 4:11 Stunden auf dem dritten Platz der Altersklasse W 50 in die Sonne von Nizza strahlen. Eine Gesamtzeit von 12:19,13 Stunden stand bei ihr zu Buche, was angesichts der schwierigen Radstrecke eine tolle Leistung war und ihr immer noch eine Gesamtplatzierung deutlich in der vorderen Hälfte (Platz 1077) einbrachte.
Klaus Riede machte sich ebenfalls auf, seine Platzierung zu verbessern, musste aber bereits in der ersten Runde einen kleinen Rückschlag hinnehmen: eine Druckstelle im Schuh zwang ihn zu einer Zwangspause, um den Fuß mit einem Blasenpflaster abzukleben. Sichtlich nicht am Limit laufend, hatte der Gmünder Arzt auf der Laufstrecke noch die Zeit und die Muse den mitgereisten Anhang und die Fans zu begrüßen und genoss ansonsten die Aussicht auf die Bucht von Nizza. Nach 4:09 Stunden Laufzeit lief Riede in der Gesamtzeit von 11:32,10 Stunden ins Ziel und konnte so auf Gesamtrang 641 liegend den siebten Platz in der Altersklasse M 55 belegen, was nicht ganz seinen gesteckten Zielen entsprach.
Mit gemischten Gefühlen machte sich Dirk Häber auf die noch recht leere Laufstrecke. Doch er fand schnell seinen Rhythmus und konnte Platz um Platz gutmachen. Von Beginn an plagten auch seine geschundenen Füße Blasen an der Fersenunterseite und nach 25 km meldeten die Muskeln mit Krämpfen, dass eigentlich jetzt genug sein müsste. Doch mit viel Routine und einigen wichtigen Wechseln im Laufrhythmus konnte Häber in 3:27,26 Stunden noch auf Rang neun der Altersklasse M 40 von über 500 hier gestarteten Teilnehmern vorlaufen. In der letzten Runde realisierte Häber, dass unter Umständen sogar die magische Schallmauer von zehn Stunden unterboten werden könnte, die Gesamtzeit von 10:01,55 Stunden tat seiner Freude aber keinen Abbruch. Der unglaubliche 83. Gesamtrang unterstreicht die vorher nie für möglich gehaltene Leistung.
Spannung kam dann auch am Tag nach dem Wettkampf auf, stand dann doch die Vergabe der Tickets für die Weltmeisterschaft auf Hawaii an. Gabi Weiler sicherte sich den einzigen Platz in der Altersklasse W 50. Somit gelang ihr nach Tina Walter als zweite Gmünder Athletin diese Qualifikation zum großen Event auf Big Island. Auch bei Dirk Häber als Neunter der Altersklasse M 40 waren die Chancen recht gut, gab es doch sieben Plätze für Hawaii. Und tatsächlich wurde auch sein Name aufgerufen, doch Häber wird auf Hawaii nicht starten.
 

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