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» Ostalbkreis | Sonntag, 01. August 2010

Fachkräfte von morgen suchen einen Ausbildungsplatz

Die Wirtschaftskrise hat Folgen für den Nachwuchs. Die hohe Ausbildungsquote der vergangenen beiden Jahre wird wohl nicht erreicht – auch nicht in Ostwürttemberg. Hans-​Joachim Gulde, Chef der Aalener Arbeitsagentur, appelliert an Industrie und Handwerk, alle Reserven auszuschöpfen. Aktuell sind in Ostwürttemberg 1011 Bewerber ohne Ausbildungsplatz. Von Alexander Gässler

OSTWÜRTTEMBERG. „Wir bilden jetzt die Fachkräfte aus, die wir in drei Jahren brauchen“, sagt Gulde. Und das werden eine ganze Menge sein, wie Klaus Moser, Hauptgeschäftsführer der IHK–Ostwürttemberg, sagt. Ihm zufolge werden bis zur nächsten Fußball-​WM in Baden-​Württemberg 100000 Facharbeiter und 120000 Ingenieure fehlen. Für Moser ist klar: Für die heimische Industrie wird das ein „Wachstumshemmnis“ sein.
Also liegt auf der Hand, dass Moser mit der aktuellen Ausbildungsquote nicht zufrieden sein kann. Er erwartet zwar, dass sich in den kommenden zwei Monaten noch etwas tut, aber: „Wir werden nicht die Spitzenwerte der vergangenen zwei Jahre erreichen.“ Moser rechnet damit, dass am Ende sechs bis acht Prozent weniger Ausbildungsverhältnisse abgeschlossen werden als im Vorjahr. Das erklärt er so: Die Betriebe – vor allem in der Zuliefererbranche — hätten noch nicht das Vertrauen in die Konjunktur.
„Das Handwerk vertraut der aktuellen konjunkturellen Entwicklung“, entgegnet Dr. Tobias Mehlich, Chef der Handwerkskammer Ulm. Ihm zufolge ist der Fachkräftemangel im Handwerk bereits heute zu spüren. Teile der Betriebe könnten deshalb schon nicht mehr wachsen, sagt er. Im Ostalbkreis gebe es derzeit 120 unbesetzte Ausbildungsplätze – vor allem im Lebensmittelhandwerk, im Baugewerbe, aber auch für Elektroberufe und als Schreiner. Im Kreis Heidenheim seien aktuell 70 Stellen offen. Hans-​Joachim Gulde genügt das nicht. Er fordert gerade das Handwerk auf, zur früheren hohen Ausbildungsquote zurückzukehren.
Viele unbesetzte Lehrstellen gibt es im Hotel– und Gaststättengewerbe. Die Branche scheint bei jugendlichen Bewerbern aber wenig attraktiv zu sein. Zwischen den Zeilen wird deutlich: Für viel Arbeit gibt es vergleichsweise wenig Geld. Unter anderem kämpft Gulde um Ausbildungsplätze im Bereich Elektronik und Elektrik sowie im Anlagenbau: „Wir brauchen mehr Stellen.“
Einig sind sich alle Beteiligten des Gesprächs in der Aalener Arbeitsagentur, dass Jugendliche aus Migrantenfamilien integriert werden müssen. DGB–Regionalvorsitzender Wolfgang Klook: „Jeder Jugendliche muss eine Perspektive haben.“ Südwestmetall-​Geschäftsführer Jörn P. Makko sagt, dass es in der Metall– und Elektrobranche bereits heute zweijährige Ausbildungsberufe für schwächere Schüler gibt. Eine Lanze brechen alle Beteiligten für die duale betriebliche Ausbildung. Handwerk und Industrie den Fokus auf Frauen setzen müssen.
 

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