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» Ostalbkreis | Sonntag, 01. August 2010

Sammelband „Alphabeta 2010“ mit Schülerarbeiten aus dem Rosenstein-​Gymnasium erschienen

Es gibt Regionen in Deutschland, über die häufiger als über andere in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen ist. Eine davon ist Ostwürttemberg. Leser in ganz Deutschland lernten die Region um den Rosenstein durch Artikel und Reportagen kennen, die in den vergangenen zwölf Monaten von Schülern des Rosenstein-​Gymnasiums Heubach in der Franktfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wurden.

HEUBACH (pm). Der besondere Reiz vieler dieser Reportagen erschließt sich aber den Bewohnern der beschriebenen Region sicher viel stärker, als den über eine Million Lesern der überregionalen Zeitung. Der Sammelband „Alphabeta 2010“ zeigt der heimischen Bevölkerung, wie Schüler des Abitur-​Jahrgangs 2010 des Heubacher Gymnasiums ihre Heimat wahrnehmen und in Reportagen abbilden.
Das goldene Büchlein ist der neunte Sammelband, der Schülerarbeiten in Buchform zusammenführt, die zuvor in überregionalen Zeitungen veröffentlicht wurden. In dem 130 Seiten starken Werk sind auch alle acht prämierten Reportagen der Fazit-​Preisträgerin des Jahres 2010, Theresa Lieb, abgedruckt, sowie die ersten Wirtschaftsartikel, für die die Heubacher Gymnasiasten Mitte September in Berlin ausgezeichnet werden.
Alle Arbeiten stammen von Schülern, die im Laufe der Oberstufe an den Projekten „Jugend schreibt“ oder „Jugend und Wirtschaft“ teilgenommen haben. Der Großteil der Reportagen stammt von Schülern des Ethikkurses von Dr. Helmut Rössler, die vor wenigen Wochen mit dem Abitur ihre Schullaufbahn beendeten. Die Wirtschaftreportagen über Susa und Lely-​Melkroboter, die die Anthologie beschließen, entstanden im Rahmen des Projekts „Jugend und Wirtschaft“, an dem Schüler der Klassen 10 und 12 derzeit teilnehmen.
Das goldene Heft vereinigt anders als die Vorgängerhefte von Alphabeta, welche Ergebnisse eines projektorientierten Deutschunterrichts präsentiert hatten, zum ersten Mal Arbeiten, die fast ausschließlich im Rahmen des Ethikunterrichts entstanden sind. Im Februar 2009 haben sich die 18 Teilnehmer des Ethikkurses der Jahrgangsstufe 12 einen langen Freitagnachmittag von 13 bis 20 Uhr in der Schule getroffen, um sich vom Herausgeber des Heftes in das Schreiben von Reportagen einführen zu lassen.
Es verwundert deshalb nicht, dass stärker als sonst ethische Problemstellungen Auslöser für die Reportagen waren. So erfährt man z.B. einiges über den Chor Tiramisu, über den Sterntaler-​Kindergarten, über das Schicksal eines Asylsuchenden, über die Existenzprobleme eines Spielsüchtigen, über den Umgang mit Lebenskrisen, über das Verhalten der Heubacher am Tag des Kriegsendes, über Integrationshilfen für arbeitslose Jugendliche, über die Erfahrungen eines Jugendlichen mit einer Hörleistung von 130 Prozent, aber auch über das Sommerschanzenspringen in Degenfeld, über die Schäferei auf der Ostalb, über Mikroskopieren als Kunst oder über den Kunstradsport.
Dass diese 130 Seiten einen goldenen Einband erhalten, hat laut Rössler eine gewisse Berechtigung: So schnell habe noch nie eine so kleine Gruppe von Schülern derart viele druckreife Arbeiten vorgelegt. Bereits nach zehn Monaten, als die Fazit-​Stiftung — übrigens dieses Jahr zum ersten Mal bereits während des laufenden Projektjahres — im November die Preisträger ermittelte, wurde dem Rosenstein-​Gymnasium mitgeteilt, dass seine Ethik-​Gruppe nicht nur als die erfolgreichste Gruppe mit den meisten Publikationen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausgezeichnet werde, sondern dass mit Theresa Lieb auch eine Schülerin der Gruppe im Januar 2010 den mit 7200 Euro dotierten Fazit-​Preis für Nachwuchs-​Journalisten erhalten werde.
Der Ethikkurs tritt damit die Nachfolge der Vorgängerkurse des Rosenstein-​Gymnasiums an, die 2009, 2008, 2006, 2004 und 2002 ebenfalls unter den jeweils hundert teilnehmenden Schulklassen aus ganz Deutschland die größte Zahl an Publikationen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erreicht hatten.
Aber auch die Preisträgerin Theresa Lieb hat mit dem Gewinn des Fazitpreises 2010 eine Tradition fortgesetzt. Insgesamt haben nun bereits acht Schüler aus den Projektklassen des Herausgebers einen Fazit-​Preis erhalten.
Einige Artikel der diesjährigen Heubacher Nachwuchs-​Journalisten stießen auf unerwartetes Interesse. So meldete sich die Fernseh-​Redaktion von Markus Lanz und wollte mehr über den jungen „hellhörigen“ Mann wissen, den Nadine Höger in ihrer Reportage vorgestellt hatte. Auf die Artikel über das deutsch-​polnisch-​französische Jugendtreffen erhielten die Autoren Julika Barth und Lisa Laber Post von einem Historiker, der glaubte, sie über die Geschichte des Elsasses und die Jahrhunderte währenden Konflikte zwischen Frankreich und Württemberg aufklären zu müssen.
Die Reportage von Selin Cicigül über drei Türkinnen, die von ihren Erfahrungen mit dem Tragen von Kopftüchern berichten, hat mehrere Briefschreiber veranlasst, Stellungnahmen zu verfassen. Ein Leserbrief wurde in der FAZ abgedruckt, ein anderer, begleitet von einem umfangreichen Dossier mit kritischen Koranpassagen, ging der Schülerin über die Schulpost zu. Was eine FAZ–Leserbriefschreiberin allgemein über die Reportagen auf der Seite „Jugend schreibt“ zum Ausdruck bringt, gilt sicherlich auch, vielleicht sogar besonders, für die 23 bisher in der FAZ publizierten Arbeiten der diesjährigen Heubacher Projektgruppen:
„Als langjährige Abonnentin Ihrer Zeitung möchte heute einmal eine von den Lesern nie kommentierte Seite hervorheben: „Jugend schreibt“. Ich bin immer wieder beeindruckt und staune in zweierlei Hinsicht: Wie einfühlsam sich die Jugendlichen den vielschichtigen Themen widmen und der wirklich beachtenswerte gute sprachliche Stil. Eine einzige Freude bei der Lektüre.“
Mit der Lektüre der FAZ–Reportagen ab Seite 42 kann jeder Leser dieses Sammelbands überprüfen, inwieweit er sich dem Urteil der FAZ–Leserin aus Braunschweig anschließen kann.
Der goldene Sammelband wird den jungen Journalisten und Abiturienten sicherlich eine angenehme Erinnerung an die an– und aufregenden Seiten eines projektorientierten Ethikunterrichts sein. Jedem Leser eröffnen die mit Zeitungszeilen eng bedruckten Seiten interessante Perspektiven auf den Ostalbkreis. Das Buch gibt es in Heubacher Buchhandlungen und im Sekretariat des Rosenstein-​Gymnasiums.
 

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