Ärzte und die AOK sind sich einig: Hausarztvertrag ist gut für die Patienten /Programm soll fortgesetzt werden
Die aktuellen Pläne der Bundesregierung, die höhere Vergütung der Hausarztverträge auf das allgemeine Niveau zu senken, verärgert die Hausärzte und die AOK in Ostwürttemberg.
SCHWÄBISCH GMÜND
(pm). Jörg Hempel, Geschäftsführer der
AOK Ostwürttemberg: „Trotz dieser Pläne wird das erfolgreiche
AOK–Hausarzt-Programm weitergeführt. Die bereits abgeschlossenen Hausarztverträge haben Bestandsschutz.“
Die Pläne der Bundesregierung sieht er kritisch: „Das ist ein politisches Signal gegen die Hausärzte. Der Politik ist die Gefahr eines Ärztemangels bewusst, andererseits sollen den Medizinern bessere Verdienstmöglichkeiten vorenthalten werden. Junge Menschen wird das sicher nicht motivieren, sich als Arzt — vor allem auf dem Land — niederzulassen.“
Zu den Plänen hat sich aktuell auch die Landesregierung zu Wort gemeldet. Sie spricht sich im Rahmen der aktuellen Spardiskussion im Gesundheitswesen eindeutig für den Erhalt und die Weiterentwicklung der hausarztzentrierten Versorgung und die Umsetzung in entsprechende Verträge aus.
Die Hausärzte und die
AOK sehen im positiven Votum des Ministerpräsidenten Mappus für den Hausarztvertrag mit der
AOK im Land eine wichtige und wesentliche Bestätigung des eingeschlagenen Weges in Richtung solcher Verträge.
Jörg Hempel: „Die Landesregierung würdigt damit die erfolgreiche Umsetzung des innovativen
AOK–Hausarztvertrages in Baden-Württemberg“.
Dr. med. Axel Menden, Hausarzt in Schwäbisch Gmünd, ergänzt: „Die Landesregierung stellt unmissverständlich klar, dass die umfangreichen Zusatzleistungen der Hausärzte im Rahmen dieser Versorgungsform leistungsgerecht honoriert werden müssen. Wir Hausärzte begrüßen, dass die Landesregierung sich in Berlin klar für den Erhalt der innovativen Honorarstruktur einsetzen wird. Ein einfaches und unbürokratisches Honorarsystem gibt uns Planungssicherheit und mehr Zeit für die Behandlung unserer Patienten. Das kommt vor allem den chronisch Kranken und Patienten mit mehreren schweren Erkrankungen zu gute.“ Jörg Hempel: „Das
AOK Hausarzt-Programm ist bis jetzt die einzige Antwort auf den Hausärztemangel auf dem Land. Die Landesregierung unterstützt jetzt mit Ihrer Position auch den Erhalt der wohnortnahen haus– und fachärztlichen Versorgung der Patienten.“
Patienten mit Hausarztvertrag
sehr zufrieden
Vor zwei Jahren wurde der Hausarztvertrag von der
AOK Baden-Württemberg eingeführt. Ein wichtiges Ziel der
AOK war es unnötige Arztbesuche zu vermeiden und die Zahl auf eine bedarfsgerechte und sinnvolle Zahl abzusenken. Aktuell geht ein Deutscher
18 Mal im Jahr zum Arzt — doppelt so oft wie der durchschnittliche Europäer.
Eine Prognose-Umfrage unter den Teilnehmern im
AOK Hausarzt-Programm bestätigt nun den Erfolg:
97 Prozent aller Versicherten in Schwäbisch Gmünd, die an dem Modell teilnehmen, sind sehr überzeugt oder zufrieden. Knapp
94 Prozent würden eine Teilnahme weiterempfehlen.
Der Vertrag stärkt den Hausarzt als Lotsen im Gesundheitssystem, der den Patienten bei Bedarf an Fachärzte weiterleitet. Rund
37 200 AOK–Versicherte und
172 Ärzte in Ostwürttemberg machen bisher mit.
„Die pauschalierte Bezahlung des Arztes ermöglicht vertiefende Arzt-Patienten-Gespräche und gibt damit dem Patienten das Gefühl einer guten Versorgung“, bilanzierte Hempel. „Die hohe Zahl der vergleichsweise kurzen Kontakte in Deutschland rührt daher, dass die Probleme der Patienten aus deren Sicht nicht zufriedenstellend geklärt wurden.“ Zudem verführe die außerhalb des Hausarztvertrages abrechenbare Einzelleistung Ärzte dazu, Patienten möglichst oft einzubestellen.
Im Juli
2008 hatte die
AOK Baden-Württemberg bundesweit den ersten Direktvertrag mit dem Hausärzteverband und dem Medi-Verbund geschlossen. Andere Kassen zogen später nach. Damals klagten viele Kassenärzte über niedrige und undurchsichtig berechnete Honorare. Sie drohten mit der Rückgabe der Kassenzulassung. Der
AOK–Hausarztvertrag pauschalierte die Vergütung und verbesserte sie um bis zu
45 Prozent. Laut der Umfrage warten
80 Prozent der Patienten weniger als
30 Minuten bei einem vereinbarten Termin in der Praxis. Bei rund
25 Prozent sind es sogar weniger als
15 Minuten. Außerdem bescheinigten rund
93 Prozent der Befragten Ihrem Hausarzt vollstes Vertrauen.
Jörg Hempel: „Ich freue mich besonders darüber, dass sich die Patientenzufriedenheit trotz eines hohen Ausgangslevels durch den Vertrag noch einmal gesteigert hat.“ In der Umfrage gaben
26 Prozent der Versicherten an, dass ihre Gesundheitsversorgung besser geworden ist —
1,
2 Prozent finden ihre Versorgung wurde schlechter.
Direkt an das
AOK–Hausarzt-Programm angeschlossen sind die Verträge mit Fachärzten. Jörg Hempel: „Bei den neuen Facharztverträgen steht besonders die Vernetzung zwischen Haus– und Facharzt und damit eine bessere Abstimmung der Behandlungsabläufe im Mittelpunkt.“ Bisher gibt es Verträge mit Kardiologen und Gastroenterologen.
Ganz aktuell hat die Ärztegemeinschaft „Mediverbund“ den Zuschlag zur Umsetzung der Facharztprogramme Orthopädie und Neurologie /Psychiatrie erhalten, die im Mai
2010 von der
AOK Baden-Württemberg ausgeschrieben wurden.
„Unser Ziel ist nun, die Vertragsverhandlungen konsequent und solide voranzubringen. Die Verträge sollen
2011 in Kraft treten, damit unsere Versicherten deren Vorteile so bald wie möglich nutzen können“, sagt Hempel. „Dazu gehören unter anderem technisch erstklassig ausgestattete Praxen, verkürzte Wartezeiten und Zuzahlungsbefreiung für viele Medikamente, zu denen die
AOK Rabattverträge abgeschlossen hat.“
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