Böbinger Albverein machte Kinder im Ferienprogramm mit der Naturschutzarbeit vertraut
Dass der Albverein Böbingen nicht nur Wanderungen und Wanderfahrten anbietet, sondern sich auch aktiv um den Natur– und Umweltschutz kümmert, erfuhren die Teilnehmer des Kinder-Ferienprogramms.
BÖBINGEN (if). Unter Anleitung des Naturschutzwarts Ingo Feile wurden mehrere vereinseigene Nist– und Schlafhöhlen am Klotzbach und im Bruckholzer Wäldchen kontrolliert und gesäubert.
Das Aufhängen künstlicher Nisthöhlen diene nicht nur dem Schutz der Vogel– und Fledermausarten, es sei auch eine wirkungsvolle Maßnahme zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Den aufmerksamen Jungbiologen war schon bekannt, dass die Höhlenbewohner besonders im Frühjahr, wenn die Bruten heranwachsen, große Mengen meist schädlicher Insekten, ihre Puppen Larven und Eier verzehrten. Bei Kohlmeisen hätten Beobachter an einem schönen Frühlingstag über
800 Fütterungsanflüge gezählt.
Auf dem ehemaligen Bahndamm fiel eine Holzbetonhöhle auf, deren Einschlupfloch bis auf eine kleine Öffnung „zugemauert“ war, ein sicheres Zeichen für die Belegung durch den Kleiber. Er erzeugt aus Lehm und Speichel eine Art Mörtel, der steinhart werden kann. Größere Höhlensucher haben dann keine Chance, den Kleiber aus seinem Domizil zu vertreiben. Das hauptsächlich aus Rindenstückchen und Blattresten bestehende „unordentliche“ Nest wurde säuberlich herausgescharrt.
Unter der Klotzbachbrücke weckte eine über dem Fließwasser aufgehängte, kastenförmige Halbhöhle mit einer Einflugluke an der Unterseite das Interesse. In geduckter Haltung konnte das Moosnest einer Wasseramsel entdeckt werden. Der schwarze Vogel mit dem weißen Brustfleck taucht ins fließende Wasser, um unter den Steinen am Grund nach Bachflohkrebsen und Wasserinsektenlarven zu suchen. Die Sensation des Tages lieferte eine flaumige Fledermaus. Sie hing kopfüber schlafend an der Decke einer Meisenhöhle. Experte Christian brachte es fertig, sie vorsichtig zu lösen, so dass sie auf seiner Handfläche sitzen blieb, wo sie sich willig beobachten und streicheln ließ. Fledermäuse benutzen die künstlichen Höhlen als Wohnraum und Kinderstube. Sie bauen kein Nest und tragen ihre Klammerjungen mit sich herum. Die jungen Ornithologen wunderten sich auch darüber, dass alle künstlichen Höhlen belegt waren. Oft nisten sich noch Nachmieter ein wie der Siebenschläfer, Fledermäuse, Hornissen oder Schmetterlinge. Alle Höhlenbrüter leiden darunter, dass sie keine geeigneten Baumhöhlen mehr finden.
Im Verlauf der Säuberungsaktion erfuhren die Teilnehmer, warum die Wohnhöhlen im Spätsommer gereinigt werden müssen. Das alte Nestmaterial enthält manchmal faule Eier, tote Jungtiere und Parasiten (Blutsauger). An dem zu entfernenden Nistmaterial kann man feststellen, welche Tierarten die Behausung genutzt haben. Leider musste der Naturschutzwart daran erinnern, dass immer wieder Nisthöhlen mutwillig zerschlagen oder abgenommen werden. Diese blinde Zerstörungswut und die sich häufenden Diebstähle könne man nicht mehr als Kinderstreiche bezeichnen. Allein in diesem Frühjahr seien fünf Holzbetonhöhlen einfach verschwunden.
Auf dem Grillplatz, der von den Motorradfreunden wieder einmal großzügig zur Verfügung gestellt wurde, endete der informative Nachmittag. Mit einem Dankeschön für ihr diszipliniertes Verhalten und ihr außergewöhnliches Interesse konnte der Naturschutzwart die Kinder wieder den Eltern übergeben.
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