Gestern wurde die Kidstown in der Heubacher Stellung eröffnet /155 Kinder machen mit
Das Arbeitsleben ist noch in weiter Ferne und nur die wenigsten haben schon genaueste Vorstellungen davon, welchen Beruf sie später ausüben möchten. Doch an Interesse mangelt es den 155 Kindern, die dieses Jahr in der Kidstown vor den Toren Heubachs arbeiten, nicht. Ob Polizist, Schreiner oder Gärtner – sie arbeiten wie die Großen.
HEUBACH
(nb). So ist es kein Wunder, dass schon gestern bei der Eröffnung der Kidstown ein regelrechter Wirtschaftsaufschwung zu spüren war — in der Schreinerei wurde gesägt, im Krankenhaus ein Sehtest für die Bewohner durchgeführt, im Beauty-Salon wurden zahlreiche Nägel lackiert und ein Fußbad vorbereitet und auch die Polizisten hatten allerhand zu tun, mussten sie doch nach einem vermissten Betreuer suchen. Dabei wurden auch die anderen Bewohner der Stadt mit ins Boot geholt. So wurden Vermisstenanzeigen verteilt, auf denen akribisch aufgezeichnet war, welche Kleidung der Vermisste trägt. Schon nach kurzer Zeit war der Betreuer gefunden und ob er nochmals „verschwindet“, wird er sich sicherlich genauestens überlegen – denn die Polizisten stellten jede Menge Fragen.
Gut so, schließlich werden sie dafür bezahlt. Acht Ostalb-Euro verdienen die Kidstown-Bewohner pro Stunde. So lässt es sich leben. Wenn da nicht das Finanzamt wäre, an das zwei Ostalb-Euro abgegeben werden müssen, . . .und die Krankenkasse, die einen Euro pro Stundenlohn für sich beansprucht.
Den Wirtschaftskreislauf kennenlernen ist ein Ziel der Kidstown – dem wird hier zweifelsohne Rechnung getragen. Großgeschrieben wird in der Stadt auch die Demokratie. So wird der Bürgermeister von den Bewohnern gewählt. Gestern wurden die Kandidaten vorgestellt, heute wird entschieden, wer diese Woche das Sagen hat. Die
13-jährige Theresa kann sich gut vorstellen, Stadtoberhaupt der Kidstown zu werden. Gute Voraussetzungen hierfür bringt sie mit. Schließlich war sie in den vergangenen Jahren Gemeinderätin in der Kidstown. Ihr Wahlprogramm ist klar definiert: Abschaffung der Hutpflicht (wer keinen trägt, muss derzeit
20 Ostalb-Euro zahlen), ein Fußballturnier, eine Herabsetzung der Preise und eine Stadtverschönerung. Doch Theresa, die schon seit fünf Jahren Bewohnerin der Kidstown ist, ist nicht die einzige, die Bürgermeisterin werden möchte. Rund
15 Kids hatten gestern Interesse an dem Amt signalisiert. Der elfjährige Tim und der gleichaltrige Levent lassen sich bei der zweiten Bürgermeister-Wahl kommende Woche aufstellen. „Dann treten wir gegeneinander an“, freuen sich die Kumpels. Um das Wahlprogramm kümmerten sich die Beiden gestern noch nicht. Schließlich waren sie als Maler beschäftigt und hatten dabei jede Menge zu tun. Im Auftrag des Großhandels hatte die Schreinerei ein Werbeschild angefertigt; die Malerei hatte die Aufgabe, für die farblichen Akzente zu sorgen.
Für Erholung sorgte die Kneippanlage des Naturwissenschaftlichen Instituts oder das umfangreiche Beautyangebot des Beautysalons. Zur Not gibt’s auch noch die Glückssteine „für ein erfolgreiches Leben“. Na, da kann doch eigentlich nichts mehr schiefgehen.
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