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» Sport | Donnerstag, 12. August 2010

FV Unterkochen schreibt an den Fußballverband und will keine Ehrenabzeichen mehr tragen

Der Stachel sitzt tief. Verständlich. Der FV Unterkochen ließ sich anfangs Juni als Meister der Fußball-​Bezirksliga feiern und musste sich vier Wochen später damit abfinden, dass Titel und Aufstieg in die Landesliga an den FC Bargau gehen. Der Verein hat jetzt einen offenen Brief an den WFV verfasst, und am Ende unterschrieben fünf Vorstandsmitglieder, die künftig keine WFV–Ehrenzeichen mehr tragen wollen.

(rz). Zur Erinnerung: Vor dem letzten Spieltag in der Bezirksliga waren der FV Unterkochen und der FC Bargau punktgleich an der Tabellenspitze, die viel bessere Tordifferenz aber hatte der FC Bargau, der in Hofherrnweiler eigentlich „nur“ hätte gewinnen müssen, um Meisterschaft und Aufstieg feiern zu können.
Doch Bargau verlor mit 0:1, während Unterkochen sein letztes Spiel gewann und dadurch die Meisterschaft in der Tasche hatte. Weil die TSG Hofherrnweiler aber einen Jugendspieler eingesetzt hatte, der zuvor bereits im Spiel der zweiten TSG–Mannschaft mitwirkte, legte der FC Bargau Einspruch gegen die Wertung des Spiels ein. Laut WFV–Satzungen dürfen Jugendspieler nur an einem Spiel pro Tag mitwirken. Dem Einspruch hatte das Bezirkssportgericht stattgegeben, anschließen hat auch der Württembergische Fußballverband das Urteil bestätigt und damit den FV Unterkochen letztlich auf Platz zwei gesetzt.
Nun hat aber der Tabellenzweite immer noch die Möglichkeit, über die Relegationsspiele aufzusteigen. Doch der FC Bargau hatte bereits (als eigentlicher Tabellenzweiter) ein Relegationsspiel bestritten – und dieses verloren. Nach den Satzungen des Fußballverbandes muss aber der Verein ein Ergebnis übernehmen, der an die Stelle eines anderen Vereins rückt. In diesem Fall musste sich Unterkochen die Bargauer Niederlage im Relegationsspiel anrechnen lassen. Unterkochen hatte keine Chance mehr, in die Relegation einzusteigen.
In dem Brief an den WFV schreibt der FV Unterkochen, dass „sich ein Sportverband, der Statuten erlässt, die dazu führen, dass eine sportlich korrekt errungene Meisterschaft durch Fehler Dritter aberkannt wird, von den elementaren Grundsätzen des DFB, welche da heißen Sportlichkeit und Fairness, verabschiedet.“
Und weiter heißt es: „In diesem Fall wird jegliche Verhältnismäßigkeit mit Füßen getreten. Der Verursacher der Misere, die TSG Hofherrnweiler, kommt mit 20 Euro Geldstrafe davon. Der Profiteur der ganzen Angelegenheit, der FC Bargau, kann sieben Tage nach dem letzten Meisterschaftsspiel und vier Tage nach dem verlorenen Relegationsspiel noch Einspruch einlegen .… der einzige, der wirklich hilflos dasteht, ist der unbeteiligte Dritte, FV Unterkochen.“
Die Verpflichtung zur Anrechnung des von Bargau verlorenen Relegationsspiels sei mit gesundem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehbar. Viele sehen ihr Rechtsempfinden gestört. Selbst Juristen würden in diesem Zusammenhang von einem eklatanten Verstoß gegen jedweden Grundgedanken rechtsstaatlicher Ordnung sprechen. Wörtlich: „Dieser Verstoß kann in einem Sportverband trotz Verbandsautonomie nicht erlaubt sein!“ Außerdem sei es Aufgabe der gewählten Interessensvertreter des Bezirks bzw. Verbands, im Interesse der Mitglieder zu handeln und agieren. Der FV Unterkochen habe seine Interessen weder beim Bezirk noch beim Verband während des gesamten Verfahrens ausreichend vertreten bzw. berücksichtigt gesehen. „Die Art und Weise, wie versteckt hinter Statuten und Paragraphen argumentiert wurde, war beschämend.“
Bis heute habe es kein Funktionär für nötig gehalten, vor den Verein oder die betroffenen Spieler zu treten, um Rede und Antwort zu stehen, in einem Fall, der in Baden-​Württemberg oder ganz Deutschland seinesgleichen suchen würde. Weiter wörtlich: „Jegliche Glaubwürdigkeit in die Gerichtsbarkeit des WFV ist für uns dahin, der angerichtete Schaden für unsere Sportler und Verantwortlichen ist enorm. Durch solche Entscheidungen kann und wird das hochgepriesene Ehrenamt sicher keinen Aufwind erleben, von den finanziellen Auswirkungen für unseren Verein ganz zu schweigen. Unsere Glaubwürdigkeit in diesen Sportverband ist nicht mehr gegeben, daher werden wir auch keine Ehrenabzeichen des WFV mehr tragen und schicken diese mit diesem Schreiben zurück: Daniel Klose (Vorsitzender), Bernd Mauß (Vorstandsmitglied), Michael Zeller (Vorst.-Mitglied), Frank Ackermann (Vorst.-Mitglied) Helmut Holz (Jugendleiter).
 

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