Gestern begann der Ramadan, der Fastenmonat des Islam /Spenden für Pakistan, aber auch für heimische Projekte
Einige gläubige Christen fasten die Wochen vor Ostern. Sie verzichten auf Fleisch, Süßigkeiten oder sogar Fernsehen. Im Islam wird einen Monat lang gefastet. Im Ramadan wird bei Nacht das nachgeholt, was bei Tage vom Glauben nicht gewollt ist. Von Felix Mohring
SCHWÄBISCH GMÜND. Ungefähr
1,
57 Milliarden Muslime leben auf der Welt.
3,
5 Millionen davon in Deutschland und ungefähr
4000 in Schwäbisch Gmünd. Die türkische Ditib-Gemeinde wiederum umfasst
850 Mitglieder und ist damit die größte türkisch-islamische Gemeinde Deutschlands. Für alle Anhänger des Islam ist in den nächsten vier Wochen Fasten angesagt. Denn gestern begann der neunte Monat im islamischen Jahr, der Ramadan.
Gefastet wird von Sonnenauf– bis Sonnenuntergang. Die Muslime nehmen in dieser Zeit weder Essen noch Trinken zu sich. Auch das Rauchen, der Alkoholgenuss und Sex sind verboten. Doch nicht nur das sogenannte äußere Fasten ist Bestandteil des Ramadan, sondern auch das innere Fasten. Die Menschen sollen in Enthaltsamkeit und ohne Sünde leben.
Eine reinigende Wirkung hat das Fasten auf jeden Fall. Der Körper entgiftet sich in der Fastenzeit. Die Konzentrationsfähigkeit nimmt zu und die Organe gehen tagsüber in eine Ruhephase über. Aber auch eine Gefahr besteht im Fasten für manche Menschen. Da bei einem Kreislaufkollaps genau das Gegenteil bewirkt wird, dürfen gefährdete Gruppen das Fasten auslassen oder verschieben. Körperlich anstrengende Arbeit, Krankheit oder die Menstruation wären solche Ausnahmen. Das Fasten wird dann zu einem beliebigen Termin, jedoch noch im selben Jahr, nachgeholt. Langzeitkranke, wie zum Beispiel Diabetiker, sollten nicht fasten. Die Gefahr, einen gesundheitlichen Schaden davon zu tragen, ist zu groß. Als Ausgleich gibt es hier die Speisung eines Hungernden.
Sobald die Sonne untergegangen ist, findet sich die Familie mit Freunden, Verwandten und Bekannten zusammen und begeht mit dem Iftar den „Fastenbruch“. Nach einem gemeinsamen Gebet wird mit einer Dattel das abendliche Mahl begonnen. Oft wird eine Festmahlzeit serviert. Die Vorfreude auf jeden Iftar ist groß. Es herrscht eine andere Atmosphäre als bei einem normalen Essen.
Am Morgen dann, vor Sonnenaufgang, gibt es noch eine kleine Mahlzeit, den Sahur. Dieser wird mehr als Tradition denn als Mahlzeit, die für den Tag reichen soll, gesehen.
Doch wozu gibt es die Fastenzeit? Warum fasten so viele Menschen einen Monat lang und leben in so großer Entbehrung?
Der Ramadan hat mehrere Gründe. Man kann sagen, dass das Finden zu einem selbst und zu Gott das Ziel der Fastenzeit ist. Die Muslime leben in dieser Zeit bewusster und lernen Augenblicke, die sonst als selbstverständlich angesehen werden, wieder zu schätzen. Die Gemeinschaft rückt in den Vordergrund. Solidarität wird im Ramadan ebenso groß geschrieben, wie die spirituelle Selbstfindung. Es wird im Fastenmonat auch mehr gespendet.
Ein Thema bei den islamischen Gläubigen ist zur Zeit natürlich Pakistan, aber auch soziale Projekte im Gmünder Raum sollen unterstützt werden. Der Ditib wird hier noch zu Spenden für verschiedene soziale Projekte aufrufen.
Die Stimmung und Freude zeigt viele Parallelen zur Vorweihnachtszeit auf. Und auch das Ramadanfest, das am Ende des Ramadans drei Tage lang gefeiert wird, ähnelt sehr dem Weihnachtsfest. Es gibt Geschenke, üppige Mahlzeiten und vor allem rückt die Verwandtschaft wieder mehr in den Vordergrund.
Der Glaube und der Gottesdienst hat im Ramadan mehr Bedeutung als in den anderen Monaten, so wird mehr und vor allem bewusster gebetet. Von den Moslems wird der Ramadan als ein vierwöchiger Gottesdienst gesehen und auch so gelebt.
Wie wichtig der Ramadan für die gläubigen Moslems ist, das merkt man daran, dass sie tatsächlich tagsüber nichts essen und trinken. Allerdings sollte der Ramadan nicht als Pflicht angesehen werden. Jeder Mensch glaubt freiwillig an Werte und Religionen.
Der Unterschied zum Christentum ist geringer, als meist gedacht wird. Wie gering dieser ist, das kann erst erkannt werden, wenn man sich damit beschäftigt.
Noch keine Kommentare vorhanden.