Denis Wiedmann züchtet auf einer Alfdorfer „Buckelwiese“ Damwild und plant ein weiteres Gehege in Hintersteinenberg
Wenn der Alfdorfer Denis Wiedmann über die Vorzüge von Wildfleisch aus der Region spricht, kommt er sofort ins Schwärmen. Es schmecke nicht nur gut, sondern sei darüber hinaus fett– sowie cholesterinarm und daher sehr gesund. In seinem Zuchtgehege wachsen Hirsche auf naturnahe Weise auf. Von Gerold Bauer
ALFDORF. Für Denis Wiedmann ist die Haltung von Damwild allerdings kein Hobby, sondern eines von mehreren Standbeinen, mit denen er sein Geld verdient. „Was ich hier mache, ist extensive Landwirtschaft“, kommentiert er die Nutzung einer Buckelwiese am Hang, zwischen Adelstetten und dem Haselbachtal. In wenigen Monaten, wenn das neue „Häusle“ der jungen Familie in Hintersteinenberg gebaut wird, kommt ein zweites Hirschgehege hinzu. „Zu meinem Bauplatz gehört auch eine Streuobstwiese am Hang“. Dort wird dann sogar eine kleine Metzgerei entstehen, die den strengen Auflagen der
EU entspricht, sowie ein kleiner Hofladen speziell für Wildfleisch und –wurst aus der Region.
Der regionale Gedanke ist Denis Wiedmann dabei sehr wichtig. Was nicht aus seiner Zucht stammt, kommt aus heimischen Wäldern. Zum einen, weil er selbst auf die Jagd geht, zum anderen weil immer mehr Jäger aufgrund der Hygiene-Auflagen höchstens für den Eigenbedarf Wild schlachten dürfen und deshalb geschossene Tiere lieber zu ihrem dynamischen Alfdorfer Waidgenossen bringen.
Denn inzwischen hat es sich herum gesprochen, dass Denis Wiedmann im Hofladen seines Schwiegervaters Guido Neumaier Wildprodukte vermarktet. Was vor zwei Jahren als kleines Nebengeschäft begann, entwickelt sich Zug um Zug zu einer von Kunden geschätzten Marktnische. „Die Kunden von heute wollen in der Regel kein ganzes oder halbes Reh, sondern am liebsten küchenfertig zubereitete Portionen“, erzählt er im Gespräch mit der Rems-Zeitung. „Dabei sind wir heimischen Anbieter trotz besserer Qualität nicht teuer als die Supermärkte. Und Rezepte sowie Tipps zur Zubereitung gibt’s bei uns gratis dazu“.
Denis Wiedmann ist nicht nur ein erfahrener Jäger, sondern auch ein gelernter Kaufmann und kennt sich in Sachen Marketing bestens aus. So fällt es ihm auch nicht schwer, die Vorzüge seiner Produktpalette ins rechte Licht zu rücken — zumal man ihm anmerkt, dass er sein Geschäft mit echtem Herzblut betreibt. Dabei ist es ihm ein Anliegen, dass es den Tieren gut geht. Bevor die Jungtiere im Alter von
18 Monaten entweder lebend an andere Züchter abgegeben (dazu werden sie mit Hilfe eines Blasrohrs betäubt und wachen erst an ihrem neuen „Wohnort“ wieder auf) oder geschlachtet werden, leben sie in ihrem Gehege fast wie in freier Wildbahn, haben ausreichend Bewegung, finden auf der Streuobstwiese auch reichlich Nahrung und sogar frisches Wasser aus einer Quelle; letzteres ist übrigens ein Muss für die Haltung von Wildtieren. Wasser aus dem Fass wird von den Behörden nicht akzeptiert. Auch ein Unterstand ist vorgeschrieben, „aber den benutzen die Tiere nie. Die sind am liebsten draußen, so wie es ihrer Natur entspricht“, erzählt der Alfdorfer. Nur in schneereichen Wochen gibt es etwas Heu — ansonsten wird nicht zugefüttert. Abgesehen von den „Leckerli“ (Maiskörner oder trockenes Brot), die Wiedmann bei seinen Besuchen auf die Weide mitbringt. Seine Schützlinge wissen dies und kommen auf Zuruf sofort angerannt.
„Meinen Tieren geht es wesentlich besser als ihren wildlebenden Artgenossen“, sagt der Halter nicht ohne Stolz. „Sie kennen keinen Stress, müssen sich nicht wie neuseeländische Zuchthirsche massenweise zusammen pferchen lassen und leiden nicht unter langen Transporten.“
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