Gmünder Sprachwissenschaftlerin aus dem tiefen Süden der USA erforscht das Schwäbische im Gmünder Raum
Sie lebt im tiefen Süden der USA und kam nach Gmünd, um mit dem Schwäbischen, das hier gesprochen wird, ihre wissenschaftliche Arbeit zu bestreiten. Den Aufenthalt hier wird sie ganz sicher nicht vergessen: Am Dienstag hat der Mann, den sie liebt, sie gefragt, ob sie ihn heiraten will.
(bt). Eine Südstaatlerin im „wilden Süden“ Deutschlands? Mit gutem Grund hat sich Stefanie Hirscher ausgerechnet für diesen Studienort entschieden. Sie ist auf dem Rehnenhof aufgewachsen, wo ihre Familie noch immer lebt. Und nachdem Oberbürgermeister Richard Arnold und mit ihm die Stadtverwaltung alles getan haben, sie in ihrer wissenschaftlichen Arbeit zur Veränderung des (schwäbischen) Dialektes zu unterstützen, hat sie mit beiden Händen zugegriffen. Hat Dutzende Fragebögen ausgeteilt, die denn auch fleißig ausgefüllt wurden. Wichtig war zunächst, Dialektsprecher zu wählen, deren Eltern selbst schwäbisch sprechen. Die RZ wird über die Ergebnisse ihrer Arbeit berichtet. Was sie schon jetzt sagen kann; Das Schwäbische verändert sich rapide. Und: „Ein Bettringer spricht anders als ein Gmünder oder ein Waldstetter“. Oft seien es nur ein, zwei Begriffe, „doch die Unterschiede sind da“. Ihre Freiwilligen überlegten, wie sie „den Raum nennen, in dem man gemütlich auf dem Sofa sitzt“. Ist die „Süßigkeit, die dem harten Bonbon ähnlich aber auf einem Stiel ist“ ein Lutscher oder ein Schlotzer? Sie definierten Riebele, Loale und bräsiera, erklärten den Unterschied zwischen „Schdiag“ und Schadpfel“ und was jemand tut, wenn er bäbbt. Weitere Aufgabe war es, hochdeutsche Sätze ins Schwäbische zu übersetzen — so wie’s daheim gesprochen wird. Es machte Spaß, vielfach wurde gealbert, aber eben auch ernsthaft nachgedacht: Sagt man kraiznarrad oder doch eher grandig oder stinksauer; wird in der Familie von Glomp, Schrott, Gruschd oder Müll gesprochen. Auf die Schnelle gar nicht so einfach zu beantworten.
„Weil mr hend en’d Stadt ganga wella“, „weil mr hend wella en’d Stadt ganga“ oder doch eher „weil mr en’d Stadt ganga wella hend“ oder „Weil mr en’d Stadt hend ganga wella“? So manche Frage kostete Zeit, ebenso wie über die eigene Einstellung zum Dialekt nachzudenken. Wie häufig passt jemand im Alltag seine Sprache dem hochdeutschen Standard an, fühlt er oder sie sich jemals unwohl, wenn Dialekt gesprochen wird? Ist es wichtig, Kleinkindern Dialekt beizubringen? Haben Kinder, die keinen Dialekt sprechen, Vorteile? Und wie hat sich das Schwäbische während der letzten Generationen verändert?
„Wer wir sind, wird letztlich ausgedrückt durch die Sprache, die wir sprechen, und Veränderungen dieser Sprache sind auch gleichzeitig Veränderungen in uns und unserem Alltag inmitten unserer schwäbischen Heimat“, sagt Stefanie Hirscher. Auch noch nach über einem Jahrzehnt in der Fremde spricht sie von Gmünd als ihrer Heimat, vom Schwäbischen als ihrer Sprache.
Die
1977 geborene junge Frau besuchte zunächst das
HBG und ließ sich ab ihrem
17. Lebensjahr zur Fremdsprachenkorrespondentin ausbilden. Mit ihrem damaligen Freund zog sie dann nach Mississippi,
USA. Hier studierte sie „International Business“ und Fremdsprachen, nebenher hatte sie bis zu drei Jobs. So arbeitete sie zum Beispiel in einer Tierarztpraxis; sie selbst hat immer Tiere gehabt, derzeit einen Lhasa Apso namens Angel. Oder in einem kleinen Café, wo sie sich eines Tages in einen Gast verliebte, der verdächtig oft auf eine Tasse Kaffee vorbeischaute. Dieser Mann, Marc, ist noch heute an ihrer Seite. Nach dem Studium arbeitete sie für den Durfold-Konzert im Verkauf, verdiente so viel, dass sie sich ein Haus kaufen konnte. Dieses Haus hat sie vor drei Jahren vermietet, um in der Nähe von Memphis zu leben, wo sie ihren „Bachelor“ mit einem Masterstudium der Germanistik krönen will. Die Wahl zwischen Literatur und Linguistik fiel ihr nicht schwer: „Ich hab mich immer schon dafür interessiert, wie sich Sprache verändert“. Im Mai wird sie ihr Studium abschließen und in ihrem Wunschberuf — Deutschlehrerin — arbeiten. Dass ihre Abschlussarbeit ihr die Chance gab, Freunde und Familie zu besuchen, war eine wunderbare Gelegenheit: „Es war so schön hier“..
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