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» Schwäbisch Gmünd | Samstag, 14. August 2010

REISEBERICHT (2): In Österreich unterwegs mit vielen Radlern und Skatern /​Station in Wien

Seit drei Wochen befinden sich Wolfgang Schlupp-​Hauck und seine Frau Brigitte Schlupp-​Wick mit dem Tandem auf dem Weg in den Iran. In unregelmäßigen Abständen schreiben sie für die Leser/​innen der Rems-​Zeitung Reiseberichte. Heute folgt Teil zwei.

Auf unserem Weg von Passau nach Wien war viel los. Die Zahl der Radler stieg enorm. Auch zahlreiche Skater nutzen den Donauradweg. Die Donau selbst wächst vom Fluss zum Strom. Doch sie präsentierte sich nicht blau wie im Wiener Walzer von Johann Sebastian Strauss. Aufgewühlt durch Regenfälle floss sie grau bis braun neben uns dahin.
Zu Füßen der Passauer Burganlage münden die Ilz und Inn in die Donau. Ein Schild an der Landspitze erklärt, dass das Wasser des Inns, das von den Alpen kommt, grün, das der Donau blau und das der aus einem Moorgebiet kommenden Ilz schwarz sei. Doch die vergangenen Regenfälle haben die Farbspiele eingetrübt.
Wir radeln nach Oberösterreich. Das Donautal ist dort eng. Es schlängelt sich durch die bewaldeten Berge. Es gibt nur wenig Siedlungen. Auf dem Radweg liegen immer wieder Schlamm oder Sand vom inzwischen abgeflossenen Hochwasser.
Wir passieren Engelhardtszell und besuchen dort Österreichs einziges Trappisten Kloster. Kindheitserinnerungen kommen bei Wolfgang hoch. Hier war er als Schuljunge in Erholung und ministrierte damals stolz bei den Mönchen.
Unsere erste Etappe war Linz. Hier hat sich das Donautal geweitet und Industrie hat sich angesiedelt.
Wir sind zu Gast bei Atomstopp International, die Initiative hat für uns ein Hotelzimmer gebucht. Als Begrüßung liegt im Hotelzimmer eine Linzertorte. Wir sind überrascht, als wir am nächsten Tag in Linz, Roland unseren Gastgeber besuchen. Das Vereinsbüro ist in einem monumentalen Bau der Landesregierung untergebracht. Wir staunen nicht schlecht, im gleichen Gebäude sitzt der „Antiatombeauftragte des Landes Oberösterreich“. Der Verein bekommt über die Landesregierung das Büro gestellt und eine Finanzierung, die für eine Stelle ausreicht. Davon können wir für die Pressehütte in Mutlangen nur träumen.
Am Abend berichtet Wolfgang in der Friedenswerkstatt Linz über die Aktionsreise zur Überprüfungskonferenz in New York. Am nächsten Morgen werden wir im Rathaus von der Vizebürgermeisterin Christiana Dolezal verabschiedet – als Wegzehrung erhalten wir unsere zweite Linzertorte.
Eine unerwartete
Begegnung im Regen
Der Himmel ist grau als wir starten. Der Donauradweg ist zugleich Jakobsweg. Auf der Strecke beginnt es zu regnen. Eine Wanderin mit Stab kommt uns entgegen. Ihr Gesicht wirkt erstaunt, dann lacht sie auf: „Ja ihr seid das!“ Wir halten an und fallen uns in die Arme. Es ist Nora aus Linz, die sich in ihren Semesterferien zum pilgern aufgemacht hat. Nora war mit der Pressehütte schon auf zwei Aktionsreisen. Nach einem kurzen Plausch setzen wir unsere Wege nach dieser zufälligen Begegnung wieder fort.
Von unseren Linzer Gastgebern haben wir eine Adresse in Marbach vermittelt bekommen. Wir kämpfen uns bis zum Abend durch den Regen und wähnen uns am Ziel. Doch als wir nach der Adresse fragen, sagt ein Jungbauer zu uns: „Ihr seid auf der falschen Donauseite. Ihr müsst noch vier Kilometer bis zur Pöchlamer Brücke radeln und dann fünf Kilometer auf der anderen Seite wieder zurück.“ Völlig ausgepowert und nass kommen wir bei Edith und Gerhard an. Ein dampfender Gulasch erwartet uns. Wir schliefen im Ehebett unserer Gastgeber, denn diese haben für sich im Sommer auf der Terrasse eine überdachte Schlafstelle eingerichtet.
Am nächsten Tag besichtigen wir unterwegs das Stift Melk. Der Barockstil ist beeindruckend, wirkt auf uns bisweilen überladen. Die Touristenmassen, die durch das Stift geschleust werden, verhindern das Aufkommen von Besinnung. Das Wetter ist etwas besser als am Vortag, nur vereinzelte Schauer.
Vor einer Donaufähre sammelt sich eine riesige Skatergruppe. Wir treten in die Pedale, dass wir vorbei sind, bevor sie starten. Aber ein Teil der Gruppe ist schon losgefahren, hupend überholen wir sie. Ihr Tempo ist hoch, die an der Spitze lassen wir vor uns. Es sind Skater aus Frankfurt. Wir schätzen weit über hundert. Bis Krems radeln bzw. skaten wir miteinander. Dort landen wir mit ihnen in der gleichen Straße. Die Skater im Hotel und wir privat bei Pete aus dem Büroteam das österreichischen Versöhnungsbundes. Er wohnt mit seiner Familie in einem Mietshaus mit sieben Parteien. Der Hund, mit dem Pete uns begrüßt, bekommt ein Leckerli und verschwindet dann in den nächsten Stock. Er gehört dem Hausbesitzer, der mit im Haus wohnt und ist neugierig auf alle Besucher des Hauses. Im Hinterhof gibt es einen gemeinsamen Sitzplatz und einen Sozialkühlschrank für gemeinsame Abende der Hausgemeinschaft. Dort sitzen wir in der Runde. Diskussionspunkte bei unserer abendlichen Runde sind neben der Politik auch die schwäbische Kehrwoche und die österreichische Gemütlichkeit, das Nebeneinander von Ordnung und Gelassenheit.
Am nächsten Morgen starten wir gemeinsam mit den Skatern. Da wir aber noch ins Rathaus zum Bürgermeisterempfang radeln, düsten uns die Skater davon und wir begegneten ihnen bis Wien nicht mehr. Aber wir treffen eine Reihe Radler, denen wir in den Tagen begegnet sind. Für sie endet die Radtour in Wien. Wir dagegen haben das Gefühl, ab Wien geht es erst richtig los.
Die Einfahrt in Wien war enttäuschend. Entlang von Bahngleisen, unter Autobrücken, durch Industrieanlagen, entlang des Donaukanals. Erst als wir bei der Friedensbrücke den Radweg verlassen, eröffnet sich uns der Wiener Flair. In einem Kaffeehaus nehmen wir Abschied von unserer Begleiterin Adelinde, die wieder nach Schwäbisch Gmünd zurückfährt.
Wir ziehen ein ins Friedensbüro bei Heinz und Elke. Dort wird ein Sofa für uns aufgeklappt. Wir haben unsere eigene Wohnung in Wien. Eine Woche mit vielen Terminen liegt vor uns.
 

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