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» Sport | Donnerstag, 19. August 2010

Einer Sportart auf der Spur, deren Hochzeit schon seit einem halben Jahrhundert vorbei ist

Viele Sportarten gelten als Randsportarten. Einige Sportarten sind mittlerweile so sehr am Rand, dass nur noch wenige sie kennen und noch weniger ausüben. Eine davon ist diese Sportart. Von Felix Mohring

RADBALL. Schnelligkeit. Geschicklichkeit. Reaktionsfähigkeit. Beherrschung über das Fahrrad. All das benötigt man für einen rasanten Sport: Radball. Radball ist ein Teamsport und heute nicht mehr so weit verbreitet wie noch Mitte des letzten Jahrhunderts. In Schwäbisch Gmünd gibt es auch noch Radball. Seit 1934 gibt es die Radballabteilung beim 1. FC Normannia, jedoch seit 1888 wird in Schwäbisch Gmünd schon Radball gespielt.
Während der Hochkultur des Fahrrads in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Deutschland viele Radballvereine. Heute kämpfen diese um Beachtung und Mitglieder. So auch die Radballer von Normannia.
Doch was ist eigentlich genau Radball? Die Regeln scheinen kompliziert, wie die von jeder Sportart, wenn man sie nicht kennt. Wenn man sie aber einmal kennt, dann gehen sie in Fleisch und Blut über.
Wie der Name schon sagt, wird Radball auf dem Fahrrad gespielt. Dabei handelt es sich um modifizierte Akrobatikräder. Das wichtigste ist die starre Übersetzung von den Pedalen auf das Hinterrad. Dies ermöglicht das Rückwärtsfahren und das noch wichtigere Stehen im Tor.
Außerdem gibt es verschiedene Arten von Radball. Beim Normannia wird die kleinere Variante von zwei gegen zwei mit einem so genannten fliegende Torwart gespielt. Bei dieser Radballvariante ist das Feld 14 mal 11 Meter groß. Im Strafraum darf sich jeweils nur ein Spieler von beiden Teams aufhalten. Es gibt dann noch das Fünfer-​Radball, das auf einem Handballfeld gespielt wird, und das Sechser-​Rasenradball, das jedoch mangels Spielern in nur sehr wenigen Vereinen gespielt wird.
Aufgrund von Jugendmangel hat die Radballabteilung des Normannia Kinder zum Sommerferienprogramm eingeladen um diesen Sport auszuprobieren. Angemeldet hatten sich vier Kinder, eine kleine Zahl, aber auf den zweiten Blick genau perfekt um zwei Teams zu machen. Aber dazu konnte es noch gar nicht kommen. Als erstes muss das Rad beherrscht werden, bevor man nur daran denken kann, ein Spiel zu machen. Es ist nicht einfach mit diesem speziellen Rad zu fahren, geschweige denn dann zu stehen. Nach einiger Übung kann aber zumindest das Fahrrad ohne Probleme gefahren werden. Mit dem Stehen klappt es dann auch nach einiger Zeit, jedoch nicht immer.
Wegen diesem schweren Einstieg geben viele Kinder und Jugendliche bald auf. Laufen kann jeder, aber ein Sportgerät zu beherrschen will gelernt sein. Bis zu drei Wochen kann es dauern, bis ein Anfänger sein Rad soweit beherrscht, dass man Spielen kann. Aber wenn man es einmal kann, dann weiß man gar nicht mehr, warum man es einst nicht gekonnt hat. Das Gefühl für das Rad kommt von selbst und die Bewegungen gehen in Fleisch und Blut über.
Es macht Spaß beim Radball zuzuschauen, noch mehr Spaß macht es, wenn man es selbst spielen kann. Bei den Radballern des Normannia kann jeder mitmachen. Training findet Dienstag und Donnerstag um 19 Uhr in der Turnhalle des Parler-​Gymnasiums statt, außer in den Schulferien. Einen Trainer gibt es nicht, hier wird direkt von den erfahrenen Spielern gelernt. Und die gibt es hier. In er deutschen Meisterschaft waren die Radballer schon einige Male vorne mit dabei. Bei der Weltmeisterschaft war bisher noch keiner als Spieler. Sie findet jedes Jahr statt, dieses Jahr in Stuttgart vom 26. bis 28. November 2010 in der Porsche Arena. Es lohnt sich auf jeden Fall einmal zuzuschauen. Und wenn man einmal Gefallen daran gefunden hat, dann lässt es einen auch nicht mehr los.
Versuchen kann es jeder und ein Talent findet man nur, wenn man es weckt. Denn wer weiß, ob nicht schon die Fähigkeiten da sind. Beherrschung über das Fahrrad, Reaktionsfähigkeit, Geschicklichkeit oder Schnelligkeit. All das benötigt man für diesen rasanten Sport. Wer jetzt Lust bekommen hat, kann sich ja melden.
 

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