Viele Gemeinden und Teilorte bieten jetzt Waldbegehungen an; das Naturatum steht immer zur Verfügung
Den Wald in seiner Vielfalt verstehen lernen. Wald schmecken, anfassen, riechen, spüren, ausprobieren. Einer Generation das Spielen im Wald nahebringen, die das (fast) verlernt hat. Dafür gibt es viele Ansätze.
SCHWÄBISCH GMÜND
(bt). Herbert Bielesch, Jäger in Hussenhofen, hat sich eigens schulen lassen, um diesem Auftrag gerecht zu werden. Wenn er mit Kindern in den Wald geht, dann wird nicht nur durch den Wald getrabt. Er organisiert einen richtigen Pirschgang, sprich, er platziert präparierte Tiere — für den Fall, dass sich gar nichts blicken lässt — und bittet seine jungen Gäste um ihre Beobachtungen. Der Fuchs ist nicht zu übersehen; die meisten entdecken den Hasen, vermutlich auch weil die eine oder der andere kichernd darauf gedeutet hat, aber fast nie fällt die versteckt auf dem Boden kauernde Waldschnepfe auf. Auch Spiele hat er vorbereitet. So lässt er eher beiläufig jedes Kind einige Haselnüsse verstecken. Und dann, einige Programmpunkte später, lässt er sich diese Nüsse wieder bringen: Es gibt keine bessere Möglichkeit, dem Nachwuchs beizubringen, wie wichtig es nicht nur ist, Vorräte anzulegen, sondern auch, sich zu merken, wo sie zu finden sind. Tierstimmen erklingen: Hier fiept ein Kitz, dort ist ein Auerhahn zu hören. Oder was war das noch? All das kommt gut an. Auf dem eigenhändig gebauten Waldsofa ist sogar ein wenig Theorie spannend — etwa wenn Bielesch darlegt, dass Lebensraum und Wildbestand einander entsprechen müssen.
Blick ins Naturatum: Geballtes Wissen und Erlebnispädagogik
Das denkbar beste Klassenzimmer steht
Prof. Dr. Dieter Rodi zur Verfügung, wenn er „Großeltern, Kinder und Eltern“ einlädt, mit ihm einige Stationen des Erlebnis-Waldpfad Naturatum im Taubental zu erkunden und dem Leben im Wald nachzuspüren. Bäume, Sträucher und Spechte zu erkunden und den Lebensraum Wald buchstäblich zu begreifen. Dieser Mann, einer der profiliertesten Naturschützer der Region, wird allen gerecht, vor denen er spricht, oder die er durch die heimische Landschaft führt: Fachkollegen ebenso wie den Allerkleinsten im Gmünder Ferienprogramm. Das Anliegen der Naturatum-Mitstreiter — insbesondere Wolfgang Naak und Wolf Noack machen sich als Waldpädagogen verdient -: Das Erleben aus erster Hand soll dazu beitragen, dass der Wald (wieder) geschätzt wird. Und geschützt.
„Waldpädagogik leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung wald– und somit auch umweltfreundlicher Einstellungen und Werthaltungen bei Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen“, hieß es, als das Naturatum eröffnet wurde. Nur wer eine positive Beziehung zu seiner natürlichen Umwelt und ihren Bedürfnissen aufbaue, nur wer die lebenserhaltende Bedeutung eines gesunden Waldes verstehe, werde ein Umweltbewusstsein entwickeln und letztendlich auch zu einer nachhaltigen Lebens– und Wirtschaftsweise in der Lage sein.
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