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» Schwäbisch Gmünd | Freitag, 20. August 2010

Kritik an der Ausschreibung für die Gestaltung der Unterführung Bahnhof /​Die Stadt wehrt ab

Gerne wären sie gestern dabei gewesen bei dieser ersten für die Landesgartenschau wichtigen Gestaltungsaufgabe, versicherten einige Designbüros. Allein, die Art der Ausschreibung für die Bahnhofs-​Unterführung mache ihnen eine Teilnahme unmöglich. Die Stadtverwaltung wehrt sich.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Mathias Hütter macht deutlich, dass die Aufgabe, „dem unterirdischen Entree Gesicht und Gepräge, Sinn und Sinnlichkeit sowie Inszenierungskraft zu verleihen“ eine reizvolle wäre: Leider machten diverse Ausschreibungsinhalte und –modalitäten eine Teilnahme seines Büros unmöglich. Unter seinen Kritikpunkten findet sich an erster Stelle die Auswahl der eingeladenen Designbüros: Er nennt beispielhaft vier Büros, die nicht eingeladen worden seien. Auch Zeitpunkt und Zeitraum seien unpassend: „Aufforderung, Bewerbung und Bearbeitung finden in der Ferienzeit statt“; die HfG habe Semesterferien. Das Verfahren verlange die Teilnahme als Architekten-​Designer-​Team; dies erfordere umfangreiche Gespräche und Teambildung vorab — mit dem Risiko, überhaupt nicht zur Teilnahme zugelassen zu werden: „Dieses Verfahren ist in unseren Augen aufgebläht und abschreckend.“ Auch sei die Jury des Auswahlverfahrens nicht neutral und unparteilich: „Sich von ortsansässigen Designer– und Architektenkollegen begutachten und eventuell aussortieren zu lassen, ist entwürdigend.“
Die Ausschreibungsdetails ignorierten Empfehlungen des Aktionskreises sichere Stadt, sprich Höhe und Breite von drei und sieben Metern und bleibe bei „erdrückenden“ 2,50 Meter Höhe und 5 Meter Breite bei einer Unterführungslänge von 34 Metern: „Soll Design grundlegende Defizite ästhetisch kaschieren oder etwa ein Manko veredeln?“ „Gemeinderat als abschließende Jury“, so ist ein weiterer Kritikpunkt überschrieben: Über die Zukunft der eingereichten Entwürfe solle der Gemeinderat entscheiden. Dies sei keine Fachjury; die Entscheidungskriterien seien unklar. Die Frage der Nutzungsrechte sei nicht geklärt, das den Designbüros versprochene Bearbeitungshonorar stehe in keinem Verhältnis zur verlangten Arbeitsleistung.
Petra Kurz-​Ottenwälder und Max Ottenwälder haben ebenfalls abgesagt. Erwin Leuthe, der Leiter des Stadtplanungsamtes, wünsche sich „Ideen, Ambition und Leidenschaft der ortsansässigen Designbüros im Vorfeld der Landesgartenschau“, so schreiben sie; ihr Büro würde die Stadt gerne in ihren Wünschen unterstützen: „aber unter anderen Bedingungen“. Auch sie nennen die von der „Aktion sichere Stadt“ erarbeiteten und vom Gemeinderat „missachteten“ Empfehlungen, die Auswahl der 18 Büros, die Frage nach dem Sinn einer „Kooperationspflicht mit jeweils einem Architekturbüro“ und eben auch die Frage nach der Jury: „Warum werden so wichtige gestalterische Belange, bei denen es um das zukünftige Aussehen der Stadt Schwäbisch Gmünd geht, nicht von Experten professionell entschieden.“ Und 2000 Euro als Honorar seien für den enormen Aufwand absolut indiskutabel: „Das ist Ausbeutung und entwertet die kreative Arbeit aller Gestaltenden in höchstem Maß.“
„Die Bedeutung des Designs
in der Stadt darstellen“
Baubürgermeister Julius Mihm konnte die Aufregung gestern nicht so recht verstehen. Der für ihn entscheidende Punkt, das „Auswahlverfahren“, sei niemals als solches gedacht gewesen. Ganz bestimmt wolle die Stadt niemand ausgrenzen; es sei wohl einfach nicht gelungen, alle in Frage kommenden Büros zu erfassen. Sowohl er als auch Erwin Leuthe seien neu in der Stadt und kennten längst nicht alle Adressen. Für ihn entscheidend: „Es gab bislang nur ein erstes Infokolloquium, nach wie vor sind alle willkommen.“ Wer noch keine Unterführungen geschaffen habe, dafür aber beeindruckende Lichtraumgestaltung, komme selbstverständlich ebenfalls in Frage.
Zu Jury-​Frage schreibt Mihm in seinem Schreiben ans Büro Hütter: „Die vorgelegten Lösungsansätze werden ein äußerst kritisches öffentliches Publikum finden. Der Gemeinderat hat und wird eine sehr hohe Eigenkompetenz in der Wertung und Entscheidung über das auszuführende Bauwerk für sich reklamieren. Deswegen wurde von einer aufgeblähten Fachjury abgesehen. Unser Vorschlag wäre, das Beratungsgremium mit einem weiteren kompetenten Designer zu besetzen. Hierzu bitten wir Sie ausdrücklich Vorschläge zu machen. Diese Persönlichkeit sollte nicht aus Gmünd kommen.“ Mihm erklärt, die Empfehlungen des AK sichere Stadt seien sehr wohl in die Planung eingeflossen. Er geht auf den Termindruck ein, und darauf, dass es vor der Vergabe wichtig sei, zu wissen, mit welchem Partner ein Büro antrete. Einiges wurde bereits während des Treffens angesprochen — etwa die Verdoppelung des Honorars (Seite 13).
Mihm bedauert, dass einiges „möglicherweise missverständlich kommuniziert“ wurde, spricht aber auch von der Chance, die sich mit dem geplanten Bauwerk biete: „Schwäbisch Gmünd als Designstadt zu profilieren und die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung des Designs in Schwäbisch Gmünd darzustellen: Einheit von Forschung, Lehre, Konzeption und Produktion.“
 

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