Die Könige der Alpenpässe
Mit dem Fahrrad und Reisegepäck vom Genfer See auf der „Route der Grandes Alpes“ bis an die Cote d’Azur ist schon eine Herausforderung der besonderen Art. Bei seiner diesjährigen Radtour wählte der „Pässesammler“ Werner Henkel aus Mögglingen seine Reise so, dass er die höchsten Straßenpässe Europas überqueren muss.
MÖGGLINGEN
(pm). Die erste Etappe war der Große St. Bernhard (
2469 m). Zunächst führte die Reise vom Genfer See über Martigny ins Rhonetal zum großen St. Bernhard. Diese wichtige Nord-Süd-Alpenpassage haben schon Hannibal, etliche Könige und Päpste bis hin zu Napoleon überquert. Die Namensgebung des Passes führt auf das gleichnamige Hospiz zurück, welches von einer adeligen Familie aus dem Aostatal gegründet wurde. Nach der Abfahrt ins italienische Aostatal erreicht ich über den kleinen St. Bernhard die französischen Alpen.
Auf der Weiterfahrt ging es vorbei an den bekannten Skigebieten Tignes und Val d’Isere.
45 Kilometer entlang der wildromantischen Isere hinauf zum Col de l’Iseran. Mit seinen
2762 Metern ist er der zweithöchste Auto-Pass Europas. Grandiose Naturschauspiele während der langen Auffahrt und auf dem Pass sind stetige Begleiter des Reisenden.
Nach dem obligatorischen Pass-Aufenthalt unter gleichgesinnten Bikern fuhr der Mögglinger vorbei an vielen wilden Wasserläufen talabwärts bis es nach
35 Kilometern den knackigen Aufstieg zum Col Cenis (
2083 m) zu bewältigen gab. Diese Passhöhe ist das Grenzgebiet zwischen den Regionen Savoyen und Piemont und war Jahrhunderte lang hart umkämpft. Zeugen dieser Konflikte sind Befestigungsanlagen und das guterhaltene Fort Ronce, welches über das pflanzenreiche Tal wacht. Umgeben von Weidelandschaft und hohen Gletscherbergen bestimmt der idyllische türkisfarbene Lac Cenis das Landschaftsbild.
Ein kleines pyramidenförmiges Museum, die Hospitzanlagen unterhalb der Naturstaumauer sowie eine kleine Steinkirche aus der Hinterlassenschaft der Napoleonfeldzüge ließ mich gerne einen Ruhetag einlegen.
Das nächste hohe Ziel war der Col de Montegenevre (
1850 m). Nach einem Ruhetag mit vielen positiven Erlebnissen führte die nächste Tagesetappe über den Col de Montegenevre in die alte Kulturstadt Briancon. Auf
12000 m liegend ist sie die höchstgelegene Stadt in Europa. Sie beherbergt den Sommersitz der französischen Staatspräsidenten. Zugleich ist sie ein wichtiger Etappenort der „Tour de France“.
Weiter ging es zum Col de Vars (
2109 m). Durch das Flusstal entlang der wilden Durance verlief die Reise zum vorletzten Pass, dem Col de Vars. Extreme Hitze und das schwere Reisegepäck gestalteten den
20 Kilometer langen Anstieg zum Gipfel sehr schwierig. Die schöne Abfahrt in das kleine Städtchen Jausiers ließen jedoch die Anstrengungen schnell vergessen.
Col de la Bonette und Restefondpass (
2802 m) waren die nächsten Etappen-Ziele des Mögglinger Radsportlers. Ab Jausiers befuhr er nun die „Route Imperial“. Dieser ehemalige Berg und Reiterpfad führte schon
1860 Napoleon III. von Briancon nach Nizza.
In vielen Kurven und Rampen schlängelt sich die jetzt gut ausgebaute Straße
25 km durch die schroffe Bergwelt hinauf auf
2715 Meter zum ursprünglichen Restefondpass. Kleine Schafherden, pfeifende Murmeltiere und die vielfältige Bergflora sind Wegbegleiter.
1961 wurde die Straße um den Bonette ausgebaut und erweitert. Über diese Cime de la Bonette erreicht man nun den höchsten Punkt und mit
2802 Höhenmetern den höchsten Pass Europas.
Ein Granitstein mit Gedenktafel über den Werdegang des Col Bonette markiert den halte– und Höchstpunkt des Reisenden. Faszinierende Ausblicke über die Hoch– und Südlichen Seealpen werden zu einem emotionalen Ergebnis.
Die anschließende Talabfahrt entlang der Tinee und durch den Nationalpark Mercantour bis ins
140 Kilometer entfernte Nizza ließen den Sportler die vielen Eindrücke langsam begreifen.
Das laute und hektische Nizza machten einen schnellen Abschied vom Mittelmeer leicht, und so fuhr Werner Henkel mit dem Nachtzug über Marseille, Lyon, Straßbourg, Karlsruhe Richtung Heimat. Ein Zwischenstop im schönen Straßbourg und auf dem ehemaligen Gartenschaugelände von Kehl bildeten den Abschluss seiner Erlebnistour.
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