Pädagogisches Fachseminar hilft zukünftigen Lehrern für Werkrealschulen
Im Rahmen eines Sonderausbildungsteils haben sich die angehenden Fachlehrerinnen und Fachlehrer am Pädagogischen Fachseminar (PFS) in Schwäbisch Gmünd fit gemacht für ihren Einsatz ab September an den neuen Werkrealschulen in Baden-Württemberg. Insbesondere die neuen Wahlpflichtfächer standen dabei im Fokus.
SCHWÄBISCH GMÜND
(pm). Die Lehrer des PFS sind somit unter den ersten, wenn nicht sogar die ersten im Lande, die zeitgleich zur Einführung der neuen Schulart eigens dafür ausgebildet wurden. Die neue Werkrealschule (WRS) vernetzt in ihrem Bildungsgang allgemeine und berufliche Bildung. Sie ermöglicht den Schülern entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit und ihren Neigungen eine Schwerpunktbildung bei der beruflichen Orientierung. Profilbildende Elemente sind die neuen Wahlpflichtfächer in Kl.
8 und
9. An Schülerinteressen orientiert, wollen sie auf verschiedene Berufsfelder neugierig machen und über eine Auswahl von Ausbildungsberufen informieren. Den Schülern soll ermöglicht werden, sich in verschiedenen Berufsfeldern zu erproben.
Berufliche Orientierung und Ausbildungsreife sind übergreifende Ziele
Das Wahlpflichtfach „Wirtschaft und Informationstechnik“ dient der Orientierung im kaufmännischen Bereich. Anhand von konkreten Entscheidungs– und Handlungssituationen in Unternehmen und im privaten Haushalt erweitern die Schüler ihre bereits erworbenen ökonomischen und informationstechnischen Kompetenzen. Beispielsweise durch die Themen „Konsum und Finanzen“ oder durch „Multimedia“.
Der Bereich „Natur und Technik“ dient der beruflichen Orientierung von Schülerinnen und Schülern mit Interesse an Aufgaben und Tätigkeiten im gewerblich-technischen Bereich. Dieser Bereich bildet die Handlungsabläufe in handwerklichen und industriellen Arbeits– und Produktionsprozessen ab. Themen sind
z.B. Kultur– und Lebensräume, Bauen und Wohnen u.a.
Das Wahlpflichtfach „Gesundheit und Soziales“ dient der beruflichen Orientierung von Schülern mit Interesse an Aufgaben und Tätigkeiten in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Sozialwesen. Es fördert ausgehend von zwischenmenschlicher Kommunikation das Interesse an der Arbeit und dem Umgang mit Menschen. Die Schüler wählen aus den beschriebenen Fächern eines aus.
Der Unterricht in Kl.
8 und
9 bereitet auf die Kooperation der Werkrealschule mit der zweijährigen Berufsfachschule in Kl.
10 vor, ohne deren Konzept oder Lerninhalte vorwegzunehmen. In Kl.
10 sieht das pädagogische Konzept der Werkrealschule als zentrales Element die enge Kooperation zwischen WRS und dem ersten Jahr der zweijährigen zur Prüfung der Fachschulreife führenden Berufsfachschule vor. Für die Schüler findet der Unterricht an drei Tagen pro Woche an der WRS und an zwei Tagen pro Woche an der zweijährigen Berufsfachschule statt.
Die Werkrealschule ist eine weiterführende Schule, die im Anschluss an die Grundschule in einem durchgehenden Bildungsgang bis Kl.
10 zur Mittleren Reife führt und dabei einen Hauptschulabschluss in Kl.
9 ermöglicht. Sie bereitet den Übergang in das duale Ausbildungssystem vor, schafft Grundlagen für eine gelingende Berufsausbildung und weiterführende berufliche Bildungsgänge. Sie zeichnet sich durch individuelle Förderangebote, intensivierte Berufswegeplanung und eine erste berufliche Grundbildung aus. Die
10. Klasse der Werkrealschule ist somit als kooperatives Unterrichtsangebot zwischen Werkrealschule und Beruflicher Schule vorgesehen.
Da alle Fachlehrerinnen und Fachlehrer eine abgeschlossene Berufsausbildung in verschiedensten Berufen haben, sind sie prädestiniert für die Gestaltung der Wahlpflichtfächer der Werkrealschule.
Die abgeschlossene Berufsausbildung ist Voraussetzung für die Ausbildung zum Fachlehrer, zur Fachlehrerin am PFS. Authentisch können sie von den Anforderungen bei der Berufsausbildung und im Beruf berichten und ihre Schülerinnen und Schüler darauf vorbereiten.
Zu Beginn des Sonderausbildungsteils ‘Werkrealschule’ wurden die angehenden Lehrkräfte von Ralf Seidenkranz mit den Intentionen des neuen Bildungsplans vertraut gemacht. Da er selbst im Auftrag des Landesinstituts für Schulentwicklung (LS) Leiter der Bildungsplankommission für das Wahlpflichtfach „Wirtschaft und Informationstechnik“ ist, erhielten die Anwärterinnen und Anwärter Informationen aus „erster Hand“.
Ebenso aus „erster Hand“ wurden sie über die Vielzahl von Ausbildungs– und Schulmöglichkeiten der Beruflichen Schulen informiert. Dies deshalb, weil die Wahlpflichtfächer besonders auf die Berufsausbildung vorbereiten sollen. Eigens dazu kamen die Schulleitungen der drei Beruflichen Schulen auf dem Hardt ans PFS: Gisela Stephan von der kaufmännischen-, Gerhard Barreith von der gewerblichen-, und Friedrich Müller von der Agnes-von-Hohenstaufen– Schule. Am Beruflichen Schulzentrum Gmünd werden zur Zeit ca.
4000 Schüler (Vollzeit– und Teilzeitschüler) unterrichtet, es kann der Hauptschulabschluss, der mittlere Bildungsabschluss (Fachschulreife durch die zweijährigen Berufsfachschulen), die Fachschulreife und das Abitur angestrebt werden.
Um sich über die Arbeit in den Berufsfachschulen zu informieren, waren anschließend Lehrende und Fachlehreranwärter zu Besuch im Beruflichen Schulzentrum. Bei Unterrichtshospitationen konnten sie sich Einblicke in die berufsfachlichen und berufspraktischen Inhalte verschaffen. Im gewerblichen Bereich findet u.a. die Metzger– und Bäckerausbildung statt und es konnten die Arbeiten begutachtet werden. Auch die Ausbildungsberufe Mechatroniker und Automechaniker konnten kennen gelernt werden. Bei den Automechanikern werden
z.B. Motoren zerlegt und so auf die Zwischenprüfung vorbereitet. In den gewerblichen Berufsfachschulen (Metall und Elektronik) konnte im Chemie– und Physikunterricht hospitiert und auch die umfangreiche Materialsammlung besichtigt werden. In der hauswirtschaftlichen Berufsfachschule bekamen die Besucher vom Pädagogischen Fachseminar Einblicke in verschiedene Unterrichts– und Lernsituationen. Des Weiteren informierten die Lehrkräfte der beruflichen Schulen über die neue Ausrichtung der Ausbildung in so genannten „Lernfeldern“. Darunter versteht die Kultusministerkonferenz: „…durch Zielformulierung, Inhalte und Zeitrichtwerte beschriebene thematische Einheiten, die an beruflichen Aufgabenstellungen und Handlungsabläufen orientiert sind.“
In der kaufmännischen zweijährigen Berufsfachschule (Wirtschaftsschule) werden Betriebsabläufe im Rahmen einer Schülerfirma simuliert. Einzelne Schulklassen betreiben eine Übungsfirma mit den dazugehörigen Abteilungen, wie Wareneinkauf, Personalwesen, Rechnungswesen. Dabei werden von anderen Schülerfirmen weltweit virtuell Waren bestellt und diese dann auch verkauft. Weder zurück am Fachseminar, haben sich die angehenden Fachlehrer die Aufgabe gestellt, exemplarisch in Kleingruppen Unterrichtseinheiten für die drei Wahlpflichtfächer zu erstellen.
Zu berücksichtigen war dabei, dass die im Bildungsplan geforderten Kompetenzen beim Fachwissen, der Erkenntnisgewinnung, Kommunikation und Bewertung von den Schülerinnen und Schülern erreicht werden können.
Zudem sollten diese Kompetenzen in verschiedensten Arbeitsfeldern erworben werden können, wie Realbegegnungen zum Beispiel in Betrieben, in der Natur, in einer Werkstatt bzw. einem Labor oder im Familienalltag.
Zum Abschluss des Sonderausbildungsteils haben die Gruppen ihre Unterrichtseinheiten vorgestellt: „Modelle zum Leben erwecken“, „Brückenbau“, „Wo bleibt das Geld?“, „Gesundes Leben“, „Werbestrategien für Vereine“ waren Themen der Einheiten.
Gegenseitig wurden anschließend Qualitätskontrollen vorgenommen. Dabei wurde darauf geachtet, dass die vom Bildungsplan geforderten Kriterien eingehalten und die grundsätzlichen Intentionen für die Wahlpflichtfächer umgesetzt wurden.
Gut gerüstet mit zahlreichen exemplarischen Unterrichtseinheiten können die frischen Fachlehrerinnen und Fachlehrer nun ihren Dienst nach den Sommerferien an einer Werkrealschule im Land aufnehmen. Von einem Einstellungsgespräch an einer Stuttgarter Werkrealschule zurück berichtete ein Fachlehreranwärter: „Ich habe die Stelle wahrscheinlich mit wegen dem Sonderausbildungsteil bekommen.“
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