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» Ostalbkreis | Mittwoch, 25. August 2010

Reisebericht (4): Auf dem Weg nach Teheran besuchten die Reisenden aus Gmünd die Partnerstadt Mutlangens, Vaskut

Seit über einem Monat befinden sich Wolfgang Schlupp-​Hauck und seine Frau Brigitte Schlupp-​Wick mit dem Tandem auf dem Weg in den Iran. In unregelmäßigen Abständen schreiben sie für die Leser/​innen der Rems-​Zeitung Reiseberichte. Heute folgt Teil vier. Von Wolfgang Schlupp-​Hauck

SCHWÄBISCH GMÜND /​MUTLANGEN. Bis an das schwarze Meer ist für unsere friedenspolitischen Aktivitäten Pause angesagt. Wir genießen diese Strecke als unsere Hochzeitsreise. Auf dem Tragflügelboot fuhren wir von Wien bis nach Budapest. In Ungarn wurden wir in Mutlangens Partnerstadt Vaskut freundlichst aufgenommen. Die Rückkehr von Brigittes Hexenschuss überwanden wir im Wellness-​Hotel.
Vom Donauradweg ist der Strom nicht immer im Blick. Oft fließt die Donau einige Kilometer entfernt in ihrem Bett. Wir stiegen deshalb um auf das Tragflügelboot, das von Wien nach Budapest fährt, auch um Zeit zu sparen. Hinter Wien, erstrecken sich Kilometer lange Auenwälder auf beiden Flussseiten. Bei Hainburg haben Proteste verhindert, dass die Donau reguliert wurde.
Wie schlimm das aussehen kann, erlebten wir auf den anschließenden Flusskilometern. Zunächst wird durch einen Stausee die Donau Hunderte von Metern breit, dann wird sie in einen Kanal gezwängt. Kerzengerade durchzieht er die Landschaft. Statt Auenwälder begrenzen auf beiden Seiten Staumauern unseren Blick. Ungarn ist – anders als Slowenien – aus dem Großprojekt aus umweltpolitischen Überlegungen ausgestiegen, sonst wäre die Donau noch weitere 100 km mehr in ein Korsett gezwängt.
Vor Ersztergom werden wir durch malerische Donauschleifen entschädigt. Wir genießen den herrlichen Blick zur Basilika auf die wir geradeaus zufahren. Budapest besichtigen wir nur vom Schiff und radeln sofort aus der Großstadt. Wir suchen Ruhe von städtischer Hektik und wollen wieder das Radeln genießen.
Zunächst zwängen wir uns durch den Budapester Großstadtverkehr. Kein Vergnügen, aber nicht so schlimm, wie in der Radwegbeschreibung angekündigt. Dann wird es schnell ländlicher. Zunächst erschrecken wir immer wieder, Hunde bellen uns an. Doch sie bleiben alle hinter den Zäunen auf dem Grundstück. Die Straßen sehen alle ähnlich aus und die Donauradwegbeschilderung ist lückenhaft. Wir scheinen uns im Kreis zu drehen. In alle Richtungen geht es nach Szigethalom,
Am Abend erreichen wir an einem Donauarm eine kleine Pension. Ein Ungar, der uns den Weg dorthin gezeigt hat, kommt am Abend nochmals vorbei, klopft ans Zimmer und bringt uns ein halbes Dutzend Pflaumenknödel „It’s for your Honeymoon sagt er. — Aus dem Internet-​Routenplaner hat er uns auch noch Karten und die Straßennamen ausgedruckt, denen wir am nächsten Tag folgen sollen, damit wir uns nicht wieder verirren.
Es wird ein wunderschöner Radeltag. Die ausgedruckten Pläne helfen uns weiter. Dennoch kämpfen wir uns zwischendurch vom Ortsende zu unserer gewünschten Route zwei Kilometer zwischen riesigen Mais– und Sonnenblumenfeldern auf einem sandigen und zum Teil verschlammten Feldweg bis zur gewünschten Nebenstraße. Doch dann läuft alles wie geschmiert.
Gegen Abend erreichen wir ein Naturschutzgebiet an der Donau. Dort wollen wir zum ersten Mal unser Zelt aufschlagen. Die im Plan eingezeichneten Zeltplätze finden wir nicht und keiner kennt sie. Ein Ungar fährt Brigitte in ein Dorf. Dort gab es einen Zeltplatz, alles ist noch da aber völlig vergammelt, wir dürften dort umsonst zelten. Auf Brigittes Rat radeln wir aber weiter. Wir finden dann in einem unbebauten Grundstück in einer Wochenendhaussiedlung unseren wilden Zeltplatz. Zum Zeltaufbau müssen wir Dutzende von Fröschen vertreiben. Wir genießen die nahe Donau, den klaren Sternenhimmel und können die Sternschnuppen nicht mehr zählen, die wir entdecken, bevor wir müde ins Zelt kriechen.
Am kommenden Tag ist Vaskut unser Ziel, die Partnergemeinde von Mutlangen. Bürgermeister Seyfried hat dort unser Kommen angekündigt. Es sind nur 30 km bis dorthin, aber wir verströmen in der Schwülen Hitze Literweise Schweiß und sind fertig, wie nach hundert Kilometern.
Kurz vor dem Ort kommt uns ein Auto entgegen und hupt wie wild. Der Fahrer winkt uns, wir sollen anhalten. Es ist der Redakteur des regionalen Fernsehsenders und er will seinen Kameramann anrufen, um unsere Einfahrt in Vaskut zu filmen. Vor dem Rathaus erwartet uns Bürgermeister Alszegi, die gesamte Rathausbelegschaft, sowie Frau Vorös und Frau Krisztmann, die beide schon oft in Mutlangen waren. Hinzu kommen ein weiterer Kameramann und ein Zeitungsjournalist.
Die Hochzeitsreise macht eine Pause. Wir erzählen von den Zielen unserer Fahrt, von Mutlangen, den Gesprächen in Wien und überreichen wie immer Papierkraniche mit der Geschichte von Sadako.
Zum Mittagessen sind wir eingeladen in der Gaststätte von Frau Vorös. Wir erfahren viel über die Geschichte der Donauschwaben. Wir besichtigen den Ort und werden am Abend auf Kosten des Bürgermeisters in einer nahegelegenen Sportlerunterkunft einquartiert. Die Tochter von Frau Vorös fährt uns am folgenden Tag nach Davod ins Thermalfreibad.
Dort durch das Liegen auf der Wiese meldet sich die Hexe wieder. Brigitte kann zeitweise nicht mehr richtig gehen und muss Schmerzmittel nehmen. Doch die Liegeposition auf dem Tandem ist angenehm. Am nächsten Tag starten wir wie geplant, doch nehmen wir Davod nochmals als unser Ziel, um dort für zwei Nächte im Wellneshotel auszuspannen.
Wir freuen uns, dass das Storchennest neben dem Hotel noch bewohnt ist. Eine eineinhalbstündige Thailändische Massage und zwei ausgiebige Thermalbadbesuche lindern Brigittes Beschwerden, so dass wir beschließen nach Serbien weiterzufahren.
Wir packen am nächsten Morgen gerade unser Rad, da kommt im weißen Bademantel ein anderer Hotelgast zu uns heraus, zeigt uns die Tageszeitung mit dem Bericht aus Vaskut. Wir können uns nur durch Gesten verständigen, klar wird, er bewundert uns und findet unsere Tour gut. Wir packen unsere Reisepässe nach oben, denn zur Einreise in Serbien müssen wir sie vorlegen. Vorsichtig treten wir die Weiterreise an.
 

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