Eine Nachbetrachtung zum 4. Gmünder Seifenkistenrennen /Wie Studenten und Schüler in monatelanger Arbeit gebastelt haben
Das vierte Gmünder Seifenkistenrennen gehört der Vergangenheit an. Doch für Chef-Organisator Albert Scherrenbacher ist nach dem Rennen vor dem Rennen – will heißen: Auch in zwei Jahren findet am Straßdorfer Berg wieder das fast schon legendäre Seifenkistenrennen statt.
SCHWÄBISCH GMÜND (rz). Auch in diesem Jahr hat sich die Abteilung Technik der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd wieder mit dem Schülerprojekt „Förderung technischer Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern“ an diesem Ereignis beteiligt. Das Projekt wurde vor acht Jahren von Fachschulrat Stefan Kruse in Zusammenarbeit mit dem Landesgymnasium für Hochbegabte mit dem Ziel ins Leben gerufen, technische Fähigkeiten und Fertigkeiten von jungen Menschen zu fördern. Mittlerweile hat sich die Kooperation von Hochschule, Schule und regionalen Firmen alle zwei Jahre als vielseitiger außerschulischer Lernort bewährt und gefestigt. So war Kruse wieder auf der Suche nach Sponsoren, denn während Firmen, die ihre eigenen Kisten herstellen, das Geld dazu haben, stehen der Schule keine Mittel zur Verfügung. So war Kruse froh, dass trotz der allgemein schlechter Wirtschaftslage sich die Firmen Bekleidungshaus Röttele in Schwäbisch Gmünd,
TRW Automotive in Alfdorf, Burger King Restaurant in Schwäbisch Gmünd, Scholz Edelstahl in Aalen und
PC und Systeme in Straßdorf bereit erklärt hatten, die Schüler finanziell zu unterstützen.
Auch dieses Jahr entstanden im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft zwei wissenschaftliche Hausarbeiten von Studierenden des Faches Technik. Die angehenden Techniklehrer, Jasin Yigit und Jan Daniel, haben eine Kreativitätsstudie durchgeführt und die Schüler in weiten Bereichen tatkräftig unterstützt. Mit dieser Hilfe und dem Engagement einiger Väter haben zwei Schülergruppen im Schuljahr
2009/
2010 jeweils Donnerstagnachmittag drei außergewöhnliche Fahrzeuge realisiert. Neben einer Vielzahl verschiedener Werkstoffe wurden aufwändige Verarbeitungstechnologien gelernt und angewandt.
Technik-Dozent Stefan Kruse ist stolz auf „seine“ Studierenden: „Sie haben bei der Umsetzung des Projekts viel pädagogisches Geschick, Kreativität, Fachkompetenz und Organisationstalent bewiesen.“ Kruse erläutert auch, wieso die Konstruktion einer Seifenkiste, die
70 kg wiegt und durchaus
60 km/h fahren kann, sich ideal als Projekt für die Schule eignet. „Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht — in zahlreichen Detaillösungen muss sehr viel Wissen aus der Werkstoff– und aus der Verfahrenstechnik umgesetzt werden. Dabei kommen nicht nur technische Aspekte zum Tragen. An einem solchen Projekt können wir später in den Schulen auch das Durchhaltevermögen und den Ehrgeiz der Schülerinnen und Schüler unterstützen — und sie so für das Berufsleben fit machen. Wer in der Schule Spaß an Technik bekommt, ergreift danach eher einen Beruf aus dem Ingenieurbereich.“
Im Wettbewerb um den Phantasiecup kam das Team Hannes Sachwitz und Christoph Hanke mit seiner Seifenkiste auf Platz drei. Die beiden Jungs von der Scheuelbergschule in Bargau hatten sich vor einem Jahr bei der PH für das Projekt „Seifenkiste“ beworben. Sie erreichten mit ihrer durchsichtigen Kiste im Schulcup und bei den Stadtmeisterschaften den sechsten Platz, beim Firmencup (Fa. Scholz, Edelstahl) Platz
15 und beim Phantasiecup mit ihrem schnell umgebauten „Papamobil“ Platz drei.
Für Albert Scherrenbacher machen solche „Ergebnisse“ Mut für das nächste Rennen in zwei Jahren. „Ohne Sponsoren geht überhaupt nichts“, sagt er und hofft aber auch, dass sich noch mehr Firmen im Rahmen einer Lehrlingsarbeit am Bau der Seifenkisten beteiligen. Als typisches Beispiel gilt hier die Firma Leicht in Waldstetten, die mit ihrem Modell der Sägmaschine Balle im Phantasiecup den ersten Preis vor der Bierflasche der Heubacher Brauerei und jenem „Papamobil“ errungen haben.
Albert Scherrenbacher: „Das Seifenkistenrennen ist aus Gmünd nicht mehr wegzudenken!“
Obwohl die Organisatoren erst in etwa zwei Wochen Bilanz ziehen, kann man jetzt schon davon ausgehen, dass diese positiv ausfällt. Mit dazu beitragen hat natürlich auch das gute Wetter, die große Zuschauerkulisse und die Tatsache, dass die Veranstaltung unfallfrei über die Bühne gegangen ist. Der Malteser Hilfsdienst hatte ganze sieben „Einsätze“ zu erledigen, nur in drei Fällen warn Teilnehmer davon betroffen, viermal mussten Zuschauer versorgt werden. Aber kein einziger Fall war von Bedeutung, wenngleich ein kleiner Bub fürchterlich weinte und sich zunächst gar nicht behandeln lassen wollte. Aber Albert Scherrenbacher hängte ihm eine „Tapferkeitsmedaille“ um den Hals und brachte ihm am nächsten Tag noch ein Geschenk vorbei.
„Mit dieser vierten Veranstaltungen haben wir einen unheimlichen Schub nach vorne bekommen“, sagt der Tausendsassa Scherrenbacher und weiß, dass das Ganze auch von der Unterstützung durch die Stadt und Polizei abhängig ist. Aber hier konnte man Vieles „auf dem kleinen Dienstweg“ erledigen. Besonders hat sich der Veranstalter gefreut, dass zum ersten Mal auch ein Oberbürgermeister mitgefahren ist, obwohl OB Richard Arnold hinterher meinte, dass ihm die Strecke fast zu langsam sei. Ob er sich an dieser Aussage messen lässt – zumindest scheint er auch auf dem Rathaus in vielen Dingen ein ordentliches Tempo vorzulegen.
Noch ein paar Zahlen vom diesjährigen Seifenkistenrennen: Etwa
400 Läufe wurden absolviert, gut
200 Mitarbeiter/-innen haben geholfen,
29 Kisten haben beim Phantasiecup mitgemacht,
25 im Jugendwettbewerb,
23 in der Klasse Ü
18,
14 beim Schulcup und
28 haben sich um die Stadtmeisterschaft beworben.
Beim Prominentenrennen wurden die vereinseigenen Fahrzeuge benutzt, sieben an der Zahl, die aber dieses Mal nicht bis zum nächsten Seifenkistenrennen in zwei Jahren „eingemottet“ werden, sondern beim Faschingsumzug oder auch bei der
850-Jahrfeier der Stadt Gmünd mitfahren sollen. Auch an eine Ausstellung ist gedacht. Ansonsten wird im Jahr
2012 das
5. Gmünder Seifenkistenrennen irgendwann Mitte August stattfinden. „Wir nehmen Rücksicht auf die Europäische Kirchenmusik und starten erst eine Woche danach“, sagt Albert Scherrenbacher und hofft, dass er dann sein ehrenamtliches Team wieder um sich haben wird. Unter all den vielen Freiwilligen ragt aber einer heraus: Willi Tscherbakova, der hatte nicht nur im Vorfeld vieles akribisch organisiert, sondern war auch an den beiden Veranstaltungstagen fast rund um die Uhr Einsatz.
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