Vor den Leistungen der Brandschadenssanierer kann man nur den Hut ziehen /Hochinteressante Funde im weitgehend ausgebrannten Nordflügel
Einsatzleiter Alexander Thomas von der bundesweit tätigen Brandschadenssanierungsfirma Pfeifer hat es schon mit vielen Brandruinen zu tun bekommen. „Doch das hier in Gmünd ist neben der Routine doch eine ganz besondere Nummer“, so beschreibt er – und geht mit viel Ehrfurcht und Respekt mit dem Klösterle-Inventar um. Ganz bemerkenswerte Funde gibt es. Von Heino Schütte
SCHWÄBISCH GMÜND. „Ja, da fließen oft sogar die Tränen“, beschreibt mit Mitgefühl der Einsatzleiter der im Siegerland beheimateten Firma die Reaktionen und Szenen, wenn nun nach und nach Lehrer und auch Eltern und Schulkinder aus dem Urlaub heimkehren und vor den Resten „ihrer“ Klösterleschule stehen. Besonders dann, wenn ihnen Zutritt und Einblick zu und in die zwischenzeitlich
1200 Umzugskartons gewährt wird, in denen das aus der Brandruine geborgene Inventar aufbewahrt wird. Viele persönliche und liebgewonnene Bastelarbeiten sind darin gesammelt, auch jede Menge Fotos, Ordner, Hefte, Malereien, Bücher und andere Unterrichtsmaterialien. Das Problem: All die Sachen sind durch teils giftige Rußpartikel und Säuredämpfe beaufschlagt. Aus Rücksicht auf die Gesundheit der Schulkinder muss der Großteil entsorgt werden. Alles andere wäre unverantwortlich und unwirtschaftlich. Dennoch sind Kartons und Inhalte penibel inventarisiert. Die Brandschadenssanierer haben dicke Ordner zur Hand, dazu
1500 Fotos, mit denen ortsbezogen auf jedes einzelne Klassen– oder auch Lehrerzimmer sämtliche Gegenstände vermerkt sind, die aus Ruine und Schutt geborgen wurden. Das ist auch für den Versicherungsnachweis wichtig und hilfreich. Die Umzugskartons sind im Unipark zwischengelagert. Auch Räume im halbwegs unversehrt gebliebenen Südflügel der historischen Volksschule (Baujahr
1867) am Klösterle gleichen jetzt einem Flohmarkt. Von der klapprigen Schreibmaschine über den angestaubten Diaprojektor bis zum hochmodernen Beamer wird alles registriert und nach Erhaltungszustand bewertet. Besonders im Blickpunkt steht die Rettung und Reinigung der Schulmöbel, die ganz dringend für die Ausweichquartiere der
400 Jungen und Mädchen benötigt werden. Alexander Thomas und seine zeitweise bis zu
30 Mitarbeiter, die schon wenige Tage nach dem Feuer im Auftrag der Stadtverwaltung beziehungsweise der Brandversicherung nach Gmünd geeilt waren, um mit Fachwissen und Technik den Gebäude– und Inventarschaden in Grenzen zu halten, machen einen bewundernswerten Job. Beteiligt sind die beiden Firmen Pfeifer und Faass. Andreas Schwarz und sein Faass-Team haben zwei riesige Hebe– und Arbeitsbühnen im Einsatz. Von denen aus und teils zusätzlich an Sicherheitsgurten und Leinen befestigt, kümmern sich die Jungs in schwindelerregender Höhe um die einsturzgefährdeten Bauteile. Immer noch muss mit einem Durchbrechen der Böden und Decken zwischen den Etagen gerechnet werden.
Die Ruine qualmte noch, als das Vorausteam der „Pfeifer-Feuerwehr“ eintraf, um erste Maßnahmen für die Sicherung des Bauwerks und des Inventars einzuleiten. Zwar habe er schon mal ein Schloss ausgeräumt, berichtet Alexander Thomas, doch eine solche historische Schule mit diesem Schadensausmaß sei auch für ihn und trotz der Routine eine ganz besondere Nummer. Eine Riesenportion Geduld und auch Einfühlungsvermögen gehört neben der autarken Bergungs– und Elektrotechnik zur Ausrüstung bei dieser „Ersten Hilfe“ nach dem Feuer im historischen Schulkomplex. Dies zeigen nicht nur die
1200 Kartons und der Umgang mit den betroffenen Menschen, sondern ganz besonders auch der immer aufmerksame Blick der Brandsanierer. So haben sie im Schutt und in den verkohlten Räumen im Dachgeschoss kistenweise Raritäten entdeckt, die voraussichtlich in den Fundus des Fördervereins Gmünder Schulmuseum wandern werden. Die Entdeckungen beinhalten Literatur, Zeitungsbündel, Schulheftsammlungen und andere Dokumente aus dem Schulalltag, die teils bis zu
100 Jahre alt sind und an die Ursprünge der Klösterleschule als Katholische Volksschule erinnern. Allein dieser Berg an Funden wäre eine eigene Ausstellung wert. Tausende Gmünderinnen (es handelte sich einstmals um eine reine Mädchenschule) dürften in den Kisten und Stapeln Unterrichtsmaterial, Hefte und Zeugnisse aus ihrer Kindheit wiederfinden. Die mehr als
100 Jahre Gmünder Schulgeschichte, die nun die Brandschadenssanierer gerettet haben, wirkt wie Ansporn und herzliche Verpflichtung zugunsten unserer Spendenaktion für eine schnelle Wiederbeschaffung jenes modernen Schulinventars, das nicht von der Versicherung ersetzt wird:
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