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» Schwäbisch Gmünd | Montag, 09. August 2010

Münsterorganist Beck bot Orgelführungen für Kinder an

Guck mal da, ‘ne kleine Orgel!“, stellte einer der vielen kleinen Besucher vor Beginn der Orgelführung von Münsterorganist Stephan Beck fest. Gemeint war ein Modell einer mechanischen Orgeltraktur mit mehreren Pfeifen. Von Peter Skobowsky

SCHWÄBISCH GMÜND. „Wir besuchen eine Königin“, so lautete die Einladung an Jung und Alt. Der Zuspruch war so groß, dass man zwei Termine anbieten musste. Es gibt nichts Tolleres als Kinder: Da wird neugierig beobachtet, zielstrebig entdeckt, intelligent (nach)gefragt oder genau beschrieben — nicht nur der Münsterorganist hatte seine helle Freude daran, auch die Eltern und andere Erwachsene mussten öfter schmunzeln.
Zuerst wurde über die Vorderansicht, den prächtigen barocken Orgelprospekt von Johann Michael Maucher aus dem Jahre 1688 gestaunt, dann darüber, dass sich dahinter 3.800 Pfeifen verbergen, die größte über 10 m, die kleinste nur wenige Millimeter groß. Noch toller, dass manche Erwachsene nicht einmal die höchsten Töne hören können, weil das Gehör nicht mehr mittut! Und all das hatte die Bonner Orgelbaufirma Klais 1983 mit dem Neubau der Orgel besorgt.
Bevor weitere Fragen kamen, spielte Beck die berühmte d-​Moll-​Toccata (Bach zugeschrieben). Wie schnell die Finger über die Tasten sausten, wie flink die Beine über das Pedal!
Das Interesse betraf die Manuale, die dazu gehörenden Registerknöpfe und, wo sich die entsprechenden Pfeifen befinden. Die Pfeifentypen wurden gezeigt, erklärt und geblasen. Was haben doch die Trompeten für eine abenteuerlich drollige Form! Und wie die erst klingen! Herr Beck sog indirekt die Luft an, damit man alles besser sehen konnte. Und erst mit aufgesetztem Schallbecher: einfach laut dröhnend.
Schnell hatten die Kinder die Relation kleiner = höher, größer = tiefer (Pfeifengröße : Tonhöhe) erfasst.
Faszinierend die Steuerung. Wie von Geisterhand bewegt, gingen die Registerknöpfe rein oder raus, wenn einer der Computersetzer bedient wurde. 10.000 Möglichkeiten der Speicherung gibt es; allein 250 hatte Olivier Latry einen Tag vorher beim Orgelkonzert benutzt. Natürlich braucht es eine Anzeige dafür, damit man sich nicht vertut.
Die drei „Spielbretter“ (so die Frage nach den Manualen) und die für die Füße größere Pedalklaviatur wurden bestaunt, dann das Schwellwerk als ein eigener großer Pfeifenschrank mit schwenkbaren Türen wie eine seitliche Jalousie: zum leiser und wieder lauter werden.
Und was waren das für „Bobbeln“? Gemeint waren die dicken Druckknöpfe über den Pedaltasten, die Fußpistons, die man anstelle mancher Registerknöpfe ersatzweise bedienen kann, wenn man die Hände zum Spielen braucht, aber die Füße frei sind zum Drücken.
Natürlich war auch das Interesse für das Telefon zur Sakristei, die Liedanzeige oder den Monitor groß („Wo ist die Kamera?“): Hi-​Tech in der Kirche!
Nach der Erprobung verschiedener Klangfarben gab es als letztes Hörbeispiel noch die Toccata aus Widors V. Orgelsymphonie, bei der Stephan Beck hochvirtuos über die Tasten jagte, mittels Schwellwerk alles leiser wurde, um dann mit beiden Füßen gleichzeitig das Pedal dröhnen zu lassen. Sogar mit verschränkten Armen musste er auf zwei Manualen gleichzeitig spielen! Da war für manche zarten Ohren doch deren Zuhalten angesagt. Des Staunens nicht genug: Auch ein Glockenspiel mit lauten Röhrenglocken für das III. Manual gibt es (besonders schön an Weihnachten).
Schließlich durften auch die Erwachsenen fragen, z. B., wie man weiß, wie man registrieren und auf welchem Manual man spielen müsse. Die Franzosen wurden lobend zitiert wegen der Genauigkeit der Vorgaben. Sonst muss man selbst entscheiden …
Nach 50 Minuten vielfältiger Information hatte man die Königin der Instrumente kennen gelernt und wusste nun, warum sie diesen Ehrentitel hat.
Nicht nur eine Lehrstunde gekonnt kindgerechter Pädagogik war zu Ende. Die Liebe zu der Königin war sicher gewachsen.
Übrigens: Der Organist muss viel mehr Noten lesen (können) als ein Klavierspieler, weil er ja mit Händen und Füßen ge
 

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