Zum meteorologischen Ende des Sommers gilt unser Blick den heißen Jahreszeiten der Vergangenheit
Auch wenn der Gmünder Raum von Überflutungen weitgehend verschont wurde, haben die anhaltenden und starken Regenfälle der vergangenen Wochen fast vergessen lassen, dass dieser Sommer, der heute zumindest für die Meteorologen zu Ende geht, auch ein anderes Gesicht zeigte.
SCHWÄBISCH GMÜND
(bt). Heute ist Wassermangel höchstens für begeisterte Gärtner mit „Gütle“ ein Thema. Wer aber einmal ohne Wasser auskommen musste, wird diese Erfahrung zeitlebens nicht vergessen. Welche Bedeutung sauberes Wasser hat, das jederzeit und in jeder gewünschten Menge aus dem Wasserhahn strömt, wird hierzulande deutlich, wenn Verunreinigungen auftauchen. Oder wenn eine Hitzewelle wie im Juli Regenwasservorräte versiegen lässt. In Waldstetten beispielsweise hatte Adelinde Vogt drei Gärten zu versorgen, zwei davon waren wochenlang ohne Wasservorräte, und wenn sie mit dem letzten fertig war, hätte sie eigentlich wieder mit dem ersten beginnen müssen. Da erhielt Wasser auf einmal eine ganz neue Bedeutung.
Als die Gmender Silberschmiedla eine Wasserleitung bauten
Ältere Zimmerbacher erinnern sich, dass in den heißen Nachkriegssommern ihre Wasserversorgung so gut wie zusammenbrach: Die Leitung, die Anfang der
30er-Jahre von Arbeitslosen gebaut wurde – noch heute ist die Rede von den „Gmender Silberschmiedla“ – führte einfach nicht genug Wasser. Auch die Schüttung der damals noch häufig anzutreffenden hauseigenen Brunnen reichte oftmals nicht aus, den Bedarf der Menschen und Tiere zu decken – oder die Wasserqualität war so schlecht, dass sich das Vieh weigerte, zu trinken. Vor allem an den Samstagnachmittagen ging gar nichts mehr. So mancher Kinderpopo wurde damals mit „Adelheid“ gewaschen, und eine Mutter, die „keinen Tropfen Wasser für Windeln hatte“, ging zum Wäschewaschen an die Lein, deren Wasser ansonsten ungenießbar war. Andere packten einfach die Kinder, um im Leineck-Stausee zu baden.
Vor allem im Oberdorf blieben die Leitungen trocken. Da half nur eines: Die Bewohner stellten sich nachts mit Kannen und Eimern am Dorfbrunnen an, bis sich lange Schlangen bildeteten. Dieses Quellwasser war übrigens das beste; schier unmöglich, den Trog mit Rindern zu passieren, ohne sie trinken zu lassen. Wenn den Tieren der Wassergeruch in die Nase stieg, gab’s kein Halten mehr. Als der
1944 geborene Georg Kurz ein kleiner Bub war, gingen die Pferde des Hofes gar selbstständig zu dieser Tränke – und anschließend wieder heim.
Die durch ihre Brunnen verwöhnten Gmünder lernten Wassernot kennen
Auch in anderen Gemeinden, Mutlangen etwa oder Iggingen, weiß man zur Genüge von heißen, trockenen Sommern und Versorgungsproblemen zu berichten. Die Gmünder hingegen haben nie die Wassernot kennengelernt, die auf der Höhe liegende Ortschaften nachhaltig geprägt hat. Um
1800 hatte Dominikus Debler zufolge auch in Gmünd jedes dritte Haus einen eigenen Brunnen. Außerdem stand mindestens seit dem
16. Jahrhundert Quellwasser aus den beiden laufenden Rohrbrunnen auf dem Markt und beim Münster zur Verfügung. Grundsätzlich konnten alle Haushalte Marien– und Löwenbrunnen benutzen – mit der einen Einschränkung, dass ein Mindestmaß an Löschwasser im Brunnenkasten bleiben mussten.
Freilich ist auch in Gmünd jener Tag unvergessen, an dem der zweite Anschluss an die Landesversorgung
20 Liter Wasser pro Sekunde in die Stadt pumpte und die anhaltende Trockenheit jener Nachkriegszeit ihren Schrecken verloren hatte. Bereits seit
1926 bezog Gmünd Wasser aus der Landeswasserversorgung, doch das reichte den von ihren ergiebigen Brunnen verwöhnten Gmündern längst nicht mehr, als in den Jahren nach
1945 nur rund
4500 Kubikmeter Wasser zur Verfügung standen, ausreichend für
20 000 Menschen, der Bedarf aber bereits im Sommer
1945 an heißen Tagen bei mindestens
5500 Kubikmetern lag; das Wasser wurde sogar für die US-Truppen rationalisiert.
1946 wurde es vollends kritisch: Auch dieses Jahr war ungewöhnlich trocken, und die Heimatvertriebene würden den Trinkwasserbedarf zusätzlich in die Höhe treiben. Immer wieder wurde das Wasser abgestellt, und die Gmünder nutzten das, was sie zuvor in Eimern gehortet hatten. Gärten gießen ging gar nicht; vor die Alternativen Gießwasser oder Suppenwasser gestellt, habe niemand lange überlegt, berichten Zeitzeugen. In Haushalten, Schulen und Betrieben, insbesondere in den Krankenhäusern wurde es richtig eng. Es gab Wassersperren, und allein nach Wetzgau musste täglich sechs Stunden lang Wasser gefahren werden. Die sanitären Verhältnisse waren unhaltbar. Und als feststand, dass nun all die Züge mit Vertriebenen ankommen und bald
40 000 Menschen in Gmünd leben würden, ließ der damalige Oberbürgermeister Franz Czisch einen weiteren,
3,
4 Kilometer langen Anschluss an die Landeswasserversorgung bauen. Da ein Aufruf, freiwillig zu graben, erfolglos blieb, beschloss der Gemeinderat im November
1947, zuerst selbst zwei Tage lang zu graben, und dann jeden Mann zwischen
16 und
60 Jahren zunächst zu einem Arbeitstag zu verpflichten.
1948 öffnete sich am Anschlussschacht Waldstetter Brücke der Schieber: Seither war das Wasser nie wieder knapp in der Stadt.
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