In freundschaftlicher Erinnerung an den durch die RZ-Leser ermöglichten Wiederaufbau nach der Erdbebenserie vor elf Jahren
Mit einer herzlichen und wunderbaren Geste im Sinne der Freundschaft und der Völkerverständigung über Grenzen und gut 2500 Kilometer hinweg überrascht die Erenler-Grundschule in der türkischen Provinzhauptstadt Adapazari: Dort wird jetzt unter Schülern, Lehrern und Eltern Geld für die Aktion „Ein Herz fürs Klösterle“ im fernen Schwäbisch Gmünd gesammelt.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). Diese deutsch-türkische Initiative in der Provinz Sakarya, aus der viele Türkisch Gmünder Mitbürger stammen, ist freilich kein Zufall, sondern vielmehr eine Fügung der Freundschaft und des Schicksals: In der
200 000-Einwohner-Stadt ist bis heute unvergessen, wie schnell und unbürokratisch eine Vielzahl von Gmündern im Rahmen einer Spendenaktion der Rems-Zeitung vor nunmehr elf Jahren geholfen haben, die furchtbaren Folgen einer verheerenden Erdbebenserie zu beseitigen. Nach Erdstößen im August und November
1999 lag die gesamte Marmara-Region in der Nordwesttürkei in Trümmern. Allein in Adapazari wurden
3891 Todesopfer beklagt.
13 797 Gebäude wurden total,
12 757 weitere teilweise zerstört. Nur zehn Prozent der Häuser blieben halbwegs unversehrt und bewohnbar. Ein unvorstellbares Ausmaß der Verwüstung und des Leids also. Allein die seinerzeit von Stadtrat Bilal Dincel, von der Rems-Zeitung und einer großen Anzahl von Helfern initiierte und durchgezogene Spenden– und Hilfsaktion mobilisierte Geld– und Sachspenden in einem Volumen von gut einer Millionen Mark. Der Ostalbkreis und die Stadt Aalen konzentrierten sich dazu auf den Wiederaufbau einer Klinik. Neben Soforthilfen für obdachlose Familien floss ein Großteil der Geldspenden unserer Leser in den Wiederaufbau einer Grundschule einschließlich winterfester Einkleidung für
800 Kinder im Stadtteil Erenler, südlich von Adapazari. Stellvertretend für alle Helfer und Spender bezeichnete anlässlich der rekordverdächtig schnellen Wiedereinweihung der Schule das dortige Stadtoberhaupt Aziz Duran die damaligen Ehrengäste Oberbürgermeister Gerhard Rembold und RZ-Verleger Meinrad Sigg als „Engel von Adapazari“. Ebenso wurden bei der nahezu zeitgleichen Klinik-Eröffnung auch Landrat Klaus Pavel und Aalens OB Pfeifle gewürdigt. Bei dieser Verbundenheit blieb es nicht nur bei Worten: Als dieser Tage Schulrektor Ismail Yaman von seinem Gmünder Freund Stadtrat Bilal Dincel über das Brandunglück in der Klösterleschule und die jüngste Spendenaktion der Rems-Zeitung informiert wurde, gab es sofort einen Akt des Mitgefühls. Schließlich kennt Yaman auch von Besuchen in Schwäbisch Gmünd die Klösterleschule, hatte hierbei auch großen Respekt vor den Pädagogen geäußert, die sich um die Integration und Förderung der vielen Kinder mit Migrationshintergrund bemühen.
Für Ismail Yaman und sein Kollegium war es eine spontane Entscheidung, sofort Sammelbüchsen für die Aktion „Ein Herz fürs Klösterle“ aufzustellen, um zu helfen und die dankbare Freundschaft mit Schwäbisch Gmünd erneut unter Beweis zu stellen. Über Bilal Dincel lässt der Schulrektor mitteilen, dass er in den nächsten Tagen über den Verlauf der Spendenaktion und über die Entwicklung seiner Schule ausführlich berichten wolle. Es sei eine freundschaftliche Selbstverständlichkeit, dass sich gerade seine Grundschule, die so viel Unterstützung aus Schwäbisch Gmünd erfahren durfte, nun an dieser Spendenaktion beteilige. Wohnsiedlungen und Infrastruktur von Adapazari sind zwischenzeitlich wieder hergerichtet. Neben den Wiederaufbauprojekten des türkischen Staates half hierbei auch ein
EU–Zuschussprogramm aus Brüssel.
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