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» Kultur | Donnerstag, 02. September 2010

Theaterleben aus erster Hand: FAZ-​Kritiker Gerhard Stadelmaier in der Soirée im Rathaus

Der Ressortleiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ und renommierte Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier berichtet bei seiner Soirée im Gmünder Rathaus am Montag, 6. September, ab 19 Uhr im Sitzungssaal vom Kultur– und Theaterbetrieb.

LESUNG (sv/​rz). Der Feuilleton-​Experte mit Gmünder Wurzeln wird dabei sein neues Buch „Meine Theatergeschichte – Parkett, Reihe 6, Mitte“ vorstellen.
„Eine Premiere ohne Stadelmaier ist keine Premiere“, urteilt Regisseur Peter Zadek über Gerhard Stadelmaier. Und die Zeitung „die Welt“ schrieb vor einigen Tagen über den Kollegen: „Er ist der berühmteste und meistgehasste Theaterkritiker deutscher Sprache: Viel bewundert und viel gescholten.“
Mit spitzer Feder begleitet er nicht nur die Wechselfälle des Kulturlebens; zu den heißen Diskussionen um das Projekt Stuttgart 21 beschäftigte er sich jetzt beispielsweise mit „Stuttgart als geistige Lebensform“ und mahnt mit Blick auf das Leuze-​Bad-​Bürgertum: „Völker der Welt, schaut auf diese Stadt – aber bringt eure Badehosen mit! Und wer nur Bahnhof, noch dazu Bahnhof 21 versteht, hat nichts verstanden. Hier sprudelt der Protest an den Mineralquellen des Bürgertums.“
1950 in Stuttgart geboren, wuchs der Journalist in Schwäbisch Gmünd auf und schrieb hier auch während seines Studiums der Germanistik und Geschichte in Tübingen zu Beginn der 70er-​Jahre Theaterrezensionen für die Rems-​Zeitung. Nach seinem Volontariat bei der Stuttgarter Zeitung war er dort auch als Feuilletonredakteur und Theaterkritik angestellt; heute zeichnet der in Bad Nauheim lebende, profilierte Theaterprofi im Feuilleton der FAZ für das Theaterressort verantwortlich.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten zählt Gerhard Stadelmaier zu den maßgeblichen und polarisierenden Vertretern seiner Zunft. Aufsehen erregte die Premiere des Stücks „Das große Massakerspiel oder Triumph des Todes“ von Eugène Ionesco im Februar 2006, in welcher der Schauspieler Thomas Lawinsky Stadelmaier den Notizblock wegnahm, der FAZ–Theaterkritiker daraufhin die Aufführung verließ – und hinterher einen empörten Bericht darüber in seiner Zeitung verfasste.
Die heftigen Auseinandersetzungen Stadelmaiers mit dem „Stückezerstörungstheater“ à la Frank Castorf und der Unart, Romane und Filme zu bearbeiten, statt neue Stücke zu spielen, bestimmen die Diskussionen um das Ach und Weh von Inszenierung und darstellerischer Kraft genauso wie die Zuneigung zu seinen Regiefavoriten Andrea Breth, Luc Bondy, Peter Zadek oder Patrice Chéreau. In seinem Buch führt er den Leser durch einen großen Theater-​Zeitroman, geleitet ihn von „Ausgespielten“ zu „Immer-​wieder Gespielten“, von „Deutschen Szenen“ zu „Gegenwartsgespenstern“ sowie „kriminellen Klassikern“ und zeigt ihm zur Erholung „Liebesspiele“. Auf diese Weise ist eine große Theatergeschichte der Jahrtausendwende entstanden – erlebt, ertragen, überstanden und aufgeschrieben an seinem bevorzugten Platz: Parkett, Reihe 6, Mitte.
 

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