Donnerstag, 30. Juni 2016
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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Samstag, 25. September 2010

Stolpersteine und „Weg der Erinnerung“

Bis zur Landesgartenschau 2014 wird es in Schwäbisch Gmünd einen „Weg der Erinnerung“ und noch mehr Stolpersteine geben, das sagte dieser Tage Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, der den Kölner Künstlers Gunter Demnig unterstützt.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Um den ermordeten oder vermissten Bürgern jüdischen Glaubens ihre Menschenwürde zurückzugeben, erfand Demnig die „Stolpersteine“. Der Künstler erinnert an die Opfer der NS-​Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnsitz Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir verlegt. Bislang gibt es drei dieser Stolpersteine in der Stadt — etwa auf dem Marktplatz vor dem Haus der Dresdner Bank. Die ersten Stolpersteine wurden angeregt durch eine 8. Schulklasse der Realschule „Franz von Assisi“ in Waldstetten unter ihrem Lehrer Tilman John. Sie wollten den Opfern — die ganz zum Schluss auf die Nummern reduziert waren, die man ihnen auf den Arm tätowiert hatte — ihre Namen zurückgeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Außerdem soll die Markierung mitten in der Stadt – etwa am Marktplatz, in der Bocks– oder der Ledergasse –, die so oft gehörte Aussage widerlegen, dass man von den Deportationen nichts mitbekommen habe. Trotz des Namens Stolpersteine geht es übrigens nicht um ein tatsächliches „Stolpern“ – oder wie es ein Schüler einst formuliert hat: „Man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“. Der Stolperstein in der Alleestraße etwa erinnert an den alleinstehenden taubstummen jüdischen Rentner Louis Philip Wallach. Nicht wirklich ein Außenseiter; irgendwie mochte man ihn. Aber 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert und starb dort innerhalb kürzester Zeit.
Es geht um nichts weiter als um kleine Gedenktäfelchen, die auf kleine Pflastersteine montiert werden. Inzwischen hat der Künstler an über 550 Orten mehr als 23 000 Stolpersteine verlegt. Und es werden immer mehr.
Demnig macht seit 1995 durch seine Kunstaktion Stolpersteine die Spuren von Opfern des nationalsozialistischen Regimes wieder sichtbar. Aus Schwäbisch Gmünd wurden vermutlich 25, mindestens 21 jüdische Bürger deportiert und in Konzentrationslagern ermordet — drei allein in Auschwitz. Es gibt vor allem zwei Gmünder Autoren, die das Schicksal der Gmünder Juden beschrieben und aufgeschrieben haben“, so Gundlach, und bezieht sich dabei auf Ernst Lämmles „Die Gmünder Juden“ und Ortrud Seidel mit ihrem Buch „Mut zur Erinnerung“.
Den Mitbürgern ihre Namen und ihre Würde zurückgeben
„Wir wollen damit unseren ehemaligen jüdischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen ihren Namen und ihre Würde wieder zurückgeben“, heißt es nun. Wir, das sind Joachim Bläse als Vertreter der Stadt sowie Wolfgang Gundlach, „ein Bürger“, der sich diesem Anliegen mit ganzer Kraft widmet.
Er war Förderlehrer und im Ruhestand noch nahezu vier Jahre in der Kernzeitbetreuung der Franziskusgrundschule in der Heugenstraße tätig. Auf die Frage, warum er sich so engagiert, zitiert er Sebastian Schnoy, Kabarettist und Jungautor. Der schreibt in seinem aktuellen Buch: „Heimat ist, was man vermisst“: „Die Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich ist bis heute notwendig. Ein Schluss damit darf es nie geben, im Gegenteil sollte das Erinnern und Gedenken und weiteres Aufklären der deutschen Schuld sogar ein Teil unserer neuen Identität, unseres Heimatgefühls sein“.
So bitten Bläse und Gundlach also um Unterstützung. Benötigt werden ungefähr noch 25 Stolpersteine, die jeweils 95 Euro kosten. Der Künstler verlegt die Steine persönlich.
Zusätzlich sollen an markanten Punkten drei Schautafeln aufgestellt oder bereits vorhandene — wie in der Imhofstraße — ergänzt werden. Am ehemaligen Lülligdorf (Becherlehen) – hier wurden die jüdischen Mitbürger vor ihrer Deportation in Baracken gesammelt — soll ebenfalls an die Deportierten erinnert werden. Auch entsprechende Faltblätter sind in Arbeit.

Für Überweisungen Kennwort: Weg der Erinnerung /​Stolpersteine.
Spendenbelege werden erstellt.
Städtische Kontonummern:
Kreissparkasse Ostalb, Kto.: 440 000 141, BLZ 61450050; Volksbank Schwäbisch Gmünd Kto.: 105 200 000, BLZ 61390140

 

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Bis zur Landesgartenschau 2014 wird es in Schwäbisch Gmünd einen „Weg der Erinnerung“ und noch mehr Stolpersteine geben, das sagte dieser Tage Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, der den Kölner Künstlers Gunter Demnig unterstützt.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Um den ermordeten oder vermissten Bürgern jüdischen Glaubens ihre Menschenwürde zurückzugeben, erfand Demnig die „Stolpersteine“. Der Künstler erinnert an die Opfer der NS-​Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnsitz Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir verlegt. Bislang gibt es drei dieser Stolpersteine in der Stadt — etwa auf dem Marktplatz vor dem Haus der Dresdner Bank. Die ersten Stolpersteine wurden angeregt durch eine 8. Schulklasse der Realschule „Franz von Assisi“ in Waldstetten unter ihrem Lehrer Tilman John. Sie wollten den Opfern — die ganz zum Schluss auf die Nummern reduziert waren, die man ihnen auf den Arm tätowiert hatte — ihre Namen zurückgeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Außerdem soll die Markierung mitten in der Stadt – etwa am Marktplatz, in der Bocks– oder der Ledergasse –, die so oft gehörte Aussage widerlegen, dass man von den Deportationen nichts mitbekommen habe. Trotz des Namens Stolpersteine geht es übrigens nicht um ein tatsächliches „Stolpern“ – oder wie es ein Schüler einst formuliert hat: „Man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“. Der Stolperstein in der Alleestraße etwa erinnert an den alleinstehenden taubstummen jüdischen Rentner Louis Philip Wallach. Nicht wirklich ein Außenseiter; irgendwie mochte man ihn. Aber 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert und starb dort innerhalb kürzester Zeit.
Es geht um nichts weiter als um kleine Gedenktäfelchen, die auf kleine Pflastersteine montiert werden. Inzwischen hat der Künstler an über 550 Orten mehr als 23 000 Stolpersteine verlegt. Und es werden immer mehr.
Demnig macht seit 1995 durch seine Kunstaktion Stolpersteine die Spuren von Opfern des nationalsozialistischen Regimes wieder sichtbar. Aus Schwäbisch Gmünd wurden vermutlich 25, mindestens 21 jüdische Bürger deportiert und in Konzentrationslagern ermordet — drei allein in Auschwitz. Es gibt vor allem zwei Gmünder Autoren, die das Schicksal der Gmünder Juden beschrieben und aufgeschrieben haben“, so Gundlach, und bezieht sich dabei auf Ernst Lämmles „Die Gmünder Juden“ und Ortrud Seidel mit ihrem Buch „Mut zur Erinnerung“.
Den Mitbürgern ihre Namen und ihre Würde zurückgeben
„Wir wollen damit unseren ehemaligen jüdischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen ihren Namen und ihre Würde wieder zurückgeben“, heißt es nun. Wir, das sind Joachim Bläse als Vertreter der Stadt sowie Wolfgang Gundlach, „ein Bürger“, der sich diesem Anliegen mit ganzer Kraft widmet.
Er war Förderlehrer und im Ruhestand noch nahezu vier Jahre in der Kernzeitbetreuung der Franziskusgrundschule in der Heugenstraße tätig. Auf die Frage, warum er sich so engagiert, zitiert er Sebastian Schnoy, Kabarettist und Jungautor. Der schreibt in seinem aktuellen Buch: „Heimat ist, was man vermisst“: „Die Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich ist bis heute notwendig. Ein Schluss damit darf es nie geben, im Gegenteil sollte das Erinnern und Gedenken und weiteres Aufklären der deutschen Schuld sogar ein Teil unserer neuen Identität, unseres Heimatgefühls sein“.
So bitten Bläse und Gundlach also um Unterstützung. Benötigt werden ungefähr noch 25 Stolpersteine, die jeweils 95 Euro kosten. Der Künstler verlegt die Steine persönlich.
Zusätzlich sollen an markanten Punkten drei Schautafeln aufgestellt oder bereits vorhandene — wie in der Imhofstraße — ergänzt werden. Am ehemaligen Lülligdorf (Becherlehen) – hier wurden die jüdischen Mitbürger vor ihrer Deportation in Baracken gesammelt — soll ebenfalls an die Deportierten erinnert werden. Auch entsprechende Faltblätter sind in Arbeit.

Für Überweisungen Kennwort: Weg der Erinnerung /​Stolpersteine.
Spendenbelege werden erstellt.
Städtische Kontonummern:
Kreissparkasse Ostalb, Kto.: 440 000 141, BLZ 61450050; Volksbank Schwäbisch Gmünd Kto.: 105 200 000, BLZ 61390140

 

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