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» Ostalbkreis | Samstag, 16. April 2011

Gewaltprävention erfordert Kooperation

Auf zehn Jahre erfolgreiche Gewaltprävention können Landkreisverwaltung, Polizei, Akteure aus der Jugendarbeit und Schule im Ostalbkreis zurückblicken. Anlass für Gewaltpräventionsberater Andreas Schumschal , auch einen Blick auf die Zukunft zu werfen.

OSTALBKREIS (pm). An den Schulen konnte das Thema „Gewaltprävention“ ausgebaut und damit eine Sensibilisierung erreicht werden. Galt es vor zehn Jahren noch als Makel, wenn Schulen sich mit dem Thema beschäftigten, so hat sich mittlerweile das Klima verändert. Es wird offener und ehrlicher mit Gewaltfragen umgegangen. Ein Modelle für eine positive Schulhauskultur ist das Drei-​Ebenen-​Model des schwedischen Persönlichkeitspsychologen Dan Olweus (Schule, Klasse, Individuum), das von der Landesregierung Baden-​Württemberg favorisiert wird und an Schulen als Mehrebenenkonzept installiert werden soll. Dieses Konzept wird seit vielen Jahren im Ostalbkreis erfolgreich umgesetzt. Sehr früh hat die Koordinationsstelle Prävention der Kreisverwaltung erkannt, dass Gewaltprävention nur im Schulterschluss mit anderen Partnern, allen voran die Polizei, Kommunen, Schule und Jugendarbeit effektiv durchführbar ist. Heute machen es die Bedürfnisse und Perspektiven einer ganzheitlichen Erziehung erforderlich, dass Eltern und Lehrer als Erziehungspartner sich mehr austauschen und in wichtigen Bereichen gegenseitig unterstützen. Für die Zukunft ist die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus ein wichtiger Pfeiler für die Prävention. An Schulen fanden 2010 mehr als 300 Veranstaltungen mit rund 10 000 Teilnehmern statt. Ein Hauptschwerpunkt waren Trainingsmaßnahmen, die in Klassen den Umgang mit dem Mitschüler sowie die Klassengemeinschaft verbessern und eine sinnvolle Konfliktlösungsstrategie bewirken. Auch konnte der Baustein „Initiative Gewaltprävention“ in Kooperation mit der Polizei in verschiedenen Schulen im Ostalbkreis erfolgreich durchgeführt werden – auch um das Rechtsbewusstsein und die Zivilcourage zu stärken. Über den richtigen Umgang mit elektronischen Medien Die von Landrat Klaus Pavel eröffnete „Offensive zum besseren Umgang mit Medien im Ostalbkreis“ 2009 wurde 2010 mit den Themen „Berühmt im Netz?! – Chancen und Risiken einer Welt aus Communities und Chats mit dem Web 2.0“ erfolgreich fortgesetzt. Jugendlichen ist oft nicht bewusst, dass ihre Daten und Fotos im Internet veröffentlicht sind. Virtuelles Mobbing, gefährliche Kontakte und sexuelle Belästigung sowie ungeahnte Konsequenzen für die spätere Berufswahl durch das Einstellen von Partyfotos und Hassparolen können die Folge sein. Im Februar 2010 fand ein weiterer Baustein zum Thema „Online– oder Offlinezocken“ statt. Es ist neben dem Kommunizieren ein wichtiger Aspekt der Computernutzung von Jugendlichen. Während eigentlich Fun-​Aktion-​Spiele die Beliebtheitsskala anführen, machen sogenannte Ego-​Shooter durch ihre Gewaltdarstellung und Online-​Games wie World of Warcraft durch ihr Suchtpotenzial von sich reden. Im März fand eine Veranstaltung mit dem Thema „Risiken, Strafbarkeiten und Vorbeugungstipps“ durch die Polizei statt. Dort gab es wichtige Information zu einem verantwortungsvollem Umgang mit den modernen Kommunikationsmitteln. Insbesondere in der Medienerziehung sind Eltern oft verunsichert. Die medienpädagogische Elternarbeit soll fortgesetzt werden. Im Dezember 2010 kam ein wichtiger Baustein „Offensive zum offenen Umgang mit Medien im Ostalbkreis“ mit einer Theaterpremiere auf den Markt: Das Stück Hexen@​Jagd.​de. Die Spiel– und Theaterwerkstatt Ostalb e. V. möchte mit dem Theaterstück Jugendlichen helfen, die Gefahren des Internets zu erkennen, Regeln für einen fairen Umgang miteinander im Netz vermitteln und Mobbing vorbeugen. Die Polizei und die Koordinationsstelle Prävention bot den Schulen nach dem Theaterstück die Möglichkeit, sich mit dem Thema Mobbing kritisch auseinander zu setzten. Dabei wurden Fragen des rechtlichen Umgangs, aber auch Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt. Die erfolgreiche Lehrerfortbildung „Thematische Reihe Gewaltprävention“ fand auch 2010 große Resonanz. In der siebten Auflage wurden wichtige Themen wie Zivilcourage, ein Lob den Regeln, die Rolle der Klassenleitung in der Gewaltprävention und der Klassenrat durchgeführt. Die Fortbildungsreihe unterstützte Lehrerinnen und Lehrer, Fertigkeiten und die nötige Zuversicht zu erwerben, um im Vorfeld Krisensituationen effektiv und konstruktiv zu lösen. Die sechste Auflage der „Theaterpädagogische Multiplikatorenfortbildung Gewaltprävention“ hatte 2010 eine sehr große Nachfrage und fand im Rahmen des theaterpädagogischen Workshops für Lehrerinnen und Lehrer sowie Pädagogen statt. Im Workshop ging es um theaterpädagogische Möglichkeiten und Methoden zur Förderung sozialer Kompetenzen aber auch darum, die Sensibilisierung von Gewaltprävention an Schulen voranzutreiben. Die Koordinationsstelle Prävention war auch beim Gmünder Lehrerforum 2010 vertreten. Das Thema war „Gewalt in der Schule und Präventionsmöglichkeiten“. Neben Professor Dr. Jens Lüdtke von der Goethe Universität Frankfurt und der Polizei konnte die Koordinationsstelle Prävention hier Möglichkeiten der Prävention aufzeigen. In Kooperation mit act for transformation, gem. eG fand eine Fortbildung für Konfliktschlichter und Schülermediatoren zum Thema „Fit im Konflikt“ statt. Das Angebot erfuhr eine große Nachfrage an den Schulen, und die Schüler lernten unterschiedliche Methoden der Konfliktbearbeitung in der Schule. Erstmals konnte das Projekt „Waldpädagogik und Gewaltprävention“ mit der Schillerschule in Heubach im Oktober 2010 als UNESCO–Dekadeprojekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ anerkannt werden. „Im Ausblick auf 2011 sind Schwerpunkte in der Elternarbeit zu setzen und es ist ein Streitschlichterkongress für den Ostalbkreis geplant. Die im vergangenen Jahr 2010 initiierten Maßnahmen zur Gewaltprävention mit Partnern werden 2011 fortgesetzt. Tobias Braun vom Geschäftsbereich Jugend und Familie wird die Koordinationsstelle Prävention personell unterstützen“, so Andreas Schumschal abschließend.
 

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