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» Kultur | Mittwoch, 18. Januar 2012

Schlimm, schlimm: die Titanic-​Boygroup im Esperanza

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So schlecht kann es um Schwäbisch Gmünd gar nicht bestellt sein, wie es die „Titanic Boygroup“ im Esperanza am Freitagabend bei ihrer Lesung gebetsmühlenartig einstreute. Schließlich waren sie ja da. Welch Glanz unter dem Nato-​Tarnnetz– Himmel im Jugendzentrum Ost, der Esperanza-„Arena“ in der „Bronx“ von Schwäbisch Gmünd.

KLEINKUNST (brd). Hatte man dort doch gerade das zehnjährige Bestehen gefeiert, allen früheren Untergangsrufen zum Trotz. Da passte es prächtig, die in diesem Format untergehenden Titanic-​Boys (Abschiedstour nach 15 Jahren Bühnenpräsenz im zarten Alter von ungefähr 50) noch einmal live zu erleben. „Wir kommen nie wieder!“, beteuerten die Ex-​Chefs des Satiremagazins, nachdem sie ganz schön lang auf sich hatten warten lassen, was das zahlreiche Insider-​Publikum aus der „Terence-​Hill Stadt“ jedoch nicht besonders beunruhigte. Ein drei Stunden-​Programm war schließlich versprochen worden. Mit einem „Griiiieß Gott“ übernahm als geborener Heilbronner und einziger Weintrinker (Trollinger?) Oliver Maria Schmitt den ersten Teil.
Wer vorwiegend Aktuelles etwa aus der „Wulffsschanze“ (Schloss Bellevue) erwartet hatte, kam nicht auf seine Kosten. Dafür gab‘s mit früheren Titelbildern und Filmeinlagen einen satirischen Rückblick auf so manche politische Peinlichkeit der letzten zwei Jahrzehnte. Ein bei der Wiedervereinigung „gedopter“ Helmut Kohl musste dazu genauso herhalten wie das „Erlöserkonzept“ der katholischen Kirche. Reichlich Stoff boten natürlich auch Silvio Berlusconi und Angela Merkel.
Thomas Gsella war vorwiegend für die Lyrik zuständig und reimte– völlig vorurteilsfrei– sich so einiges auf unsere lieben Nachbarn zusammen. „Der Pole“, „Das Österreich“, „Der Grieche“, aber auch Wessi und Ossi bekamen ihr Fett weg.
Martin Sonneborn, auch bekannt aus der ZDF-​Satiresendung „heute-​show“, hat mit seinen Beiträgen in der Vergangenheit schon so einiges in Bewegung gebracht und dem Sender damit immer wieder Ärger eingehandelt. Skurril sein filmisch dokumentierter Versuch, auf einem verlassenen Marktplatz irgendwo im Osten am 9. Mai 2009 wenn nicht 60 Jahre, so doch 20 Jahre Grundgesetz zu feiern.
Köstlich böse die Google home-​view Geschichte vom Berliner Stadtrand. Nach street-​view überredete er überforderte Zeitgenossen zum Öffnen ihrer Wohnungen samt ungemachter Betten für das Internet! Auch Telefonate mit sächsischen DVU-​Abgeordneten (Vorsitzender Gerhard Frey), die er zum Marsch auf Berlin aufforderte unter dem Motto, „Arbeit macht Frey“ gehören zu seinem Repertoire.
Schmitts Auslassungen zum Thema Freunde suchen und finden in Facebook mit Stefan Mappus als Zielscheibe war sicher einer der Höhepunkte des „Schlag auf Schlag“-Programms.
Nach der Pause half ein Ausflug des Freiherrn zu Guttenberg nach Afghanistan einige Erinnerungslücken wieder zu schließen. Der damalige Minister nebst Gattin, gegelt und gedresst, inclusive Johannes B. Kerner beim medialen Schaulaufen, welch ein Format! Sind wir nicht eigentlich gerade auf der Suche nach einem wirklich repräsentativen Bundespräsidentenpaar?
Zum Schluss gab es noch das Vergnügen, die Helden der Literaturkritik persifliert zu bekommen. Die besten drei „Gedichte“ der Literatur, die über die Reime von –la auf –da nicht viel hinauskamen, boten diesen Wort-​Referees genug Stoff, um mit tiefschürfenden Floskeln selbstverliebte verbale Salti zu schlagen. Auch Literaturpapst Marcel Reich-​Ranicki wurde bös reingelegt.
War da nicht noch was? Natürlich, am Samstag zelebrierte „Die Partei“ unter ihrem Bundesvorsitzenden Sonneborn und Ehrenvorsitzenden Schmitt just am selben Ort ihren LandesPARTEItag , von 1619 Uhr „in Prunk, Glanz und Gloria“. Zugesagt hatten 22, eingeladen waren 123 laut Internet. So viel zu den versprühten „Funken der Revolution“ für Schwäbisch Gmünd.
 

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  1. Diese Titanic oder wie das Blatt heißt - da kann man nur sagen: Armes Deutschland.
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Schlimm, schlimm: die Titanic-​Boygroup im Esperanza

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So schlecht kann es um Schwäbisch Gmünd gar nicht bestellt sein, wie es die „Titanic Boygroup“ im Esperanza am Freitagabend bei ihrer Lesung gebetsmühlenartig einstreute. Schließlich waren sie ja da. Welch Glanz unter dem Nato-​Tarnnetz– Himmel im Jugendzentrum Ost, der Esperanza-„Arena“ in der „Bronx“ von Schwäbisch Gmünd.

KLEINKUNST (brd). Hatte man dort doch gerade das zehnjährige Bestehen gefeiert, allen früheren Untergangsrufen zum Trotz. Da passte es prächtig, die in diesem Format untergehenden Titanic-​Boys (Abschiedstour nach 15 Jahren Bühnenpräsenz im zarten Alter von ungefähr 50) noch einmal live zu erleben. „Wir kommen nie wieder!“, beteuerten die Ex-​Chefs des Satiremagazins, nachdem sie ganz schön lang auf sich hatten warten lassen, was das zahlreiche Insider-​Publikum aus der „Terence-​Hill Stadt“ jedoch nicht besonders beunruhigte. Ein drei Stunden-​Programm war schließlich versprochen worden. Mit einem „Griiiieß Gott“ übernahm als geborener Heilbronner und einziger Weintrinker (Trollinger?) Oliver Maria Schmitt den ersten Teil.
Wer vorwiegend Aktuelles etwa aus der „Wulffsschanze“ (Schloss Bellevue) erwartet hatte, kam nicht auf seine Kosten. Dafür gab‘s mit früheren Titelbildern und Filmeinlagen einen satirischen Rückblick auf so manche politische Peinlichkeit der letzten zwei Jahrzehnte. Ein bei der Wiedervereinigung „gedopter“ Helmut Kohl musste dazu genauso herhalten wie das „Erlöserkonzept“ der katholischen Kirche. Reichlich Stoff boten natürlich auch Silvio Berlusconi und Angela Merkel.
Thomas Gsella war vorwiegend für die Lyrik zuständig und reimte– völlig vorurteilsfrei– sich so einiges auf unsere lieben Nachbarn zusammen. „Der Pole“, „Das Österreich“, „Der Grieche“, aber auch Wessi und Ossi bekamen ihr Fett weg.
Martin Sonneborn, auch bekannt aus der ZDF-​Satiresendung „heute-​show“, hat mit seinen Beiträgen in der Vergangenheit schon so einiges in Bewegung gebracht und dem Sender damit immer wieder Ärger eingehandelt. Skurril sein filmisch dokumentierter Versuch, auf einem verlassenen Marktplatz irgendwo im Osten am 9. Mai 2009 wenn nicht 60 Jahre, so doch 20 Jahre Grundgesetz zu feiern.
Köstlich böse die Google home-​view Geschichte vom Berliner Stadtrand. Nach street-​view überredete er überforderte Zeitgenossen zum Öffnen ihrer Wohnungen samt ungemachter Betten für das Internet! Auch Telefonate mit sächsischen DVU-​Abgeordneten (Vorsitzender Gerhard Frey), die er zum Marsch auf Berlin aufforderte unter dem Motto, „Arbeit macht Frey“ gehören zu seinem Repertoire.
Schmitts Auslassungen zum Thema Freunde suchen und finden in Facebook mit Stefan Mappus als Zielscheibe war sicher einer der Höhepunkte des „Schlag auf Schlag“-Programms.
Nach der Pause half ein Ausflug des Freiherrn zu Guttenberg nach Afghanistan einige Erinnerungslücken wieder zu schließen. Der damalige Minister nebst Gattin, gegelt und gedresst, inclusive Johannes B. Kerner beim medialen Schaulaufen, welch ein Format! Sind wir nicht eigentlich gerade auf der Suche nach einem wirklich repräsentativen Bundespräsidentenpaar?
Zum Schluss gab es noch das Vergnügen, die Helden der Literaturkritik persifliert zu bekommen. Die besten drei „Gedichte“ der Literatur, die über die Reime von –la auf –da nicht viel hinauskamen, boten diesen Wort-​Referees genug Stoff, um mit tiefschürfenden Floskeln selbstverliebte verbale Salti zu schlagen. Auch Literaturpapst Marcel Reich-​Ranicki wurde bös reingelegt.
War da nicht noch was? Natürlich, am Samstag zelebrierte „Die Partei“ unter ihrem Bundesvorsitzenden Sonneborn und Ehrenvorsitzenden Schmitt just am selben Ort ihren LandesPARTEItag , von 1619 Uhr „in Prunk, Glanz und Gloria“. Zugesagt hatten 22, eingeladen waren 123 laut Internet. So viel zu den versprühten „Funken der Revolution“ für Schwäbisch Gmünd.
 

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  1. Diese Titanic oder wie das Blatt heißt - da kann man nur sagen: Armes Deutschland.
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