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Kultur |
Donnerstag, 19. Januar 2012
Clytus Gottwald ist EKM-Preisträger 2012
Die meisten der bisherigen Preisträger kennt er und hat mit ihnen zusammengearbeitet, was ihn zu einer Schlüsselfigur neuer Geistlicher Musik macht — jetzt erhält er selbst den Kulturpreis der Stadt Schwäbisch Gmünd: EKM–Preisträger des Jahres 2012 ist Clytus Gottwald.
MUSIK (rw /sv). Der Preis des Festivals Europäische Kirchenmusik, heuer zum
14. Mal verliehen, geht im Wechsel an Interpreten und Komponisten. Mit Clytus Gottwald wird, ähnlich wie im letzten Jahr mit Hans Zender, ein „komponierender Interpret“ ausgezeichnet, wie
EKM–Programmdirektor Ewald Liska am Donnerstag sagte, als er zusammen mit OB Richard Arnold den diesjährigen Preisträger bekannt gab. Ewald Liska wird zur Preisverleihung durch OB Richard Arnold am Dienstag,
24. Juli, um
20 Uhr in der Augustinuskirche auch die Laudatio auf Gottwald halten. Vor der Preisverleihung singt das französische Vokalensemble „Sequenza
9.
3“ unter Leitung von Catherine Simonpietri Bearbeitungen von Clytus Gottwald.
Prof. Dr. Clytus Gottwald ist Chorleiter und Komponist, Musikwissenschaftler, Theologe und Soziologe. Die mit
5000 Euro dotierte Auszeichnung ehrt ihn für seine „wegweisenden Anregungen zur Schaffung und Vermittlung Geistlicher Musik“, so Liska. „in theoretischer und praktischer Auseinandersetzung verweist er auf die spirituelle Kraft der Musik und eröffnet neue Horizonte, die Chorliteratur bereicherte er mit herausragenden Transkriptionen älterer Musik und beförderte den musikalischen Standard der aktuellen Chorszene.“
Diese neuen Vokalklänge setzten
sich auf den Chorbühnen durch
Die Verdienste von Clytus Gottwald für die zeitgenössische A-cappella-Musik sind von besonderer Bedeutung. Einen „Künstlergelehrten“ nannte Manfred Schreier seinen Kollegen. Sich selbst versteht der heute
86-Jährige, der sich gerne als „alten Praktiker“ bezeichnet, weniger als Komponist: „Ich komponiere nicht, ich bin nur ein kompositorisch denkender Mensch“, sagt er lieber. Sein erklärtes Ziel war es, „den Chor als Instrument wieder ernst zu nehmen“.
Dieses „ernst zu nehmende Instrument“ schuf Gottwald
1960 mit der von ihm gegründeten Schola Cantorum Stuttgart, einem
16– bis
18-stimmigen professionellen Vokalensemble. Bis zu seiner Auflösung
1990 sang dieses Ensemble über
80 Ur– und Erstaufführungen und gastierte bei allen Festivals für Neue Musik von Moskau bis New York, von Edinburgh bis Jerusalem.
Doch Clytus Gottwald war nicht nur
30 Jahre lang Leiter eines heute legendären Elitechors, sondern auch komponierend tätig. Seine Bearbeitungen von Werken der Spätromantik und des Impressionismus gaben der Chormusik eine neue, ebenso anspruchsvolle wie sinnliche Qualität. Wegweisend war Gottwalds einfühlsame Bearbeitung von Gustav Mahlers Rückert-Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ (
1985), die Eric Ericson zu internationaler Bekanntheit führte und zum Klassiker gegenwärtiger Chorliteratur wurde. In diesen Transkriptionen für Vokalorchester übertrug er Satztechniken der Neuen Musik auf Klavier– und Orchesterlieder von Schubert, Berlioz, Wagner, Wolf bis zu Mahler und Debussy. Ligetis Mikropolyphonie im Chorwerk „Lux aeterna“ in Verbindung mit den Klangerfahrungen der Renaissance gaben den Anstoß dazu. Mit überwältigendem Erfolg setzten sich inzwischen diese neuen Vokalklänge auf den Chorbühnen der ganzen Welt durch.
Der Geistlichen Musik ist Clytus Gottwald besonders verbunden. Mehrfach standen seine Bearbeitungen für Vokalensembles beim Kirchenmusik-Festival im Programm.
(Ein Hörbeispiel aus Gottwalds Schaffen findet man unter http://www.youtube.com/watch?v=ovBzDWq
3I
6I).
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