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» Kultur | Samstag, 21. Januar 2012

Entzückendes „Land des Lächelns“

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Nach der Schwäbisch Gmünder Premiere des Salzburger Operettentheaters in dessen Gründungsjahr 2010 gastierte das Tournee-​Ensemble das dritte Mal in der Stauferstadt. Mit dem – selben umwerfenden Erfolg und bei ausverkauftem Haus.

Von Peter Skobowsky
OPERETTE. Die quirlige Dirigentin Katalin Doman leitete die Aufführung von Franz Lehárs „Das Land des Lächelns“ in der gewohnt gelungenen Mischung aus Pfeffer sowie Dahinschmelzen und stellte wiederum unter Beweis, dass das Genre Operette treffender als komische Oper benannt würde. Lehárs Werk ist großartig, von großem Ideenreichtum, einer Farbenvielfalt, die hier im Besonderen auch das Exotische „chinesischer“ Musik erfolgreich inszeniert. Und: Die Leute strömten, weil sie eben nicht verfremdend geärgert, sondern schlicht erfreut werden in der Einheit von Musik, Gesang, Spiel, Tanz und Ausstattung.
Allein die sechs Mitglieder des Dortmunder Ballettensembles Illo Tempore steuerten in der dreifach abwechslungsreichen Choreografie von Monica Fotescu-​Uta einen Augenschmaus bei, der sich kongenial in Bild und Handlung einfügte.
Lucia Meschwitz machte der zweiten Silbe ihres Familiennamens ebenfalls wieder alle Ehre. Sie belegte, dass Aktualisierung nichts mit Zwang gemein hat, sondern als Gag das Vergnügen nur steigern kann, wenn etwa des Prinzen Schwester Mi Tennis in modernem Outfit spielt und vom Familienoberhaupt ge – rügt wird oder der „Obeleunuch“ (Obereunuch) Manfred Schwaiger unter Anspielung auf seine Glatze als „oben ohne“ sogar Angela Merkel in die Handlung einbezog – ein köstliches Schlitzohr!
Die „Nebenrollen“ waren weit mehr als ihre „Funktion“. Und so ging es in Einem fort. Handlungsstränge erfuhren in der musikalischen Deutung des Komponisten eine wesentliche Aufwertung: fast drei Stunden bester Unterhaltung mit vielen Ohrwürmern („Immer nur lächeln …“) in allen Gemütsfacetten. Selbst Klischees kamen interessant daher. Das chinesische Kolorit gelang bildhaft wie musikalisch vorzüglich. Die bestechend einfache wie logische Kulisse von Wänden mit drehbaren Türen (mit hochklappbaren Schlit – zen für die Wächter) in emotionaler Entsprechung beherbergte die bunte Welt Österreich-​Chinas in prächtiger Robe, unterschiedlichsten Kostümen und Requisiten. Die wechselvolle Liebe der Lisa zu Prinz Sou-​Chong war der Dreh– und Angelpunkt des Ganzen, garniert mit gekonnten Nebensträngen
Neben dem souveränen Orchester (wohl aus Kostengründen fehlende Instrumente auf dem Kawai-​Keyboard täuschend echt realisiert) agierte ein ebenso brillanter Chor, dessen solistische Stimmen denen einzelner Hauptakteure in nichts nachstand. Und damit sind wir beim „Wechselbad“ der Qualität: Claudia Guarin als Lisa entzückte ob ihrer fantastischen Stimmführung in allen Lagen; Sijia Lu war die zierliche Mi, die ganz bezaubernd, grazil, ihre Rolle füllte, Christian Bauer als Gustl ein toller Tenorbuffo, der um Klassen besser war als die Hauptfigur, Prinz Sou-​Chong (Abdul Candao). Selten erlebte man einen dramatisch-​lyrischen Tenor, der mit brachialer Gewalt die Höhe erzwang. Ständige Hochatmung bewirkte zudem Kurzatmigkeit, die Stimme nasal gedeckelt bei technisch falscher Resonanz – schade, zumal lyrische Details durchaus ebenso Qualität verrieten wie seine schauspielerische Kompetenz. Daniel Ferlin als Oheim Tschang füllte gekonnt die Würde seiner Funktion. Und die übrigen Nebenrollen ergänzten die Szenerie individuell nuanciert.
Bis auf den „zweischneidigen“ Gesang des Abdul Candao also eine Aufführung erster Güte, die mit reichlich Applaus – auch nach den meisten Nummern – und Bravorufen bedacht wurde. Man darf sich auf die Aufführung der Salzburger im nächsten Jahr freuen.
 

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