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» Kultur | Mittwoch, 25. Januar 2012

Zum 100. Geburtstag des Gmünder Künstlers Wilhelm Bauknecht

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Der Gmünder Künstler Wilhelm Bauknecht (19112003) hatte im vergangenen Jahr seinen 100. Geburtstag. Er blieb hierorts unbemerkt. Jetzt zeigt der Kulturring Winterbach eine Retrospektive.

AUSSTELLUNG (rw). Wilhelm Bauknecht ist vielen Gmündern als Schöpfer des Silbermännle in Erinnerung, das in seiner ersten Fassung 1938 entstand und zur Symbolfigur der Gmünder Fasnet geworden ist. Wilhelm Bauknecht war anderseits auch dreizehn Jahre lang Vorsitzender des Gmünder Kunstvereins und selbst zeitlebens ein produktiver Künstler.
Annegret Kabbani, die Tochter Wilhelm Bauknechts, und sein Neffe Reinhard Bauknecht fragten vor bald zwei Jahren beim Museum im Prediger und beim Kunstverein an, ob Interesse an einer Retrospektive anlässlich des 100. Geburtstages bestehe – beide winkten ab. Sie wird jetzt vom 26. Januar bis zum 5. Februar im Alten Rathaus von Winterbach gezeigt – eine Gelegenheit zur Wiederbegegnung mit einer stark vom Handwerklichen und Gegenständlichen geprägten Kunst, die ihre Wurzeln in der Expressivität der 20er-​Jahre nicht verleugnet.
Wilhelm Bauknecht, Vorsitzender des Gmünder Kunstvereins von 1969 bis 1982, vertrat ein traditionelles Kunstschaffen, wie es im Gmünder Kunstverein lange vorherrschte, und er gehörte auch zu jenen, die sich anno 1968 von Exponaten der damaligen Weihnachtsausstellung distanzierten, worauf es zum Eklat kam.
Aus diesem ging die Künstlercooperative hervor, die in den 70er-​Jahren die Schlagzeilen dominierte. In jenem Jahrzehnt suchte der Kunstverein nach einem anderen Selbstverständnis, tat sich aber, an Traditionen haftend, mit neuen Impulsen schwer. Erst in den 80er-​Jahren kehrten die verbliebenen Cooperative-​Mitglieder in den Kunstverein zurück.
Wilhelm Bauknecht war gelernter Silbergraveur. Obendrein Zeichner, Maler und Grafiker, „er selbst war viel zu bescheiden, sich als Künstler zu bezeichnen, er war einfach ein Schaffender in Sachen Kunst“, erinnert sich Reinhard Bauknecht, „seine Kunst gründete vor allem im Fertigen von Objekten aus Silber und deren Oberflächengestaltung. Wie kaum ein anderer beherrschte er die edle Handwerkskunst des Gravierens und Ziselierens und setzte diese auf seine ihm unvergleichliche und unverkennbare Art um. Unerschöpflich und variantenreich war sein Gestaltungsrepertoire. Wilhelm Bauknecht machte Kunst, die vom Können kommt. Hinter diesem Können verschmelzen sich Talent, Technik, Hingabe und Inspiration.“ Sein Talent sei ihm in die Wiege gelegt worden, es weiterzuentwickeln und zu verfeinern, sei ihm wohl der wichtigste Lebensinhalt gewesen.
Wilhelm Bauknecht besuchte von 1928 bis 1938 Studienkurse an der Höheren Fachschule für das Edelmetallgewerbe bei den Professoren Holl, Feuerle, Lochmüller, Schmidt, Kuttler und auch Fehrle. Seit 1951 bildete er an der Fachschule selbst angehende Graveure aus. Nachdem er 1976 als Fachschulrat in den Ruhestand ging, setzte er sich intensiver mit Malerei und Druckgrafik auseinander. 1989 verließ er Schwäbisch Gmünd und zog mit seiner Frau nach Wurmlingen. 2003 ist er in Tübingen verstorben. Bis ins hohe Alter war Wilhelm Bauknecht ein Schaffender, der eine zum Wiederentdecken reife, vielgestaltige Bilderwelt hinterlassen hat.

Die Wilhelm-​Bauknecht-​Retrospektive im Alten Rathaus in Winterbach, Marktplatz 2, wird eröffnet am Donnerstag, 26. Januar, 19.30 Uhr. Öffnungszeiten: Mi – Sa 1618 Uhr, So 1118 Uhr. Dauer bis 5. Februar.
 

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