Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Kultur | Donnerstag, 26. Januar 2012

Euroblue und Groove Connection in der Theaterwerkstatt

Galerie (1 Bild)

Da gibt es zwei etwas in die Jahre gekommene Jungs, den Pianisten, Anwalt und Ex-​Bürgermeister (!) Andreas Spätgens aus Schorndorf und den Percussionisten Andreas Pastorek aus Urbach, die sich eine musikalische Spielwiese gegönnt haben — und das spielerisch leicht.

JAZZ (brd). Sie machten dies, wie übrigens ihre amerikanischen Kollegen auch, indem sie sich jazzig launige Gedanken machten über Volkslieder, Schlager oder Choräle. Für den Zuhörer in der Theaterwerkstatt entstand daraus ein heiteres Liederraten, wobei anscheinend „Jesu geh voran“ nicht einmal von Pfarrern enträtselt worden sei.
Den weihnachtlichen Tannenbaum hat’s genauso erwischt wie Paul Gerhardts „Geh aus mein Herz“. Sie nennen sich „Euroblue“, ihr Repertoire stammt aus Irland, Frankreich, Spanien und aus der Region. Ob dieses „blue“ ein bisschen an das berühmte Plattenlabel blue note erinnern soll oder vielleicht an Miles Davis? Und wenn „Auf’m Wase graset d‘ Hase“ als Rap vertont wird, ist Blau wohl auch ein bisschen die Farbe der Treue zum heimatlichen Remstal.
Damit aber das Blau nicht zu sehr auf die Romantik lenkt, unterlegte der vielseitige Percussionist Pastorek meistens einen kastagnettenartigen, oft auch afrikanisch durchgehenden Rüttelrhythmus, sodass das Herz wie etwa bei „Geh aus mein Herz und suche Freud“ so richtig ins Hüpfen kam.
Andreas Spätgens brauchte zum Gehen zwar eine Glatteis bedingte Krücke, auf den Tasten jedoch flogen seine Finger mit absoluter Leichtigkeit, immer für ein musikalische Überraschung bereit.
Als Dritter auf der Spielwiese tummelte sich Bassist Bodo Ernst. Ein Basso Continuo, der aufpasste, dass die beiden auf ihren Spielgeräten nicht zu wild herumtobten. Und so schufen die Drei in diesem Doppelkonzert spielend eine absolut entspannte Atmosphäre für alle Besucher. Es waren nicht viele an diesem Abend. Es ist das bekannte Los vieler Jazzmusiker, ihr Bestes vor leeren Sitzen geben zu müssen.
Schade, da es ja auch im zweiten Teil die in Gmünd teilweise beheimatete Formation „Groove Connection traf, Frank Balint an der Trompete, Hartmut Ott am Schlagzeug, Jürgen Thomas Fälchle am Piano und Christoph Müller am Kontrabass. Ihre überwiegend eigenen Stücke unterschieden sich wohltuend von dem oft gehörten Schema aneinandergesetzter Soli, die dann artig beklatscht werden. Trotz prächtiger Soloparaden ging nie der Fluss des Ganzen verloren, auch wenn Ott sich noch so sehr in sein Schlagzeug hineinverkroch , um jeden einzelnen Ton wie bei einer Geburt ins Leben zu schicken. Fälchle verlor sich am Piano keineswegs in leere Sperenzchen, Müller entwickelte am Kontrabass äußerst einfühlsam das musikalische Rückgrat und Balint an der Trompete bestach mit seinem klaren, unverschnörkelten Ton. Schade nur, dass er so wenig zu seinen Stücken erzählte. Nur der kurze Hinweis auf sein Stück „Feuer“ reichte schon, um sich die Bilder ausmalen zu können, wie der Brand immer gewaltiger wurde und das Spiel immer feuriger. Da konnten die Funken auch das Publikum erreichen und anfeuern.
Beide Bands machten an diesem Abend ihrem Namen alle Ehre. Es „groovte“ und „blue-​te“.
 

Aktuelle Beiträge im Ressort Kultur


Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen