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» Kultur | Dienstag, 31. Januar 2012

Dieter Ilg in Gschwend: Große Gefühle in kleiner Besetzung

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Oben sieht man sie noch, die verschämt abgehängten Mehrzweckhallenringe, unten hält duftende Minestrone samt geräuchertem Forellenfilet tapfer dagegen. Draußen Schneegriesel um den Gefrierpunkt, drinnen große Oper, nämlich Shakespeares/​Verdis Eifersuchts– und Schurkendrama „Otello“ als „Kammerjazz“.

JAZZ (brd). Das ist Musikwinter in Gschwend. Wie immer nur das Beste. Nach den Bassisten Charlie Haden, Dave Holland oder Eberhard Weber war es der Offenburger Dieter Ilg mit seinem Trio, der im 60. Jazzkonzert seit 1987 Glanz aufs Land brachte.
Wer sich speziell für dieses Otello-​Projekt „Echo Jazzpreisträger 2011“ nennen darf, wer in allen renommierten Blättern als deutscher Weltklassebassist bezeichnet wird, braucht natürlich ein ebenbürtiges Team auf Augenhöhe. Mit dem baden-​württembergischen Jazzpreisträger von 2010 Rainer Böhm aus Mannheim und dem Percussionisten Patrice Heral aus Montpellier hat Ilg genau die richtigen Leute für sein Vorhaben gefunden.
War das nun ein bisschen Play Verdi, wie es Jacques Loussier mit J. S. Bach in den Sechzigern gemacht hat oder eher ein Crossover, wie es David Garrett zurzeit äußerst erfolgreich betreibt?
Ilg nennt es „Interpretation und Improvisation“ der lyrischen und dramatischen Anteile von Verdis Oper, er spricht sogar ganz salopp auch mal von einem Arien-​Medley. Wer seinen Verdi im Ohr mitgebracht hatte, für den war es ein intellektuelles und musikalisches Vergnügen an diesem Abend, manchmal fast zum Mitsingen liedhaft, manchmal nur noch die Gefühlslage der Handlung wiedergebend. Wer verdi-​mäßig keine Hausaufgaben gemacht hatte und einfach „ohne“ gekommen war, erlebte drei geniale Musiker in einer Bandbreite von zärtlich entrückt (Liebesduett Otello-​Desdemona) bis „Horror“, etwa bei Jagos Intrigantenspiel. Ilgs Bass-​Solo, Jago charakterisierend, wäre allein schon ein Besuch wert gewesen. Beim berühmten Bass-​Motiv Otellos im Schlussakt setzte Ilg –eine Hommage an sein Klassikstudium — das einzige Mal seinen Bogen ein, den er ansonsten, wie er erzählte, eher hinderlich und trennend empfinde.
Für den angekündigten Humor war eindeutig der Mann am Schlagzeug– und Kehlkopf– zuständig. Sein Jago erinnerte stark an Klaus Kinskis böseste Hasstiraden und irgendwie kamen im Schlussstück fast afro-​karibische Assoziationen a la Harry Belafonte auf. Eingespielte Computergeräusche taten das Ihrige. Und noch ein seltenes Hörerlebnis: Seine „Luftnummer“ mit den Besen, durchaus hör –und genießbar beim mäuschenstillen Publikum.
Stichwort Genuss: Ilg betätigt sich selbst neben der Musik auch als Gastrojournalist, kocht und isst als echter Badener gern und verkauft seine CD’s seines eigenen Labels „fullfat“ online in seinem Freiburger „Hofladen“. Da war er in Gschwend doch goldrichtig und das zahlreiche Genießerpublikum auch.
 

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