Aktion gegen Baumfällung in der Bocksgasse
Die fünf Bäume in der Bocksgasse sind weg, darunter die knapp 50-jährige Linde vor dem Prediger-Chor. Um sie alle ging es bei der gestrigen Protestaktion auch — aber dahinter steckte eine grundsätzliche Kritik.
SCHWÄBISCH GMÜND
(rw). Passanten und Besucher des Bauernmarktes machten sich gestern in der eisigen Kälte rar. Doch knapp
30 Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichen Alters harrten aus, hielten die roten X-Symbole hoch und begannen mit der Postkarten-Aktion, während Bernd Schlecker ins Megaphon sprach. Ein Kernsatz seiner kurzen Rede: „Wir haben genug von einem Politikstil, der mittlerweile in Berlin, in Stuttgart und jetzt auch in Schwäbisch Gmünd Einzug hält, nämlich ohne Legitimation vollendete Tatsachen zu schaffen, sich dann anschließend zu entschuldigen und zu bedauern, dass es eben nicht mehr zu ändern sei.“ Man wolle wissen, wer die Baumfällaktion angeordnet habe, „wir wollen die Hintergründe erfahren, was die Baumfällaktion mit der Aufführung der Staufersaga zu tun hat.“ Zum Schluss noch eine „persönliche Bemerkung“, in der Schlecker „im Namen von uns allen“ sich distanzierte von „diffamierenden und beleidigenden Äußerungen gegenüber verschiedenen Personen der Stadtverwaltung. Das ist nicht unser Stil.“
Danach entwickelte sich eine längere Diskussion mit Stadt-Sprecher Markus Herrmann, der zugehört hatte. Sie blieb im Wesentlichen sachlich, und wo Herrmann selbst („Sie schwätzen im Kreis herum“) oder die Verwaltung angegriffen wurde („in der Wirtschaft würde man den Verantwortlichen feuern“), hielt er dagegen und den Kopf hin. Im Fall der Baumfällaktion in der Bocksgasse sei „die Kommunikation schief gelaufen.“ Die Baumkommission hätte wie beim Stadtgarten und am Josefsbach eingebunden werden müssen. Für den Fehler habe OB Arnold die Verantwortung übernommen und sich vor seine Mitarbeiter gestellt. Soweit Personen betroffen seien, werde dies intern behandelt und Namen nicht genannt. Man solle bedenken, dass die Stadtverwaltung eine riesige Arbeit leiste, „so ein Stadtumbau-Projekt wird es auf Jahrzehnte nicht mehr geben, die Leute arbeiten bis zum Anschlag.“ Dabei sei ein „Automatismus entstanden, der durchgelaufen“ sei. Stadtrat Karl Miller (Grüne, Mitglied der Baumkommission) zeigte sich wenig überzeugt: „Diese Bäume waren in der Stadt so wichtig, die fällt kein Arbeiter ohne Anweisung. Und kein Amtsleiter weist dies ohne Rückendeckung an.“ Der Vorgang erinnere an anderes, was ohne Beschluss der Gremien gelaufen sei. Doch man hoffe, so Miller und Schlecker, dass jetzt die „Sensibilität für Bäume in der Stadt gewachsen ist.“ Ein solcher Fehler dürfe nicht mehr vorkommen, pflichtete Herrmann bei. Er erinnerte daran, dass die Stadt bis
2014 tausend neue Bäume pflanzen wolle.
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