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» Ostalbkreis | Donnerstag, 02. Februar 2012

Kandidatenvorstellung in Lorch: Bürgermeister Karl Bühler und sein Herausforderer Andreas May präsentierten sich

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Am 12. Februar wird in Lorch gewählt. Am Donnerstag Abend präsentierten sich der amtierende Bürgermeister Karl Bühler und sein Herausforderer Andreas May in der vollbesetzten Stadthallen. Es gab, wie üblich, Gelegenheit, den beiden auf den Zahn zu fühlen – doch davon wurde wenig Gebrauch gemacht.


LORCH (bt). Es gab wenige Anfragen, mehrfach wurde zudem privater Ärger öffentlich gemacht. Die Stadt Lorch habe bislang wenig in Sachen Energiewende unternommen, meinte ein Fragesteller; er habe zudem 18 Monate auf eine Antwort des Stadtbauamts warten müssen, als er sich in Sachen Kohlendioxid-​Einsparung an die Stadt gewandt habe. Andreas May meinte, er werde, so er denn gewählt würde, eine Anlaufstelle schaffen, um den Bürgern Ansprechpartner und schnelle Hilfe garantieren zu können. Er schlug vor, die für die Einführung der gesplitteten Abwasseregebühr entstandenen Luftbilder für eine Dachflächenerhebung zu nutzen, um so herauszufinden, wo Photovoltaik-​Anlagen sinnvoll wären. Mit Blick auf das Erneuerbare-​Energien-​Gesetz, EEG, erklärte er, es sei ärgerlich, dass in Lorch nichts passiere. Karl Bühler hingegen sprach von 209 bestehenden Photovoltaikanlagen, die ein Drittel der Lorcher Haushalten, nämlich 1630, mit elektrischer Energie versorgen könnten. Weit und breit gebe es keine Kommune mit dieser Bilanz. Für die Halle auf dem Schäfersfeld habe es eine Kostenobergrenze gegeben, weshalb man dort ohne Solaranlage habe bauen müssen, doch das neue Domizil der Feuerwehr werde entsprechend ausgestattet.
Der früherere Kommandant der FFW–Abteilung Waldhausen beklagte, er habe keinerlei Unterstützung durch die Stadt erfahren, als er seine Photovoltaikanlage gebaut habe. Zudem habe er in einer schwierigen Situation, in der er sich Bühlers Unterstützung gewünscht hätte, zwei Wochen auf einen Rückruf gewartet: „Es gibt keine Bürgernähe.“ Später fragte er, ob die Familie Bühler im Fall seiner Wiederwahl in Lorch wohnen werde. Bühler meinte, er könne in der Öffentlichkeit nicht auf die Gründe für den Rücktritt des Kommandanten und den Streit innerhalb der Feuerwehr eingehen. Und er werde nicht umziehen.
In der Lorcher Innenstadt werde viel zu schnell gefahren, beklagte einer und wünschte sich viel mehr Verkehrsberuhigung. Bürgermeister Bühler meinte, außer auf der Hauptstraße und dem Bereich südlich der Rems gebe es praktisch überall eine 30er Zone. Andreas May sprach über die EU–geförderte, „shared space“ genannte Gemeinschaftsstraße, für die er sich einsetzen würde: Es handelt sich um eine Straße ohne Verkehrszeichen, Signalanlagen und Fahrbahnmarkierungen in der alle Verkehrsteilnehmer, also auch die Fußgänger, vollständig gleichberechtigt werden. Die Entscheidung werde natürlich bei den Lorchern liegen, doch das Konzept bewähre sich.
Der nächste Fragestelle beklagte, dass das Lorcher Forum 58+ kein neutraler, unabhängiger Seniorenrat sei; viele Informationen fehlten zudem – was Bühler mit dem Verweis auf alle wichtigen Informationsbroschüren sowie „korrekte Seniorenberatung“ zurückwies. May sprach von Teilhabe und dachte auch einen Bürgerrat und einen Jugendgemeinderat an; alle müssten gehört werden. Auf der ebenfalls besetzten Empore wollte eine Lorcherin wissen, wo sich junge Leute aufhalten könnten, die daheim ihre Jugend nicht ausleben könnten und die nirgends willkommen seien. Bühler skizzierte die Lorcher Jugendarbeit, die der Stadt auch schon mal den Titel „kinderfreundlich Stadt“ eingetragen hat, und meinte, wie May, einem (reaktivierten) Bauwagen stehe nichts im Weg. Beide Kandidaten erklärten, Jugendliche unterstützen zu wollen, die sich um eine Ausbildungsstelle bemühten. May antwortete auf eine entsprechende Frage, er bewerbe sich in Lorch, weil er dort viele kenne, weil er „angestupst“ worden sei, und weil Wahl bedeute, tatsächlich die Wahl zu haben.
“Stolz, Bürgermeister einer so
tollen Gemeindschaft zu sein“
Den weitaus größten Teil des Abends bestimmten die Kandidaten selbst. Karl Bühler blickte zunächst zurück auf die vergangenen 16 Jahre in Lorch. Rief in Erinnerung, was für die Senioren getan wurde und was für die Kinder – so ist nun der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gesichert. Allen Einsparungen zum Trotz habe man die Ausgaben für die Familien nicht gekürzt, betreibe zudem über die Bauplatzvermarktung aktive Familienförderung (4000 Euro pro Kind). Vom neuen Wertstoffhof über den Hallenneubau und die Waldhäuser Projekte bis zur endlich fertiggestellten neuen B 297 nannte er die wichtigsten Projekte. Er erklärte, wie Lorch für ein hundertjähriges Hochwasser gerüstet werden konnte – er ist nicht nur Vorsitzender der Sozialstation Lorch, sondern auch Verbandsvorsitzender des Wasserverbands Rems –, und dass es trotz 183 Millionen investierter Euro gelungen sei, die Prokopfverschuldung nahezu zu halbieren. Er habe ein offenes Rathaus und die Bürgerfragestunde eingeführt. Beim Blick nach vorne nannte er unter anderem energetische Sanierungen, den Umbau („vielleicht auch den Neubau“) der Stadthalle, den mit der „kleinen“ Gartenschau Rems 2019 verbundenen Stadtumbau und ganz allgemein die Notwendigkeit, den Chancen und Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden. Er spreche derzeit mit Allgemeinmedizinern, so Bühler weiter, und könne versichern, dass es auch künftig in Lorch medizinische Versorgung geben werde. Nicht zuletzt die 55 000 fürs Regionenspiel gebastelten Windräder hätten ihn bewegt, so Bühler weiter: Er sei stolz, Bürgermeister einer so tollen Gemeinschaft zu sein. Seine Zuhörerinnen und Zuhörer verabschiedenen ihn mit anhaltendem Applaus von der Bühne.
Lorchs Möglichkeiten
besser nutzen
Andreas May ging auf seinen von der RZ bereits vorgestellten Lebenslauf ein. Er werde sich Lorch voll und ganz widmen — es gehe nicht an, Schlafstadt für den Raum Stuttgart zu werden. Im Falle seiner Wahl werde er seinen Lebensmittelpunkt nach Lorch verlegen. Jeder werde gehört, versprach er; er werde nicht nur in Lorch, sondern auch in den Teilorten regelmäßige Bürgerfragestunden einführen, sehe sich als Mediator, als Vermittler aller Fraktionen und der Bürger. In den Bereichen Fremdenverkehr und Ortsgestaltung habe Lorch viele Chancen nicht genutzt, so meinte May weiter. Er sprach sich für LED-​Lampen im öffentlichen Raum aus; wichtig sei ihm auch, Fördergelder für die energetische Sanierung öffentlicher und privater Gebäude abzurufen. Seit 2004 habe Lorch 450 Bürgerinnen und Bürger verloren, das dürfe nicht sein; es müsse viel mehr Anreize für junge Familien geben, und die Stadt solle auch für Senioren attraktiver werden. Es gelte unbedingt, eine „Verslummung“ der Innenstadt zu verhindern – weniger durch Neubauten, als vielmehr mit liebevoll renovierten denkmalgeschützten Häusern. Auch die Versorgung mit Ärzten sei ihm dringendes Anliegen, er denke zum Beispiel an ein Ärztehaus. Für Waldhausen konnte er sich nicht nur einen Arzt, sondern auch wieder eine Apotheke vorstellen, die ab 1500 Einwohnern wirtschaftlich betrieben werden könne. Grundsätzlich sei die Grundversorgung wichtig; ohne Läden sterbe die Innenstadt aus – in Lorch fehlten mittlerweile einige Angebote. Weiter sprach er über Möglichkeiten, den Löwenmarkt aufzuwerten und bekannter zu machen, über sein Verkehrskonzept, die Umgestaltung des Rathausplatzes und die Tourismusförderung: „Römer, Staufer und Kloster sind Pfunde, mit denen man wuchern muss.“ Für den Elisabethenberg konnte er sich ein Hotel oder ein Tagungszentrum vorstellen. Und abschließend meinte er: „Lieber ein guter Gestalter als ein schlechter Verwalter.“

Am Freitag, 3. Februar, wird es um 19 Uhr in der Remstalhalle in Waldhausen eine weitere Kandidatenvorstellung geben
 

Kommentare

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  1. Vortsellung der Kandidaten
    Guten Tag.

    Bei der Vorstellung haben beide Kandidaten kein all zu gutes Bild abgegeben.Beiden hat man die Verbundenheit zu Lorch nicht angemerkt.Bei Herrn May könnte man meinen, er hat aus Langeweile kandidiert.Bei Herrn Bühler ist eine gewisse Müdigkeit zu erkennen und die Aufgeschlossenheit für neue Dinge fehlt eindeutig.

    Schade, dass es keinen guten Kandidaten für die Stelle des Bürgermeisters dieser wunderbaren Stadt gibt!Einem dem man auch wirklich abkauft, seinen Job und Lorch zu lieben und wirklich was voran zu bringen...
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