Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Kultur | Samstag, 04. Februar 2012

Die Staufer-​Ausstellung im Gmünder Museum

Galerie (3 Bilder)

Sie ist der Kern Schwäbisch Gmünds: Seit die Stadt besteht, gibt es diese Kirche, und jedes Jahrhundert hat an ihr seine Spuren hinterlassen. Die Johanniskirche ist die wahre Heldin des Stadtjubiläums — das macht die Stauferausstellung im Museum deutlich.

Von Reinhard Wagenblast
AUSSTELLUNG. Was sich auf dem Johannisplatz abspielt, ist zwar ein gigantisches Historienspektakel, aber natürlich auf die Gegenwart zugeschnitten. Die tatsächlichen Relikte aus der Stauferzeit findet man hinter den Mauern des Predigers im Museum. „Wir wollen die Stadtgeschichte anschaulich machen“, sagt Dr. Monika Boosen, die kommissarische Museumsleiterin. Sie stellte gestern zusammen mit dem für die Prediger-​Galerie zuständigen Joachim Haller das Jahresprogramm der einschließlich der Ott-​Pauserschen Fabrik drei städtischen Ausstellungshäuser vor.
1162. Die Staufer und Schwäbisch Gmünd“, so der Titel der Schau, die vom 11. Mai bis zum 21. Oktober im Museum zu sehen ist, gibt einen Überblick über die Epoche und geht auf jene Staufer-​Herrscher ein, deren unmittelbarer Bezug zu Schwäbisch Gmünd nachgewiesen ist: König Konrad III., in dessen Regierungszeit die Erhebung Gmünds zur Stadt fiel, Heinrich VI., der Gmünd besuchte, und der letzte Staufer, Konradin, der sein letztes Weihnachtsfest auf deutschem Boden in der Johanniskirche feierte.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Datum 1162. Die Urkunde des Klosters Lorch, in welchem zum ersten Mal die Rede von Gmünder „Bürgern“ ist, wird im Faksimile gezeigt — das Original leiht das Hauptstaatsarchiv in Stuttgart nicht aus. Einige andere Urkunden aus der Stauferzeit kann man aber im Original betrachten. Imposante historische Zeugnisse erhellen die Baugeschichte: darunter die fein bearbeiteten Eckpfeiler vom Nordturm der Marienkirche, die Vorgänger des Münsters war. Ausgestellt ist natürlich auch die Pfeilermadonna.
Die Ausstellung, so Monika Boosen, stellt sie in einen Zusammenhang mit der Marienkirche. Gespannt sein darf man auch auf ein Baustellen-​Modell der Johanniskirche, auf Nachweise ihrer erstaunlichen Farbigkeit und auf die historischen Fotos aus der Sammlung des Museums, welche die Johanniskirche vor der Reromanisierung im 19. Jahrhundert zeigen. Kurz: Diese Ausstellung beschert selbst den historisch Bewanderten noch ein paar Aha-​Erlebnisse. Zu ihr erscheint ein Katalog, hinzu kommen weitere Veranstaltungen, u. a. mit PH-​Studenten, die auf die Rolle der Mathematik in der Stauferzeit und Staufer-​Architektur eingehen.
Im Herbst legt eine umfassende Werkschau den Fokus auf das malerische Schaffen eines Künstlers, der durch seine Illustrationen von Märchen– und Kinderbüchern sowie Werken der Weltliteratur berühmt wurde: Friedrich Hechelmann. 30 Bilder aus allen Schaffensphasen den 1947 in Isny geborenen Künstler als Meister des Lichts und Schöpfer visionärer Landschaften, darunter einer Serie von blauen Bildern. Hechelmann war Meisterschüler von Rudolf Hausner, dem prominenten Vertreter des Wiener Phantastischen Realismus.
Nicht zu vergessen noch die bis zum April laufende Ausstellung „Wege zur Abstraktion“. In ihr werden die drei regionalen Maler Hermann Pleuer — dessen 100. Todesjahr den Anlass für diese Schau bildete -, Peter Jakob Schober und Paul Mahringer — zum „Dreigestirn“ zusammengespannt, das die Gegenständlichkeit nicht aufgab, aber durchaus experimentierfreudig sich an deren malerischer Auflösung versuchte. Nicht nur eine sehr schön zusammengestellte Ausstellung, sondern auch eine, die den reichen Fundus des Gmünder Museums offenbart. Was um so willkommener ist, als der laufende Prediger-​Umbau für das Museum und dessen Dauerausstellung eine ziemlich gnadenlose Beschränkung seiner Möglichkeiten bedeutet.
Doch man macht tapfer weiter, auch in der Prediger-​Galerie. Diese beginnt ihr Ausstellungsjahr am 2. März . Bis zum 6. Mai steht das Werk von Erich Hauser (19302004) im Mittelpunkt. Der vielfach ausgezeichnete Künstler zählt zu den bedeutendsten Bildhauern Deutschlands. Unter dem Titel „Dimensionen im Raum“ zeigt die in Kooperation mit der Kunststiftung Erich Hauser in Rottweil entstandene Werkschau ausgewählte Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen.
Zu seinem 60. Geburtstag hat sich das Land Baden-​Württemberg ein ganz besonderes Geschenk gemacht: 60 Kunstwerke von 48 jungen baden-​württembergischen Künstlerinnen und Künstlern wurden zu diesem Anlass aus einem von Kunstwissenschaftlern jurierten Wettbewerb angekauft. Die Arbeiten sind vom 1. Juni bis 9. September — zusammen mit Arbeiten von Preisträgern des Großen Landespreises für Bildende Kunst, Karin Sander und Fritz Schwegler — in der Ausstellung „Baden-​Württemberg 60. 60 Jahre Land Baden-​Württemberg – 60 Kunstwerke für Baden-​Württemberg“ zu bewundern. Den Besucher erwartet eine vielseitige, anregende Ausstellung, in der alle Gattungen, Techniken und Stile vereint sind.
„Moving Types – Lettern in Bewegung“ heißt es vom 28. September bis 25. November. Buchstaben spielen die Hauptrolle – zur Information, im Film, als Beitrag zur Medienkultur. Das Zusammenführen von Text, Bild und Ton hat die Gestaltung und Vermittlung von Inhalten durch Schrift im 20. Jahrhundert vor neue Herausforderungen gestellt. Die Ausstellung reflektiert die moderne Medienentwicklung von „Schrift in Bewegung“ – von den Anfängen des bewegten Bildes bis in die heutige Zeit. Die Präsentation ist eine Kooperation des Zentrums Zeitbasierte Gestaltung (Fachhochschule Mainz, Institut für Mediengestaltung, und Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd (die RZ berichtete schon darüber) Mit dem Querschnitt, der Jahresausstellung des Gmünder Museumsvereins (14. Dezember bis 27. Januar) geht es dann schon ins Jahr 2013.
Im Silberwarenmuseum Ott-​Pausersche widmet sich vom 22. Juni bis 28. Oktober eine Kabinett-​Ausstellung erstmals einem ganz besonderes Kleinod, um das sich Legenden spinnen: dem Irenenring. In Bildern und Texten wird die spannende Geschichte eines emaillierten Goldrings aus dem 16. Jahrhundert erzählt, der bei seiner Auffindung im 19. Jahrhundert im Kloster Lorch der dort 1208 bestatteten Königin Irene zugewiesen wurde. Die Tatsache, dass vor dem mysteriösen Verschwinden des Originalringes Zeichnungen und Abdrücke gemacht wurden, ermöglicht es uns heute, das Aussehen des Ringes zu rekonstruieren, Form und Dekor zu deuten und seine Entstehungszeit anzugeben. Diese Ausstellung ersetzt die in der Jahresvorschau noch ausgewiesene Ausstellung „’Treu und bestendig’“. Ringe – ein Versprechen“, sie soll aber nachgeholt werden.
 

Aktuelle Beiträge im Ressort Kultur


Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen