Handwerkskammer setzt auf Gmünd
„Pressegespräch zur Bilanz der Bildungsakademien der Handwerkskammer“ hieß es auf der Einladung. Klang unspektakulär, war es aber nicht. Gestern gab Hauptgeschäftsführer Dr. Tobias Mehlich bekannt, dass Gmünd Standort einer Bildungsstätte der Handwerkskammer Ulm werden soll.
Von Manfred Laduch
SCHWÄBISCH GMÜND. Nicht ohne Grund fand das Gespräch in den Räumen der Technischen Akademie in der Lorcher Straße statt, wo Oberbürgermeister Richard Arnold als TA-Vorsitzender begrüßte und den Termin als schönes Zeichen der Verbundenheit zwischen der Stadt Gmünd und dem Handwerk bezeichnete.
Hauptgeschäftsführer Tobias Mehlich ging gleich in die Vollen: Die Handwerkskammer Ulm wolle langfristig zusätzlich zu ihren beiden multifunktionellen Ausbildungszentren in Ulm und Friedrichshafen Gmünd zum Standort einer Bildungsstätte machen – genauer gesagt die Technische Akademie.
Abzudecken sei ein klar erkennbares Defizit: Während Friedrichshafen Anlaufpunkt für Teilnehmer aus dem Süden des langgestreckten Kammergebiets sei, liege Ulm fast genau in der Mitte. Der Norden, also die Region Ostwürttemberg, sei bislang unterversorgt, die Teilnehmer von Bildungsmaßnahmen müssten weite Wege zurücklegen.
Warum Schwäbisch Gmünd? „Man geht dorthin, wo es Spaß macht und man willkommen ist“, antwortet Tobias Mehlich. In der Vergangenheit habe die Kammer immer wieder einzelne Angebote in der Technischen Akademie organisiert, sei dort auf großes Interesse gestoßen und habe sich sehr wohl gefühlt.
Mehlich nannte kurz die Kernbereiche der Bildungsarbeit, wie sie bei der Handwerkskammer derzeit in Ulm und/oder Friedrichshafen angeboten werden: Überbetriebliche Ausbildung, Meistervorbereitung, Fort– und Weiterbildung, Akademie für Gestaltung, Schweißtechnische Lehranstalt, Berufsorientierung, Bachelor of Arts in Business Administration. Der Großteil dieser Angebot erfordere einen hohen technischen Aufwand. Deshalb sei man auf einen Partner wie die Technische Akademie angewiesen.
Außerdem sei im Raum Schwäbisch Gmünd der Metallbau besonders stark, Da gelte es, etwas Pfiffiges anzubieten. Und wenn die Handwerkskammer Bildung mache, dann tue sie das mit Hand und Fuß. Das könne man zum Beispiel daran erkennen, dass im laufenden Jahr zwei Millionen Euro in die beiden Ausbildungszentren Ulm und Friedrichshafen investiert werden.
In Schwäbisch Gmünd sollen zunächst Lehrgänge in Elektrotechnik (Elektro-Fachkraft, Elektroanlagen-Brandschutz), Fort– und Weiterbildungsangebote (Metallkurse, Gebäudeenergieberater, Facility Management) sowie Unternehmensführungsseminare auf dem Programm stehen. Die ersten Lehrgänge beginnen Mitte April.
Oberbürgermeister Richard Arnold freute sich außerordentlich, dass Gmünd auf der Landkarte der Handwerkskammer an Bedeutung gewinne. Das erste Seminarprogramm sei ein kleiner, aber vielversprechender Anfang. Das Handwerk habe erkannt, dass es mehr Flagge zeigen müsse, um von den weniger werdenden Jugendlichen wahrgenommen zu werden. Arnold lud die Kammer zur Teilnahme an der nächsten Ausbildungsplatzmesse am
24. März ein.
Auf die Frage der Rems-Zeitung, welche Entwicklung er sich für den Kammer-Bildungsstandort Gmünd vorstellen könne, meinte Tobias Mehlich: „Unsere Angebote sind wegen der technischen Anforderungen sehr investitionsintensiv. Wir haben mit dem Überblick über unsere Kernbereiche gezeigt, was wir können, und worauf wir Lust haben. Man muss natürlich nicht alles überall machen. Vielmehr gilt es zu gucken, was die Region braucht. Wir können etwas ergänzen, das es bislang nicht gab.“
Oberbürgermeister Arnold ergänzte: „Einer unserer Ansatzpunkte ist die Elektromobilität. Um diesen Nukleus herum lässt sich vieles anlagern. Wir wollen hier so viele handwerkliche Fähigkeiten halten, wie möglich.“
Noch keine Kommentare vorhanden.