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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 04. April 2012

Organspende II: Nachdenkliches und Kritisches /​Intensive Aufklärung gefordert

Auch Brigitta Jäger nimmt Stellung zum Thema Organspende: „Die in meinen Augen zu einseitigen, in eine Richtung drängenden Artikel für die Organspende, drängen mich dazu“. Voraussetzung für eine gut überlegte Entscheidung, die voraussichtlich bald von den Krankenkassen gefordert werde, sei eine umfassende und ganzheitliche Aufklärung: „Auf welche Qualitäten muss ich unter Umständen verzichten, wenn ich mich für eine Organspende entscheide? Dies muss genau angeschaut werden dürfen.“

SCHWÄBISCH GMÜND (bt) Zu lesen sei oft nur von der Not der Menschen, die ein Organ benötigten und davon, dass es immer mehr Menschen gebe, die auf ein Organ warteten. Das sei freilich nur die eine Seite. „Was geschieht mit den Menschen und deren Familien und Freunden, die sich für eine Organspende entscheiden? Sind diese wirklich genug aufgeklärt worden? Oder werden Sie noch in ihrer großen Not überrumpelt und zur Organspende gedrängt? Gerade bei plötzlichem Tod durch Unfall, Hirnschlag etc. kann es besonders wichtig sein, dass die Familie die Möglichkeit hat, in Ruhe Abschied zu nehmen, wenn möglich mit einer Aufbahrung zu Hause in vertrauter Umgebung, wenn dies gewünscht wird“, führt Jäger aus. Immer wieder begegneten ihr Menschen, die gerne Organspender wären: „Da sie dann ja sowieso tot sind, möchten sie noch für einen anderen Menschen etwas Gutes tun. Aber wenn sie erfahren, dass Partner, Kinder und Freunde in der wirklichen Todesstunde nicht bei ihnen sein dürfen und können, sind sie meist überrascht. Dass sie ihren Angehörigen noch warm, mit funktionierenden Organen, nur eben hirntod, genommen werden müssen um Organe entnehmen zu können, ist ihnen nicht klar gewesen.“ Dass dann natürlich auch kein friedliches Sterben zu Hause mehr möglich sei, was die meisten Menschen sich wünschten, erschrecke sie und mache nachdenklich: „Oft ziehen sie ihre Bereitschaft zur Organspende dann zurück. Dies zeigt mir, dass wirklich zu einseitig informiert wird. Ist das vielleicht so gewollt?“
Seit ihrem 17. Lebensjahr ist Brigitta Jäger mit der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen vertraut, sogar in der Begleitung bis zu drei Tage über den Tod hinaus, wie dies früher üblich war. Ihr Bemühen ist es, den sterbenden Menschen mit seinen Angehörigen in Würde und zu begleiten: „Meine Erfahrungen in dieser Form der Begleitung haben mir gezeigt, wie wichtig es in diesen schweren und endgültigen Stunden des Abschiedes für die Familienangehörigen und Freunde ist, nicht alleine gelassen zu werden und aktiv handeln zu können. Dies nimmt die Ohnmacht und hilft in vertrauter Umgebung mit den Familieneigenen Ritualen und Bräuchen, gemeinsam mit Freunden langsam vom Verstorbenen Abschied zu nehmen.“ Bis zum Schluss sei darin so viel Qualität für alle Seiten enthalten. Ihr jüngster Sohn habe einmal gesagt: „Es ist gut zu wissen, dass wenn mir einmal etwas tödliches zustoßen sollte, ihr mich nach Hause holen und dort aufbahren und von mir Abschied nehmen werdet.“
Wenn einem das also wichtig sei, so sollte es dann für diesen Menschen auch so möglich sein. Wolle er jedoch im Sterben alleine sein, und sei es ihm wichtig, seine Organe für andere Menschen zu spenden, damit diese wieder mehr Qualität in ihrem Leben gewinnen könnten, so sollte auch diese Entscheidung ihre Gültigkeit haben dürfen.
Jeder sollte es nach reiflicher Überlegung frei entscheiden dürfen, ohne dafür verurteilt zu werden, egal wie er sich entscheidet. Jäger: „Ich bin dann kein Egoist, wenn ich eine andere Glaubensvorstellung für mich und über den Tod habe, wenn ich einer Organspende nicht zustimmen möchte. Und es sollte mir genauso unbelastet möglich sein, für eine Organspende zu stimmen. Es darf nur nicht soweit kommen, dass wir nur in eine Richtung gedrängt werden. Wer aber nicht umfassend aufgeklärt ist, erlebt hinterher vielleicht einen großen Schock, ein Trauma, dass ihn dann vielleicht sein Leben lang begleiten wird. Eben dieses gilt es jedoch zu vermeiden. Umfassende Aufklärung, sollte die größte Verantwortung gegenüber allen Menschen sein. Erst wenn wirklich umfassend aufgeklärt wurde, kann jeder wirklich frei und bewusst entscheiden und diese Entscheidung dann ohne großen Schaden zu nehmen auch tragen.“
Erst dann könnten auch die Menschen, die mit einem neuen Organ eine Chance erhielten, entspannt, vertrauensvoll und in großer Dankbarkeit dem Spender gegenüber dieses Organ in Empfang nehmen. Auch für diese sei diese psychisch entlastende Sicherheit eine Grundvoraussetzung für eine bessere Annahme des Organs und die Heilung. Der Appell Brigitta Jägers: „Seien Sie achtsam mit sich und mit anderen Menschen.“
 

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Organspende II: Nachdenkliches und Kritisches /​Intensive Aufklärung gefordert

Auch Brigitta Jäger nimmt Stellung zum Thema Organspende: „Die in meinen Augen zu einseitigen, in eine Richtung drängenden Artikel für die Organspende, drängen mich dazu“. Voraussetzung für eine gut überlegte Entscheidung, die voraussichtlich bald von den Krankenkassen gefordert werde, sei eine umfassende und ganzheitliche Aufklärung: „Auf welche Qualitäten muss ich unter Umständen verzichten, wenn ich mich für eine Organspende entscheide? Dies muss genau angeschaut werden dürfen.“

SCHWÄBISCH GMÜND (bt) Zu lesen sei oft nur von der Not der Menschen, die ein Organ benötigten und davon, dass es immer mehr Menschen gebe, die auf ein Organ warteten. Das sei freilich nur die eine Seite. „Was geschieht mit den Menschen und deren Familien und Freunden, die sich für eine Organspende entscheiden? Sind diese wirklich genug aufgeklärt worden? Oder werden Sie noch in ihrer großen Not überrumpelt und zur Organspende gedrängt? Gerade bei plötzlichem Tod durch Unfall, Hirnschlag etc. kann es besonders wichtig sein, dass die Familie die Möglichkeit hat, in Ruhe Abschied zu nehmen, wenn möglich mit einer Aufbahrung zu Hause in vertrauter Umgebung, wenn dies gewünscht wird“, führt Jäger aus. Immer wieder begegneten ihr Menschen, die gerne Organspender wären: „Da sie dann ja sowieso tot sind, möchten sie noch für einen anderen Menschen etwas Gutes tun. Aber wenn sie erfahren, dass Partner, Kinder und Freunde in der wirklichen Todesstunde nicht bei ihnen sein dürfen und können, sind sie meist überrascht. Dass sie ihren Angehörigen noch warm, mit funktionierenden Organen, nur eben hirntod, genommen werden müssen um Organe entnehmen zu können, ist ihnen nicht klar gewesen.“ Dass dann natürlich auch kein friedliches Sterben zu Hause mehr möglich sei, was die meisten Menschen sich wünschten, erschrecke sie und mache nachdenklich: „Oft ziehen sie ihre Bereitschaft zur Organspende dann zurück. Dies zeigt mir, dass wirklich zu einseitig informiert wird. Ist das vielleicht so gewollt?“
Seit ihrem 17. Lebensjahr ist Brigitta Jäger mit der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen vertraut, sogar in der Begleitung bis zu drei Tage über den Tod hinaus, wie dies früher üblich war. Ihr Bemühen ist es, den sterbenden Menschen mit seinen Angehörigen in Würde und zu begleiten: „Meine Erfahrungen in dieser Form der Begleitung haben mir gezeigt, wie wichtig es in diesen schweren und endgültigen Stunden des Abschiedes für die Familienangehörigen und Freunde ist, nicht alleine gelassen zu werden und aktiv handeln zu können. Dies nimmt die Ohnmacht und hilft in vertrauter Umgebung mit den Familieneigenen Ritualen und Bräuchen, gemeinsam mit Freunden langsam vom Verstorbenen Abschied zu nehmen.“ Bis zum Schluss sei darin so viel Qualität für alle Seiten enthalten. Ihr jüngster Sohn habe einmal gesagt: „Es ist gut zu wissen, dass wenn mir einmal etwas tödliches zustoßen sollte, ihr mich nach Hause holen und dort aufbahren und von mir Abschied nehmen werdet.“
Wenn einem das also wichtig sei, so sollte es dann für diesen Menschen auch so möglich sein. Wolle er jedoch im Sterben alleine sein, und sei es ihm wichtig, seine Organe für andere Menschen zu spenden, damit diese wieder mehr Qualität in ihrem Leben gewinnen könnten, so sollte auch diese Entscheidung ihre Gültigkeit haben dürfen.
Jeder sollte es nach reiflicher Überlegung frei entscheiden dürfen, ohne dafür verurteilt zu werden, egal wie er sich entscheidet. Jäger: „Ich bin dann kein Egoist, wenn ich eine andere Glaubensvorstellung für mich und über den Tod habe, wenn ich einer Organspende nicht zustimmen möchte. Und es sollte mir genauso unbelastet möglich sein, für eine Organspende zu stimmen. Es darf nur nicht soweit kommen, dass wir nur in eine Richtung gedrängt werden. Wer aber nicht umfassend aufgeklärt ist, erlebt hinterher vielleicht einen großen Schock, ein Trauma, dass ihn dann vielleicht sein Leben lang begleiten wird. Eben dieses gilt es jedoch zu vermeiden. Umfassende Aufklärung, sollte die größte Verantwortung gegenüber allen Menschen sein. Erst wenn wirklich umfassend aufgeklärt wurde, kann jeder wirklich frei und bewusst entscheiden und diese Entscheidung dann ohne großen Schaden zu nehmen auch tragen.“
Erst dann könnten auch die Menschen, die mit einem neuen Organ eine Chance erhielten, entspannt, vertrauensvoll und in großer Dankbarkeit dem Spender gegenüber dieses Organ in Empfang nehmen. Auch für diese sei diese psychisch entlastende Sicherheit eine Grundvoraussetzung für eine bessere Annahme des Organs und die Heilung. Der Appell Brigitta Jägers: „Seien Sie achtsam mit sich und mit anderen Menschen.“
 

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