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Lokalnachrichten

» Ostalbkreis | Mittwoch, 22. August 2012

Bindestrich im Kfz-​Kennzeichen nach wie vor nur ein Gerücht

Hunderte lassen derzeit im Ostalbkreis ihre Zulassungspapiere umschreiben. Das Gerücht, dass der Bindestrich auf dem Fahrzeugschein auch im Kfz-​Kennzeichen stehen müsste, sorgt im ganzen Land für Verwirrung.

Von Nicole Beuther
OSTALBKREIS. Es ist brütend heiß, auf der italienischen Landstraße ist weit und breit kein Mensch zu sehen und der Polizist, der 500 Euro verlangt, lässt partout nicht mit sich reden – eine Vorstellung, die einem 33-​jährigen Familienvater aus Schwäbisch Gmünd in den vergangenen Tagen die Schweißperlen ins Gesicht getrieben hat. Seit gestern fühlt er sich irgendwie erleichtert. Seinen Fahrzeugschein hat er nämlich umschreiben lassen – einer unbeschwerten Fahrt in den Urlaub mit der Frau und der viereinhalb Monate alten Tochter scheint nichts im Wege zu stehen.
Die Umschreibung wäre womöglich nicht nötig gewesen. Denn noch immer ist es ein bloßes Gerücht, das deutschlandweit die Runde macht und auch im Ostalbkreis für Verwirrung sorgt. Grund ist der fehlende Bindestrich in den EU–Kennzeichen. Glaubt man dem Gerücht, dann kann eben dieser fehlende Strich in Italien und Österreich richtig teuer werden, da auf dem Fahrzeugschein der Bindestrich zu sehen ist.
Früher trennte der Bindestrich die Stadtkennung vom Rest des Kennzeichens; seit 1994 kommen die EU–Kennzeichen ohne Bindestrich aus; in einigen Fahrzeugscheinen ist der Bindestrich aber immer noch abgedruckt. „Die Leute müssen sich deswegen keinen Kopf machen“, beruhigt Thomas Wagenblast, Leiter des Dezernats VII, Ordnung, Verkehr und Veterinärwesen im Landratsamt Ostalbkreis. Es gebe keinen belegbaren Fall. Wer belegbar einen Bußgeldfall nennen könne oder selbst betroffen sei, könne sich beim Landratsamt melden; „das interessiert uns“.
Eine Beanstandung durch ausländische Behörden würde, so ist beim ADAC zu erfahren, unberechtigterweise erfolgen; „die ordnungsgemäße Zulassung des Fahrzeugs steht auch im Falle der Eintragung eines auf dem Kennzeichen nicht vorhandenen Bindestrichs nicht infrage“.
Tipps, was man tun kann, wenn es in Italien oder Österreich zu einem derartigen Vorfall kommt, möchte Wagenblast deshalb erst gar nicht geben. Das sei völlig hypothetisch; „die Sache wurde aufgebauscht“.
Der ADAC empfiehlt, sich im Fall der Fälle direkt an die Juristische Zentrale des ADAC zu wenden (Telefon: 0 89/​76 76 24 23). Doch auch im Ostalbkreis wollen viele auf Nummer sicher gehen. Rund 100 telefonische Anfragen am Tag gehen bei Thomas Wagenblast und seinen Kollegen ein und in den vergangenen Tagen waren es hunderte von Fahrzeughaltern, die bei den Zulassungsstellen in Gmünd und Aalen eine entsprechende Änderung beantragt haben; allein am Montag haben in Gmünd 33 Bürger ihre Papiere umgetauscht; in Aalen waren es 24. Dass sie dafür 10,90 Euro zahlen müssen stört angesichts der Furcht, im Ausland 500 Euro zahlen zu müssen, keinen.
Thomas Wagenblast: „Wir haben selbst Kontakt zum ADAC in München und zum Deutschen Generalkonsulat in Mailand. Auch dort: Fehlanzeige, kein bekannter Fall.“ Auch mit Hinweistexten, die bei den Zulassungsstellen in Gmünd und Aalen ausliegen, versucht man die Gemüter zu beruhigen.
Zudem hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung das Auswärtige Amt gebeten, die EU und die EWR-​Staaten darüber zu unterrichten, dass das Kennzeichen in der Zulassungsbescheinigung mit oder ohne Trennungsstrich geschrieben sein kann. Beide Schreibweisen seien gleichberechtigt gültig.
Wie es überhaupt zu dem Gerücht kam, ist nicht gewiss. Laut ADAC, so Wagenblast, sei die Geschichte erstmals in einem Leserforum einer Oldtimerzeitung aufgetaucht. Doch: „Über die Gültigkeit der Papiere entscheidet nur das Ausstellerland – also die Bundesrepublik.“

 

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Bindestrich im Kfz-​Kennzeichen nach wie vor nur ein Gerücht

Hunderte lassen derzeit im Ostalbkreis ihre Zulassungspapiere umschreiben. Das Gerücht, dass der Bindestrich auf dem Fahrzeugschein auch im Kfz-​Kennzeichen stehen müsste, sorgt im ganzen Land für Verwirrung.

Von Nicole Beuther
OSTALBKREIS. Es ist brütend heiß, auf der italienischen Landstraße ist weit und breit kein Mensch zu sehen und der Polizist, der 500 Euro verlangt, lässt partout nicht mit sich reden – eine Vorstellung, die einem 33-​jährigen Familienvater aus Schwäbisch Gmünd in den vergangenen Tagen die Schweißperlen ins Gesicht getrieben hat. Seit gestern fühlt er sich irgendwie erleichtert. Seinen Fahrzeugschein hat er nämlich umschreiben lassen – einer unbeschwerten Fahrt in den Urlaub mit der Frau und der viereinhalb Monate alten Tochter scheint nichts im Wege zu stehen.
Die Umschreibung wäre womöglich nicht nötig gewesen. Denn noch immer ist es ein bloßes Gerücht, das deutschlandweit die Runde macht und auch im Ostalbkreis für Verwirrung sorgt. Grund ist der fehlende Bindestrich in den EU–Kennzeichen. Glaubt man dem Gerücht, dann kann eben dieser fehlende Strich in Italien und Österreich richtig teuer werden, da auf dem Fahrzeugschein der Bindestrich zu sehen ist.
Früher trennte der Bindestrich die Stadtkennung vom Rest des Kennzeichens; seit 1994 kommen die EU–Kennzeichen ohne Bindestrich aus; in einigen Fahrzeugscheinen ist der Bindestrich aber immer noch abgedruckt. „Die Leute müssen sich deswegen keinen Kopf machen“, beruhigt Thomas Wagenblast, Leiter des Dezernats VII, Ordnung, Verkehr und Veterinärwesen im Landratsamt Ostalbkreis. Es gebe keinen belegbaren Fall. Wer belegbar einen Bußgeldfall nennen könne oder selbst betroffen sei, könne sich beim Landratsamt melden; „das interessiert uns“.
Eine Beanstandung durch ausländische Behörden würde, so ist beim ADAC zu erfahren, unberechtigterweise erfolgen; „die ordnungsgemäße Zulassung des Fahrzeugs steht auch im Falle der Eintragung eines auf dem Kennzeichen nicht vorhandenen Bindestrichs nicht infrage“.
Tipps, was man tun kann, wenn es in Italien oder Österreich zu einem derartigen Vorfall kommt, möchte Wagenblast deshalb erst gar nicht geben. Das sei völlig hypothetisch; „die Sache wurde aufgebauscht“.
Der ADAC empfiehlt, sich im Fall der Fälle direkt an die Juristische Zentrale des ADAC zu wenden (Telefon: 0 89/​76 76 24 23). Doch auch im Ostalbkreis wollen viele auf Nummer sicher gehen. Rund 100 telefonische Anfragen am Tag gehen bei Thomas Wagenblast und seinen Kollegen ein und in den vergangenen Tagen waren es hunderte von Fahrzeughaltern, die bei den Zulassungsstellen in Gmünd und Aalen eine entsprechende Änderung beantragt haben; allein am Montag haben in Gmünd 33 Bürger ihre Papiere umgetauscht; in Aalen waren es 24. Dass sie dafür 10,90 Euro zahlen müssen stört angesichts der Furcht, im Ausland 500 Euro zahlen zu müssen, keinen.
Thomas Wagenblast: „Wir haben selbst Kontakt zum ADAC in München und zum Deutschen Generalkonsulat in Mailand. Auch dort: Fehlanzeige, kein bekannter Fall.“ Auch mit Hinweistexten, die bei den Zulassungsstellen in Gmünd und Aalen ausliegen, versucht man die Gemüter zu beruhigen.
Zudem hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung das Auswärtige Amt gebeten, die EU und die EWR-​Staaten darüber zu unterrichten, dass das Kennzeichen in der Zulassungsbescheinigung mit oder ohne Trennungsstrich geschrieben sein kann. Beide Schreibweisen seien gleichberechtigt gültig.
Wie es überhaupt zu dem Gerücht kam, ist nicht gewiss. Laut ADAC, so Wagenblast, sei die Geschichte erstmals in einem Leserforum einer Oldtimerzeitung aufgetaucht. Doch: „Über die Gültigkeit der Papiere entscheidet nur das Ausstellerland – also die Bundesrepublik.“

 

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