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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 30. Oktober 2013

Gestaltungwettbewerb „Erinnerung Synagoge Schwäbisch Gmünd“ vorgestellt

Galerie (1 Bild)

Drinnen, in der Gmünder Hauptstelle der Kreissparkasse, erinnert eine Gedenkplakette daran, dass dort einst eine Synagoge stand. Draußen sieht man nichts. Das soll sich im Rahmen des Gestaltungswettbewerbs „Erinnerung Synagoge Schwäbisch Gmünd“ ändern, der gestern Abend vorgestellt wurde.

SCHWÄBISCH GMÜND (ml). Sparkassendirektor Christof Morawitz begrüßte eine erfreulich große Zahl Interessierter. Die Kreissparkasse sei ein Spiegelbild der Gesellschaft und habe einen öffentlichen Auftrag für die Menschen in der Region. Dazu gehöre auch die Erinnerungskultur. Und auch wenn keine Beträge genannt würden: Ergebe der Wettbewerb einen guten Vorschlag, werde dessen Umsetzung an der Finanzierung nicht scheitern.
Baubürgermeister Julius Mihm bezeichnete den neuen Sparkassenplatz als die „offene Tür“ für diesen Wettbewerb und Chance, an die Synagoge zu erinnern. Er freue sich, dass mit dem Kunstexperten Dr. Tobias Wall ein Moderator für den Prozess gewonnen wurde, der über große Erfahrung mit solchen Projekten verfüge. „Wir brauchen ein Zeichen, das von sich aus spricht, kein Kunstwerk, das lange Erklärungen braucht“, forderte Mihm.
Prof. Dr. Ulrich Müller führte in die Geschichte der Juden in Gmünd ein. Schon im Mittelalter habe es hier eine große jüdische Gemeinde gegeben. Unter Kaiser Karl V. sei sie komplett aus der Stadt vertrieben worden. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich durch die Freizügigkeit in Württemberg wieder Juden in Gmünd an.
1887 sind jüdische Gottesdienste in einem Privathaus in der Rinderbachergasse verzeichnet. 1890 zählte die Gemeinde etwa 100 Köpfe. 1926 schaffte sie es, die insolvente Silberwarenfabrik neben der Kreissparkasse zu kaufen und zur Synagoge umzubauen. Doch schon ein Jahr nach der nationalsozialistischen Machtergreifung kam es zur ersten Schändung des Gotteshauses. Die Täter waren bekannt, aber die Polizei weigerte sich, von der jüdischen Gemeinde eine Anzeige entgegenzunehmen.
Daraufhin wurde im Dach eine Wohnung für das christliche Hausmeister-​Ehepaar Drexel.eingebaut. Dieses wiederum habe verhindert, dass die Synagoge in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wie so viele andere niedergebrannt wurde.
Doch die Gemeinde zählte nur noch 34 Köpfe und verkaufte die Synagoge für 22 000 Reichsmark an die Kreissparkasse. Die baute Büros ein, doch das Gotteshaus kam noch einmal zu ehren, als ab 1945 dort jüdische US-​Soldaten Gottesdienste feierten. Später wurde das Haus an die Kreissparkasse zurückgegeben und 1954 abgerissen.
Inge Eberle sprach über den Arbeitskreis Erinnerungskultur. 17 Stolpersteine seien in Gmünd für frühere jüdische Mitbürger verlegt worden. Man habe auch Nachfahren ausfindig gemacht.
Tobias Wall stellte den Wettbewerb vor. Auslober sei die Kreissparkasse, die Ausschreibung erfolge offen, werde aber auf die Region beschränkt. Man hoffe besonders auf eine Auseinandersetzung junger Gestalter mit dem Thema, weshalb auch die Hochschule für Gestaltung eingeladen sei, teilzunehmen. Diese werde in keiner Weise bevorzugt, widersprach Wall der Befürchtung eines Designers.
Ausgeschrieben werde im Januar, bis 12. Mai müssten Ideen eingereicht sein. Anfang Juli treffe die noch zu benennende Jury etwa ein Dutzend Teilnehmer, die zu genaueren Entwürfen ihrer Vorschläge aufgefordert werden. Die Entscheidung solle im Juli fallen, die Umsetzung sei für Frühjahr/​Sommer 2015 geplant.
Das Plädoyer von Prof. Dr. Manfred Köhnlein, ein jüdisches Mitglied in die Jury zu berufen, werde bereits verfolgt, erklärte Tobias Wall.
 

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Drinnen, in der Gmünder Hauptstelle der Kreissparkasse, erinnert eine Gedenkplakette daran, dass dort einst eine Synagoge stand. Draußen sieht man nichts. Das soll sich im Rahmen des Gestaltungswettbewerbs „Erinnerung Synagoge Schwäbisch Gmünd“ ändern, der gestern Abend vorgestellt wurde.

SCHWÄBISCH GMÜND (ml). Sparkassendirektor Christof Morawitz begrüßte eine erfreulich große Zahl Interessierter. Die Kreissparkasse sei ein Spiegelbild der Gesellschaft und habe einen öffentlichen Auftrag für die Menschen in der Region. Dazu gehöre auch die Erinnerungskultur. Und auch wenn keine Beträge genannt würden: Ergebe der Wettbewerb einen guten Vorschlag, werde dessen Umsetzung an der Finanzierung nicht scheitern.
Baubürgermeister Julius Mihm bezeichnete den neuen Sparkassenplatz als die „offene Tür“ für diesen Wettbewerb und Chance, an die Synagoge zu erinnern. Er freue sich, dass mit dem Kunstexperten Dr. Tobias Wall ein Moderator für den Prozess gewonnen wurde, der über große Erfahrung mit solchen Projekten verfüge. „Wir brauchen ein Zeichen, das von sich aus spricht, kein Kunstwerk, das lange Erklärungen braucht“, forderte Mihm.
Prof. Dr. Ulrich Müller führte in die Geschichte der Juden in Gmünd ein. Schon im Mittelalter habe es hier eine große jüdische Gemeinde gegeben. Unter Kaiser Karl V. sei sie komplett aus der Stadt vertrieben worden. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich durch die Freizügigkeit in Württemberg wieder Juden in Gmünd an.
1887 sind jüdische Gottesdienste in einem Privathaus in der Rinderbachergasse verzeichnet. 1890 zählte die Gemeinde etwa 100 Köpfe. 1926 schaffte sie es, die insolvente Silberwarenfabrik neben der Kreissparkasse zu kaufen und zur Synagoge umzubauen. Doch schon ein Jahr nach der nationalsozialistischen Machtergreifung kam es zur ersten Schändung des Gotteshauses. Die Täter waren bekannt, aber die Polizei weigerte sich, von der jüdischen Gemeinde eine Anzeige entgegenzunehmen.
Daraufhin wurde im Dach eine Wohnung für das christliche Hausmeister-​Ehepaar Drexel.eingebaut. Dieses wiederum habe verhindert, dass die Synagoge in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wie so viele andere niedergebrannt wurde.
Doch die Gemeinde zählte nur noch 34 Köpfe und verkaufte die Synagoge für 22 000 Reichsmark an die Kreissparkasse. Die baute Büros ein, doch das Gotteshaus kam noch einmal zu ehren, als ab 1945 dort jüdische US-​Soldaten Gottesdienste feierten. Später wurde das Haus an die Kreissparkasse zurückgegeben und 1954 abgerissen.
Inge Eberle sprach über den Arbeitskreis Erinnerungskultur. 17 Stolpersteine seien in Gmünd für frühere jüdische Mitbürger verlegt worden. Man habe auch Nachfahren ausfindig gemacht.
Tobias Wall stellte den Wettbewerb vor. Auslober sei die Kreissparkasse, die Ausschreibung erfolge offen, werde aber auf die Region beschränkt. Man hoffe besonders auf eine Auseinandersetzung junger Gestalter mit dem Thema, weshalb auch die Hochschule für Gestaltung eingeladen sei, teilzunehmen. Diese werde in keiner Weise bevorzugt, widersprach Wall der Befürchtung eines Designers.
Ausgeschrieben werde im Januar, bis 12. Mai müssten Ideen eingereicht sein. Anfang Juli treffe die noch zu benennende Jury etwa ein Dutzend Teilnehmer, die zu genaueren Entwürfen ihrer Vorschläge aufgefordert werden. Die Entscheidung solle im Juli fallen, die Umsetzung sei für Frühjahr/​Sommer 2015 geplant.
Das Plädoyer von Prof. Dr. Manfred Köhnlein, ein jüdisches Mitglied in die Jury zu berufen, werde bereits verfolgt, erklärte Tobias Wall.
 

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