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» Ostalb | Montag, 08. April 2013

Spraitbacher Dr. Peter Löffelad ist alten Flurnamen auf der Spur

Galerie (2 Bilder)

Warum heißt ein Gewann „Melkende Kuh“? Bei der Antwort auf diese Frage konnte Dr. Peter Löffelad nachweisen, dass die Deutung im Volksmund nicht der Wahrheit entspricht. In seinem Haus im „Ochsenbusch“ in Spraitbach erforscht er alte Flurnamen.

Von Gerold Bauer
SPRAITBACH. „Es ist fünf vor zwölf“ schrieb der promovierte Historiker und Germanist in einem Aufruf an die Städte und Gemeinden in Baden-​Württemberg im Hinblick auf die Deutung der alten Flurnamen. Denn es gebe immer weniger alteingesessene Landwirte, die noch die originale Mundart sprechen und die alte Flurnamen und deren Bedeutung noch aus ihren Kindertagen kennen. So bemüht sich Löffelad, diese letzten Sprachzeugen zu finden und deren Wissen mit Hilfe von Tonaufzeichnungen für die Nachwelt zu erhalten. Über 120 Gemarkungen hat der gebürtige Ellwanger schon „beackert“, doch es gibt einige Hundert Kommunen, in denen noch nie die Flurnamen gesammelt, dokumentiert und analysiert wurden.
Im Gespräch mit der Rems-​Zeitung räumte Dr. Löffelad ein, dass mancher moderne Mensch vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennt, warum dieser Bereich der Forschung sehr sinnvoll ist. „Die Flurnamen geben aber, wenn man sie richtig interpretiert, sehr oft wertvolle Hinweise auf die Alltags– und Siedlungsgeschichte der Menschen“. Auch Erkenntnisse, wie sich in einer Raumschaft die Sprache entwickelt und mit der Zeit verändert hat, spielt im Rahmen dieser Studien eine große Rolle. Die Wissenschaft habe seit geraumer Zeit erkannt, dass gerade Erkenntnisse „im Kleinen“ am Ende wichtige Mosaiksteine für die Geschichte im überörtlichen Zusammenhang nicht nur hilfreich, sondern oft sogar unabdingbar sind. Im Falle der eingangs angesprochenen „Melkenden Kuh“ dachte man seit Jahrhunderten, dieser Name sei im 30-​jährigen Krieg entstanden, weil Dorfbewohner dort die letzte Kuh im Wald versteckten, um ihre Kinder ernähren zu können. In Wahrheit gab es den Begriff nachweislich aber schon vorher. Er stammt von mehreren Bächen, die wie ein Kuh-​Euter beieinander liegen.
Das Rüstzeug hat sich der seit einigen Monaten in der Spraitbacher Feriensiedlung „Ochsenbusch“ wohnende Wissenschaftler beim Studium in Tübingen erworben. Nach einigen Semestern Geologie-​Studium (sehr hilfreich bei der Beschäftigung mit Flurnamen, die sich ja häufig auch von den Gesteinsformationen ableiten) hat er sich den Fächern Geschichte und Germanistik zugewandt. Im Rahmen eines Seminar bei Dr. Arno Ruoff im Institut für empirische Kulturwissenschaft sprang bei ihm die Begeisterung für die Erforschung des Zusammenhangs von Sprache, Leben und Kultur sowie für die Beschäftigung mit der Mundart über. Ein Forschungsauftrag in Kooperation mit der Universität Ulm befasste sich mit den Auswirkungen der Sprache in der Psychotherapie und bildete die Grundlage für seine Magisterarbeit. Darin ging Löffelad der Frage nach, wie sich die Nutzung der Sprache bei Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft sowie unterschiedlichen Alters und Geschlechts unterscheidet. Für seine anschließende Doktor-​Arbeit bekam er aufgrund der vielversprechenden Ansätze sogar ein Stipendium und später einen Auftrag der Stadt Ulm, dort die Flurnamen zu dokumentieren und zu interpretieren.
1994, als Dr. Löffelads Forschungsauftrag auslief, stand er vor der Frage „arbeitslos oder selbstständig?“ Allzu lange überlegen musste der Forscher nicht, denn im Grunde hatte er schon immer mit einer freiberuflichen Tätigkeit geliebäugelt. So gründete er sein „Institut für Sprachforschung“ und brachte als erste Publikation 1997 das Flurnamenbuch seiner Heimatstadt Ellwangen heraus, dass unter anderem von Künstlerpfarrer Sieger Köder illustriert wurde. „Es war stets mein Anspruch, wissenschaftlich korrekte Forschung so zu publizieren, dass sich das Ganze unterhaltsam lesen lässt“, betont der mehrfache Familienvater und Großvater.
Alle Kinder des 53– jährigen sind bereits aus dem Haus und seine Gattin ist – ebenfalls freiberuflich – sehr viel unterwegs. So entstand der Wunsch, in ein kleineres Haus zu ziehen und etwas näher bei Stuttgart zu wohnen. Durch eine Immobilien-​Anzeige in der Rems-​Zeitung wurde das Ehepaar auf ein freies Häuschen im „Ochsenbusch“ aufmerksam. „Ideal, um in Ruhe zu arbeiten“, sagt Dr. Löffelad – der übrigens in direkter Nachbarschaft mit der bekannten Ikonenschreiberin Eva Wulff lebt.
 

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