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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 17. Juli 2013

Förderbescheid aus Stuttgart: Knapp fünf Millionen Euro für die Gmünder Wissenswerkstatt „Eule“

Galerie (10 Bilder)

So vieles in der Schwebe. Tausend Bälle gleichzeitig in der Luft, so scheint es dieser Tage in Gmünd: „Einer ist sicher aufgefangen“, freute sich Bürgermeister Bläse, als er er endlich den Förderbescheid über 4,816 Millionen Euro für die „Eule“ in den Händen hielt. Grund genug, sich den Vogel genauer anzusehen.


SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Nicht nur die eigentliche Finanzierung des Sechsmillionenprojekts ist gesichert: Auch Michael Nanz, Geschäftsführer der Technischen Akademie für Berufliche Bildung in Gmünd, die das Ganze übernimmt, atmet auf und räumt „einige schlaflose Nächte“ ein. Mittlerweile hat er so viele Partner gewonnen, dass dieser Eule langfristig ein Zuhause hier sicher ist – in finanzieller Hinsicht, aber auch im Bemühen, das Wissen und die Erfahrung der Region zu bündeln und Ideen und Menschen aus Wirtschaft, Schule und Wissenschaft miteinander zu vernetzen. Neben ZFLS sind unter anderem TRW, voestalpine, Fein, Ricardo, Prototechnik, MPK, Umicore, Schleich, PTS, GfO, Aerocom, Kistler und MHG dabei; andere zeigen Interesse.
Die Wissenswerkstatt im und am alten Güterbahnhof wird ein Herzstück der Landesgartenschau direkt an deren Eingangsbereich. Wichtiger noch, so zeichnet sich bereits jetzt ab: Langfristig werden Maßstäbe gesetzt. Jede Schülerin, jeder Schüler kann hier künftig technische und naturwissenschaftliche Themen so erleben, wie es heute noch kaum vorstellbar ist. Deshalb geben die EU und das Land Baden-​Württemberg ja auch so viel Geld aus: Es geht um den Wirtschaftsstandort, drum, Nachwuchskräfte zu gewinnen, sowohl auf der handwerklichen als auch auf der akademischen Ebene. Für Achtjährige wird es ebenso Angebote geben wie für 18-​Jährige; vor allem werden auch diejenigen nach Kräften begeistert, denen allzu oft niemand sonst gezielt Freude an Technik vermittelt – Mädchen etwa oder junge Leute mit Migrationshintergrund. Für einige Große im Bereich der angewandten Forschung ist Selbstverständlichkeit, dabei zu sein. Das Fraunhofer Institut etwa plant ein regionales und höchst faszinierendes Robotik-​Zentrum, unter anderem um Multiplikatoren zu schulen. Die jungen Forscherinnen und Forscher sollen selbst experimentieren, und forschen – eben ausprobieren und neugierig werden. Michael Nanz und Projektkoordinator Kurt Schaal, der gestern weitere Ideen fürs „grüne Klassenzimmer“ sammelte, sind sicher, die Faszination Technik vermitteln zu können – über humanoide Roboter etwa, oder den 3D-​Drucker, der für Nanz nach Dampf und Maschine eine dritte industrielle Revolution repräsentiert; der Salzstreuer in seiner Hand, der sich auf– und zuschrauben lässt, kommt aus diesem Drucker.
Noch ist das alles Zukunftsmusik. Fertig komponiert zwar, zur Uraufführung fehlen freilich noch die Räume. Naher Straßenbau, Unterführungsbau, drei Projektschritte gleichzeitig – am Bahnhof ist derzeit ziemlich viel schweres Gerät im Einsatz. Dafür läuft alles ganz hervorragend. Frieder Wahl vom Büro wps-​architekten und Julian Hildenbrand vom Münchner Büro Henn meinten gestern mit Blick auf die Firmen Irdenkauf und Rieg Holzbau, mit solchen Partnern zu arbeiten sei ein Vergnügen – da gibt es wohl ganz andere Konstellationen.
Bauprojekt in
mehreren Abschnitten
Die „Eule“ entsteht im über hundert Jahre alten Klinkerbau, der einst die Postverwaltung beherbergt hat – die schönen, hohen Räume, so zeigte sich gestern, eigenen sich hervorragend etwa für Gruppenarbeit. Der eigentliche Neubau sorgt dafür, dass gleich in mehrerer Hinsicht von Leuchtturm-​Projekt gesprochen werden kann. Die Stahlcontainer des Architektenentwurfs sind auf dem Weg zur genehmigungsfähigen Planung zu Holzrahmen mutiert; nichtsdestotrotz sind sie aufsehenerregend in ihrer Anlehnung an den Mythos Garagengründung. Und all das Holz im 14 Meter hohen „Turm“ fügt sich mit dem ihm inne wohnenden Themenfeld erneuerbare Energien sogar noch besser ein in diese Landesgartenschauachse zwischen Naturatum und dem Schulungszentrum Elektromobilität.
Die bestehende ebenfalls rund hundert Jahre alte Holzhalle mit ihrem ganz eigenen Charme bleibt, erhält ein Teeküchen– und Toilettenmodul und wird ansonsten für Ausstellungen, Firmenpräsentationen und Vorträge vorgehalten. Mit zum Ensemble gehören der Technikbaum der Landesgartenschau, der später ebenfalls von der Eule genutzt werden wird,
Die Fertigstellung spätestens bis zur Eröffnung der Landesgartenschau scheint in trockenen Tüchern; auch wenn, so klang an, das Hochwasser im Osten den Fensterbauer kurzfristig in Schwierigkeiten gebracht hat. Grundsätzlich gelten für den Zeitraum der Landesgartenschau Sonderregelungen mit eigenen Programmen und Veranstaltungen – immerhin rundet die Wissenswerkstatt den „Jugendpark“ am Bahnhof mit seinen Sport– und Unterhaltungsangeboten ab –, allein im regulären Betrieb aber werden in diesen Monaten bereits rund 2000 junge Leute zu Gast im Eule-​Komplex erwartet. Dass das in sie und all die anderen Kinder und Jugendlichen im Gmünder Raum, in der Region investierte Geld gut angelegt ist, haben sich einige der größten Unternehmen der Stadt zum Ziel gesetzt.

Zu den Bildern:

Julian Hildenbrand, Frieder Wahl, TA-​Geschäftsführer Michael Nanz, Bürgermeister Bläse, Klaus Arnholdt, Leiter des Amts für Bildung und Sport, und Hermann Ocker vom Hochbauamt.

Die Königliche Postverwaltung ließ vor über hundert Jahren nicht nur das Hauptpostamt, sondern auch eine Postverwaltung bauen, die nun der „Eule“ ungeahnte Möglichkeiten bietet.

Echte „Eulen“ frisch aus dem 3D-​Drucker

Direkt an Bahnhof und Bundesstraße entsteht ein mehrgliedriges Modell– und Leuchtturmprojekt, Wissenswerkstatt der Zukunft.



 

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Förderbescheid aus Stuttgart: Knapp fünf Millionen Euro für die Gmünder Wissenswerkstatt „Eule“

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So vieles in der Schwebe. Tausend Bälle gleichzeitig in der Luft, so scheint es dieser Tage in Gmünd: „Einer ist sicher aufgefangen“, freute sich Bürgermeister Bläse, als er er endlich den Förderbescheid über 4,816 Millionen Euro für die „Eule“ in den Händen hielt. Grund genug, sich den Vogel genauer anzusehen.


SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Nicht nur die eigentliche Finanzierung des Sechsmillionenprojekts ist gesichert: Auch Michael Nanz, Geschäftsführer der Technischen Akademie für Berufliche Bildung in Gmünd, die das Ganze übernimmt, atmet auf und räumt „einige schlaflose Nächte“ ein. Mittlerweile hat er so viele Partner gewonnen, dass dieser Eule langfristig ein Zuhause hier sicher ist – in finanzieller Hinsicht, aber auch im Bemühen, das Wissen und die Erfahrung der Region zu bündeln und Ideen und Menschen aus Wirtschaft, Schule und Wissenschaft miteinander zu vernetzen. Neben ZFLS sind unter anderem TRW, voestalpine, Fein, Ricardo, Prototechnik, MPK, Umicore, Schleich, PTS, GfO, Aerocom, Kistler und MHG dabei; andere zeigen Interesse.
Die Wissenswerkstatt im und am alten Güterbahnhof wird ein Herzstück der Landesgartenschau direkt an deren Eingangsbereich. Wichtiger noch, so zeichnet sich bereits jetzt ab: Langfristig werden Maßstäbe gesetzt. Jede Schülerin, jeder Schüler kann hier künftig technische und naturwissenschaftliche Themen so erleben, wie es heute noch kaum vorstellbar ist. Deshalb geben die EU und das Land Baden-​Württemberg ja auch so viel Geld aus: Es geht um den Wirtschaftsstandort, drum, Nachwuchskräfte zu gewinnen, sowohl auf der handwerklichen als auch auf der akademischen Ebene. Für Achtjährige wird es ebenso Angebote geben wie für 18-​Jährige; vor allem werden auch diejenigen nach Kräften begeistert, denen allzu oft niemand sonst gezielt Freude an Technik vermittelt – Mädchen etwa oder junge Leute mit Migrationshintergrund. Für einige Große im Bereich der angewandten Forschung ist Selbstverständlichkeit, dabei zu sein. Das Fraunhofer Institut etwa plant ein regionales und höchst faszinierendes Robotik-​Zentrum, unter anderem um Multiplikatoren zu schulen. Die jungen Forscherinnen und Forscher sollen selbst experimentieren, und forschen – eben ausprobieren und neugierig werden. Michael Nanz und Projektkoordinator Kurt Schaal, der gestern weitere Ideen fürs „grüne Klassenzimmer“ sammelte, sind sicher, die Faszination Technik vermitteln zu können – über humanoide Roboter etwa, oder den 3D-​Drucker, der für Nanz nach Dampf und Maschine eine dritte industrielle Revolution repräsentiert; der Salzstreuer in seiner Hand, der sich auf– und zuschrauben lässt, kommt aus diesem Drucker.
Noch ist das alles Zukunftsmusik. Fertig komponiert zwar, zur Uraufführung fehlen freilich noch die Räume. Naher Straßenbau, Unterführungsbau, drei Projektschritte gleichzeitig – am Bahnhof ist derzeit ziemlich viel schweres Gerät im Einsatz. Dafür läuft alles ganz hervorragend. Frieder Wahl vom Büro wps-​architekten und Julian Hildenbrand vom Münchner Büro Henn meinten gestern mit Blick auf die Firmen Irdenkauf und Rieg Holzbau, mit solchen Partnern zu arbeiten sei ein Vergnügen – da gibt es wohl ganz andere Konstellationen.
Bauprojekt in
mehreren Abschnitten
Die „Eule“ entsteht im über hundert Jahre alten Klinkerbau, der einst die Postverwaltung beherbergt hat – die schönen, hohen Räume, so zeigte sich gestern, eigenen sich hervorragend etwa für Gruppenarbeit. Der eigentliche Neubau sorgt dafür, dass gleich in mehrerer Hinsicht von Leuchtturm-​Projekt gesprochen werden kann. Die Stahlcontainer des Architektenentwurfs sind auf dem Weg zur genehmigungsfähigen Planung zu Holzrahmen mutiert; nichtsdestotrotz sind sie aufsehenerregend in ihrer Anlehnung an den Mythos Garagengründung. Und all das Holz im 14 Meter hohen „Turm“ fügt sich mit dem ihm inne wohnenden Themenfeld erneuerbare Energien sogar noch besser ein in diese Landesgartenschauachse zwischen Naturatum und dem Schulungszentrum Elektromobilität.
Die bestehende ebenfalls rund hundert Jahre alte Holzhalle mit ihrem ganz eigenen Charme bleibt, erhält ein Teeküchen– und Toilettenmodul und wird ansonsten für Ausstellungen, Firmenpräsentationen und Vorträge vorgehalten. Mit zum Ensemble gehören der Technikbaum der Landesgartenschau, der später ebenfalls von der Eule genutzt werden wird,
Die Fertigstellung spätestens bis zur Eröffnung der Landesgartenschau scheint in trockenen Tüchern; auch wenn, so klang an, das Hochwasser im Osten den Fensterbauer kurzfristig in Schwierigkeiten gebracht hat. Grundsätzlich gelten für den Zeitraum der Landesgartenschau Sonderregelungen mit eigenen Programmen und Veranstaltungen – immerhin rundet die Wissenswerkstatt den „Jugendpark“ am Bahnhof mit seinen Sport– und Unterhaltungsangeboten ab –, allein im regulären Betrieb aber werden in diesen Monaten bereits rund 2000 junge Leute zu Gast im Eule-​Komplex erwartet. Dass das in sie und all die anderen Kinder und Jugendlichen im Gmünder Raum, in der Region investierte Geld gut angelegt ist, haben sich einige der größten Unternehmen der Stadt zum Ziel gesetzt.

Zu den Bildern:

Julian Hildenbrand, Frieder Wahl, TA-​Geschäftsführer Michael Nanz, Bürgermeister Bläse, Klaus Arnholdt, Leiter des Amts für Bildung und Sport, und Hermann Ocker vom Hochbauamt.

Die Königliche Postverwaltung ließ vor über hundert Jahren nicht nur das Hauptpostamt, sondern auch eine Postverwaltung bauen, die nun der „Eule“ ungeahnte Möglichkeiten bietet.

Echte „Eulen“ frisch aus dem 3D-​Drucker

Direkt an Bahnhof und Bundesstraße entsteht ein mehrgliedriges Modell– und Leuchtturmprojekt, Wissenswerkstatt der Zukunft.



 

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