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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Freitag, 26. Juli 2013

Flüchtlinge jetzt ehrenamtlich tätig. Bahn will die Dienste der Asylbewerber am Bahnhof beobachten /​Brief an Bahnchef Grube

Galerie (3 Bilder)

Einige Gmünder Asylbewerber sind seit Donnerstag wieder im Dienst. Auch ohne Auftrag. Sie stehen ehrenamtlich am Bahnhof und bieten – wie ihre nach Tarif bezahlten Bahn-​Kollegen – den Reisenden an, sie bei der Überquerung der Gleise zu unterstützen: Um Geld sei es nie gegangen.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Gleich mehrfach wurde die RZ am Freitag über einen bevorstehenden Platzverweis informiert: Die Bahn wolle von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und die Asylbewerber vertreiben. Ein Sprecher der Bahn dementierte dies jedoch; man werde die Situation weiter beobachten. Am Bahnhof war denn auch keine Bahnpolizei zu sehen, nur der Chef des Gmünder Polizeireviers, Helmut Argauer, der ebenfalls von der Räumung gehört hatte. Vor dem bundesweiten Medieninteresse hatte die Bahn der RZ versichert, es gebe keine Möglichkeit, Gmünds Bahnreisenden zu helfen. Die Bahnmitarbeiter, die nun doch eingesetzt werden – und die nicht zu einem Gespräch bereit waren –, haben sich am frühen Nachmittag verabschiedet. Aber zwei der Asylbewerber waren da, und boten Hilfe an, unentgeltlich. Iziegbe Christopher Igbinomwanhia und Kolade Ajibola wollten „nicht untätig auf dem Hardt sitzen“; sie hätten Gefallen gefunden an dieser Tätigkeit, die ihnen niemand verwehren könne. Die Gespräche und die Begegnungen am Bahnhof gäben ihnen viel. Und selbst wenn Sprachprobleme echte Verständigung sehr schwierig macht, nutzen andere die Möglichkeit, sich in Gesellschaft zu bewegen, bzw. körperlich zu fordern, anstatt „einfach nur Zeit totzuschlagen“. OB Richard Arnold kommentiert das Vorgehen der Asylbewerber lediglich mit dem Verweis auf deren Mündigkeit: „Ich nehme das so hin; warum sollte ich ihnen sagen, was sie tun sollen.“ Arnold ist „im übrigen davon überzeugt, dass die Grenze zwischen dem Gutmenschentum derer, die genau wissen, was gut ist für alle anderen, und Bevormundung hauchdünn geworden ist“. Auch wenn Arnold von Anfang an gesagt hat, er sei Oberbürgermeister aller Gmünder, auch der Flüchtlinge, ist doch der Landkreis verantwortlich für ihr Wohlergehen. Arnold zufolge hat Landrat Klaus Pavel gestern einen Brief an Bahnchef Rüdiger Grube geschrieben, und ihn auch im Namen der Stadt über die Geschehnisse der vergangenen Tage und die Bitten aus Gmünd informiert. Landrat Pavel unterstützt die Flüchtlinge ebenfalls nach Kräften und kann sich durchaus eine Lösung vorstellen, die die Bedürfnisse der Asylbewerber berücksichtigt. OB Arnold etwa schlägt vor, um dem Wunsch der Flüchtlinge, am Bahnhof arbeiten zu dürfen, entsprechen zu können, könne ihnen durchaus der geforderte Tariflohn bezahlt werden. Der Differenzbetrag zu den 1,05 Euro, die Asylbewerber maximal erhalten dürfen, solle dann eben der Flüchtlingsarbeit auf dem Hardt zugute kommen.
 

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Flüchtlinge jetzt ehrenamtlich tätig. Bahn will die Dienste der Asylbewerber am Bahnhof beobachten /​Brief an Bahnchef Grube

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Einige Gmünder Asylbewerber sind seit Donnerstag wieder im Dienst. Auch ohne Auftrag. Sie stehen ehrenamtlich am Bahnhof und bieten – wie ihre nach Tarif bezahlten Bahn-​Kollegen – den Reisenden an, sie bei der Überquerung der Gleise zu unterstützen: Um Geld sei es nie gegangen.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Gleich mehrfach wurde die RZ am Freitag über einen bevorstehenden Platzverweis informiert: Die Bahn wolle von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und die Asylbewerber vertreiben. Ein Sprecher der Bahn dementierte dies jedoch; man werde die Situation weiter beobachten. Am Bahnhof war denn auch keine Bahnpolizei zu sehen, nur der Chef des Gmünder Polizeireviers, Helmut Argauer, der ebenfalls von der Räumung gehört hatte. Vor dem bundesweiten Medieninteresse hatte die Bahn der RZ versichert, es gebe keine Möglichkeit, Gmünds Bahnreisenden zu helfen. Die Bahnmitarbeiter, die nun doch eingesetzt werden – und die nicht zu einem Gespräch bereit waren –, haben sich am frühen Nachmittag verabschiedet. Aber zwei der Asylbewerber waren da, und boten Hilfe an, unentgeltlich. Iziegbe Christopher Igbinomwanhia und Kolade Ajibola wollten „nicht untätig auf dem Hardt sitzen“; sie hätten Gefallen gefunden an dieser Tätigkeit, die ihnen niemand verwehren könne. Die Gespräche und die Begegnungen am Bahnhof gäben ihnen viel. Und selbst wenn Sprachprobleme echte Verständigung sehr schwierig macht, nutzen andere die Möglichkeit, sich in Gesellschaft zu bewegen, bzw. körperlich zu fordern, anstatt „einfach nur Zeit totzuschlagen“. OB Richard Arnold kommentiert das Vorgehen der Asylbewerber lediglich mit dem Verweis auf deren Mündigkeit: „Ich nehme das so hin; warum sollte ich ihnen sagen, was sie tun sollen.“ Arnold ist „im übrigen davon überzeugt, dass die Grenze zwischen dem Gutmenschentum derer, die genau wissen, was gut ist für alle anderen, und Bevormundung hauchdünn geworden ist“. Auch wenn Arnold von Anfang an gesagt hat, er sei Oberbürgermeister aller Gmünder, auch der Flüchtlinge, ist doch der Landkreis verantwortlich für ihr Wohlergehen. Arnold zufolge hat Landrat Klaus Pavel gestern einen Brief an Bahnchef Rüdiger Grube geschrieben, und ihn auch im Namen der Stadt über die Geschehnisse der vergangenen Tage und die Bitten aus Gmünd informiert. Landrat Pavel unterstützt die Flüchtlinge ebenfalls nach Kräften und kann sich durchaus eine Lösung vorstellen, die die Bedürfnisse der Asylbewerber berücksichtigt. OB Arnold etwa schlägt vor, um dem Wunsch der Flüchtlinge, am Bahnhof arbeiten zu dürfen, entsprechen zu können, könne ihnen durchaus der geforderte Tariflohn bezahlt werden. Der Differenzbetrag zu den 1,05 Euro, die Asylbewerber maximal erhalten dürfen, solle dann eben der Flüchtlingsarbeit auf dem Hardt zugute kommen.
 

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